Medien Politik und Kirche von der Büchereiarbeit überzeugen

30.10.2020

Öffentliche Mittel für Büchereien sind rückläufig. Der Büchereifachverband Sankt Michaelsbund stemmt sich gegen weitere mögliche Kürzungen.

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München - Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie haben sich die Mitglieder des Landesverbands Sankt Michaelsbund vor kurzem im Salesianum in Haidhausen getroffen. Auch wenn einige Mitglieder Corona bedingt abgesagt hätten, sei die Präsenz-Mitgliederversammlung die richtige Entscheidung gewesen, erklärt der geschäftsführende Direktor des Sankt Michaelsbund, Stefan Eß. "Viele unserer Mitglieder waren froh, dass es tatsächlich eine persönliche Versammlung gab, weil ihnen der Austausch, so wie er eben in Corona Zeiten möglich ist, trotzdem wichtig ist."

Büchereien sind Bildungseinrichtungen

Vor zwei großen Herausforderungen steht der Landesverband aus der Sicht von Stefan Eß in nächster Zeit. Da ist zum einen der Umgang mit Corona. Die Mitgliedsbüchereien sind im Frühjahr länger geschlossen geblieben als andere öffentliche Einrichtungen, weil sie als Freizeit- und nicht als Bildungseinrichtungen eingestuft wurden. Für den Sankt Michaelsbund war das so nicht hinnehmbar. "Ich glaube, das ist jetzt angekommen: Büchereien sind Bildungseinrichtungen! Die Menschen vor Ort brauchen die Bücher und die Medien, um nicht während der Corona Zeit auch noch zu verblöden", betont Eß. Die Politik hat das Anliegen des Sankt Michaelsbundes schließlich erhört. Und damit der Kontakt nicht abreißt, hat man gleich die nächste Aktion gestartet, berichtet Stefan Eß. "Wir haben das als Landesverband zum Anlass genommen, bei Politikern nachzuhören, was finden Sie eigentlich gut an den Büchereien? Kennen Sie Büchereien, finden Sie Büchereien und öffentliche Bibliotheken wichtig? Und haben dazu jetzt einen Image-Flyer herausgebracht, um vor Ort und letztlich auch bei den Mandatsträgern dafür zu werben, jetzt nicht an der falschen Stelle zu sparen. Natürlich sind wir proaktiv auch dabei, die Entscheider zu überzeugen, bitteschön nicht bei der Büchereiarbeit zu sparen."

Christen sind kommunikativ

Die Finanzen sind also die zweite große Herausforderung, die den Landesverband auch über die Coronakrise hinaus beschäftigen wird. Dabei geht es nicht nur um die Unterstützung durch den Freistaat. Auch bei der Kirche wirbt der Büchereifachverband für sein Anliegen. Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx hat beim Gottesdienst mit den Mitgliedern des Landesverbands in der Pfarrkirche St. Wolfgang klargemacht, dass die Bücherarbeit auch in Zukunft für die Kommunikation zwischen Kirche und Gesellschaft wichtig sein wird. In der Predigt bedankte sich Kardinal Marx bei den Mitgliedern und Mitarbeitern des Sankt Michaelsbundes für ihr Engagement. "Kommunikation gehört zum Wesentlichen des Menschseins und des Christseins. Möge Gott Euch dazu seinen Segen geben und durch die Kraft seines Geistes ermutigen und begleiten", sagte Marx.

Bücherarbeit wichtig für den ländlichen Raum

Die Bücherarbeit wird also weiterhin von Kirche und Freistaat positiv beurteilt. Und deshalb schaut der Landesvorsitzende des Sankt Michaelsbund, der Passauer Domkapitular Gerhard Auer, durchaus optimistisch in die Zukunft: "Wir wissen um die Wertschätzung hier in Bayern. Es gibt viele Bürgermeister und Landräte, die uns in unserer Arbeit bestärken und sehen, dass diese Arbeit dem ländlichen Raum zugute kommt und damit den Menschen, die uns von kommunaler und auch kirchlicher Seite anvertraut sind", so Domkapitular Auer am Rande der Mitgliederversammlung.



Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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