Fest der Liebe Wie erleben Singles das Weihnachtsfest?

12.12.2019

Die Familie kommt zusammen, der Baum wird geschmückt, das Festessen zubereitet. Doch wie fühlt sich das eigentlich für einen Single?

An Weihnachten wird Singles das Allein-Sein deutlicher bewusst.
An Weihnachten wird Singles das Allein-Sein deutlicher bewusst. © Syda Productions - stock.adobe.com

Begeistert hört sich anders an. Für die 37-Jährige ist die staade Zeit nichts Besonderes. Und deshalb sieht ihre Wohnung im Dezember genauso aus wie das ganze Jahr über. Sabine (Name von der Redaktion geändert) lebt alleine, sie bezeichnet sich als „Dauersingle – der Richtige war nie dabei“. Aber bevor sie mit dem Falschen zusammen ist, sei sie eigentlich lieber alleine. Und so stellt sie weder Tannenzweige in eine Vase, noch Kerzen auf, einen Adventskranz sucht man ebenso vergebens. „Ich habe nichts gegen Dekoration, ich finde das sehr schön“, meint Sabine, „aber das ist doch viel zu viel Aufwand für mich alleine.“

Unterwegs mit Freunden

Vor einigen Jahren hat sie mal einen Teller mit vier Kerzenhaltern bekommen, doch der kam nie zum Einsatz. „Liegt irgendwo im Keller, glaub ich.“ Auch ein selbstgebastelter Papierstern fürs Fenster, ein Geschenk von der Mutter eines Freundes, baumelte nie an seinem Bestimmungsort. Sabine zuckt mit den Schultern. Sie überlegt. „Es ist schon schade, dass es nicht so besinnlich ist, so alleine. Man nimmt sich alleine nicht so die Zeit für Besinnlichkeit und Entschleunigung.“ Um nicht alleine zu Hause zu sitzen und Trübsal zu blasen, sei man als Single eben auch viel „in Action, mit Freunden unterwegs“ – natürlich auch auf Christkindlmärkten. Ob es eine gewisse Flucht ist? „Ja schon“, gibt die temperamentvolle Münchnerin zu.

In Erinnerung schwelgen

Deko, fährt Sabine fort, die habe für sie doch viel mit Familie zu tun. Die attraktive Rothaarige beginnt in Erinnerungen zu schwelgen. „Meine Mutter ist ein Dekorationsgenie“, sagt sie lachend, „da gibt es immer Kerzen, Girlanden, Engel und, und, und.“ Und die selbstgebackenen Plätzchen ihrer Mutter seien sowieso die besten. Aber die Familie ist eben 300 Kilometer weit weg. Natürlich verbringt Sabine Weihnachten bei ihren Eltern, trifft dort auch ihre Schwestern, die beide verheiratet sind.

Mitleid von der Familie

Wenn sie die beiden mit deren Männern beobachtet, fühlt sie sich irgendwie ausgeschlossen. Da wird es Sabine wieder knallhart bewusst: Du bist allein, Du hast niemanden, mit dem Du ein Team bist, der fest an Deiner Seite steht. Und wenn ihre Schwestern am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag Tanten und Onkel besuchen, bleibt Sabine lieber alleine bei ihren Eltern. Seit einigen Jahren meidet sie diese Treffen. „Jedes Jahr wurde ich gefragt: ‚Du hast keinen Freund? Ach, Du findest auch noch einen‘.“ Sabine schluckt. Diese Sprüche, dieses Mitleid ist sie leid. „Als ob man die Hälfte weniger wert ist, wenn man keinen Mann hat.“ Sabine lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, sie ist eine starke Persönlichkeit und gibt die Hoffnung nicht auf. Irgendwann, ist sie sich sicher, wird sie zu zweit sein an Weihnachten. Dann wird auch ihre Wohnung festlich geschmückt mit Kerzen, Tannenzweigen und vielleicht sogar einem kleinen Christbäumchen.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Chefredakteurin Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten

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