Projekt „Buch macht Schule – Schule macht Buch“ Zukünftige Erzieherinnen präsentieren Buch über Obdachlosigkeit

13.12.2019

Studentinnen der Fachakademie für Sozialpädagogik in der Münchner Au haben die Chance bekommen, einen Roman zu schreiben. Mit dem wollen sie mit Vorurteilen gegenüber Obdachlosen aufräumen.

Die Autorinnen präsentieren ihr Buch.
Die Autorinnen präsentieren ihr Buch. © Braun/SMB

München – Egal, wie dornig eine Situation sein mag im Leben – im eigenen oder in dem der Kinder und Jugendlichen, die Sie in Ihrem Beruf begleiten werden – geben Sie nie die Hoffnung auf, dass da etwas zum Blühen kommen kann“, sagt Schwester Gisela Hörmann. Und dann überreicht die Schulrektorin der Fachakademie für Sozialpädagogik der Armen Schulschwestern in der Münchner Au ihren Schülerinnen in Anspielung auf das Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ ein Sträußchen mit Rosen und Tannenzweigen. Anlass war die Präsentation des nun fertig gestellten Buches, welches der Kurs 2 im Rahmen des Projekts „Buch macht Schule, Schule macht Buch“ gemeinsam geschrieben hatte: „Invisible … wenn Wirklichkeit verdrängt wird“ handelt von jugendlichen Obdachlosen in München.

Recherche in Sozialeinrichtungen

Im Juli hatten sich die 20 zukünftigen Erzieherinnen mit der Schriftstellerin Carola Kupfer getroffen und den Inhalt von acht Kapiteln erarbeitet, an denen sie in kleinen Gruppen die Sommerferien über geschrieben. Um ein authentisches Bild von obdachlosen Jugendlichen in München wiedergeben zu können, kamen entweder Referenten von „Prop“ (Verein für Prävention, Jugendhilfe und Suchttherapie) und „Horizont“ (Verein für junge Frauen und Mütter in Obdachlosigkeit und Not) in die Schule oder die Nachwuchs-Autorinnen begaben sich auf Recherche in die Teestube „Komm“, die Bahnhofsmission oder zu „open.med-Ärzte der Welt“, die in einem Bus Menschen versorgen, die nicht krankenversichert sind. Außer mit Obdachlosigkeit befassten sich die jungen Frauen mit weiteren Themenbereichen wie Drogensucht, frühe Schwangerschaft, Depressionen und Essstörungen.
So kreierten sie eine Geschichte mit insgesamt fünf fiktiven Charakteren, von den zwei auf der Straße leben. Eine andere Figur ist, wie sie, Studentin an der Fachakademie am Mariahilfplatz. Finanziell unterstützt wurde das Projekt unter anderem von der Theresia-Gerhardinger- Stiftung.

Probleme von Obdachlosen

„Das Buch zeigt, wie extrem gegensätzlich die Lebenssituationen junger Menschen in einer Stadt sein können“, resümiert Kurssprecherin Anna Gratzl. Der Buchtitel „Invisible“ („unsichtbar“) solle die Probleme und Schwierigkeiten verdeutlichen, denen Obdachlose (vor allem während der kalten Jahreszeit) in München begegnen, die für viele andere Menschen verborgen bleiben. Mit-Autorin Antonia Pleyer sieht das Ziel des Buches darin, einen Denkanstoß zu geben und nicht zu pauschalieren, sondern bei jedem Fall nach den individuellen Gründen zu suchen, weshalb jemand auf der Straße lebt. Zudem wolle man mit Vorurteilen wie „Die wollen nicht arbeiten“ aufräumen. Ein Charakter im Buch, der Obdachlose bislang als Menschen zweiter Klasse sah, wandelt sich zum „verständnisvollen und aktiv helfenden Menschen“. Diese Entwicklung wünschen sich die Autorinnen auch für den Leser und die Gesellschaft. (Karola Braun)


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