Runder Geburtstag Donum Vitae-Initiatorin Rita Waschbüsch wird 80 Jahre alt

22.05.2020

Als Ministerin, an der Spitze des ZdK und als Vorsitzende von Donum Vitae engagierte Rita Waschbüsch sich für Kirche, Familie und den Lebensschutz. Dabei ist sie auch Konflikten nicht aus dem Weg gegangen.

Rita Waschbüsch
Rita Waschbüsch ist Mitbegründerin von Donum Vitae. © Harald Oppitz/KNA

Trier – "Ich bin ein sehr gelassener Mensch", sagt Rita Waschbüsch. Sie habe stets an der Sache orientiert ihr Handeln erklären wollen - und dazu auch "in Sachfragen mit dem ein oder anderen Bischof diskutiert". Einen Konflikt habe sie nie bewusst gesucht - sich aber auch nicht gescheut, Verantwortung für Themen zu übernehmen, die ihr wichtig sind - auch, wenn das Auseinandersetzungen mit sich brachte.

Jahrzehntelang war Waschbüsch haupt- und ehrenamtlich aktiv, als Politikerin im Saarland, im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und bei dem von ihr mitgegründeten Verein Donum Vitae (Geschenk des Lebens). Am 22. Mai wird die im Saarland lebende CDU-Politikerin und überzeugte Katholikin 80 Jahre alt.

Ergebnisoffene Beratung

Zuletzt gab Waschbüsch im vergangenen Herbst nach 20 Jahren den Vorsitz bei Donum Vitae ab. Der Verein berät Schwangere in Konfliktsituationen - am Gesetz orientiert ergebnisoffen - und stellt im Anschluss den Beratungsschein aus, den Frauen für einen Abbruch der Schwangerschaft vorlegen müssen.

Der Bundestag entschied 1995, Abtreibungen nach einer Beratung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche straffrei zu erlauben. An dem staatlichen Beratungssystem beteiligten sich zunächst auch katholische Stellen wie die Caritas oder der Sozialdienst katholischer Frauen. Allerdings stiegen die Bischöfe 1999 auf Anordnung des Papstes daraus aus. Gemeinsam mit anderen Katholiken gründete Waschbüsch daraufhin Donum Vitae.

Perspektiven für ein Leben mit Kind

Rückblickend nimmt Waschbüsch die Auseinandersetzungen mit den Bischöfen um den Verein gelassen: "Im Grunde trennt uns von der Haltung der Bischöfe oder des Papstes in Sachen Lebensschutz überhaupt nichts." Sie ist überzeugt: "Wir haben nichts anderes fortgeführt, als das, was kirchliche Stellen früher gemacht haben." Donum Vitae sei es stets darum gegangen, Frauen in Not aus christlicher Sicht Perspektiven für ein Leben mit dem Kind aufzuzeigen und den "Lebensschutz durch Rat für die Frauen" zu fördern.

Die deutliche Abgrenzung der Bischöfe von Donum Vitae 2006 sieht Waschbüsch dennoch als "harten Hammer". Der Schritt sei vor allem mit finanziellen Einschränkungen verbunden gewesen, da weniger Katholiken für den Verein gespendet hätten. Inzwischen ist das Verhältnis zur Kirche deutlich entspannter. Der Verein mit bundesweit etwa 200 Beratungsstellen hat sich als erfolgreiche Stelle etabliert.

Familiäre Unterstützung

Waschbüsch wurde 1940 im saarländischen Landsweiler geboren. Von 1970 bis 1994 war die CDU-Politikerin Abgeordnete im Landtag des Saarlands, davon zuletzt 16 Jahre Vizepräsidentin. 1974 wurde sie Sozialministerin und bekleidete als erste Frau im Saarland ein Ministeramt. "Ein Privileg", wie sie sagt. Die Mutter von fünf Kindern bekam ihre jüngste Tochter im ersten Jahr als Ministerin - was damals zwar ungewöhnlich gewesen sei, aber kaum jemand offen kritisiert habe, sagt sie.

"Nennenswerte Schwierigkeiten" habe sie als Frau nicht erfahren, dafür viel Unterstützung von ihrer Familie, die sich um die Kinderbetreuung gekümmert habe, wenn sie unterwegs war. Familien- und frauenfreundliche Strukturen wie Kitas oder Tagesmütter fehlten zu der Zeit. Familien mit Kindern und zwei voll berufstätigen Partnern waren eine Ausnahme. Waschbüschs Mann arbeitete als Lehrer und konnte nachmittags für die Kinder da sein, und auch die im Haus lebende Oma sprang regelmäßig ein. In dem Punkt habe sie Glück gehabt, sagt Waschbüsch. "Nur deshalb ging das gut."

Verantwortung für die Mitgestaltung der Welt

Bereits als Jugendliche engagierte Waschbüsch sich in der katholischen Kirche und in kirchlichen Verbänden. "Als Christ hat man Verantwortung für die Mitgestaltung der Welt, im Rahmen dessen, was man kann und verändern möchte", so ihre Überzeugung. 1988 wurde Waschbüsch als erste Frau zur ZdK-Vorsitzenden gewählt. Geschätzt habe sie dabei vor allem die demokratischen Möglichkeiten der Laien in der Kirche. Bis heute prägt sie nach eigenen Worten die Auffassung, dass eine demokratische Gesellschaft und auch die Kirche engagierte Demokraten brauchen - "und möglichst welche mit zukunftsfähigen Wertvorstellungen". (kna)


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