Sankt Martin 1700 Jahre alter Helfer in der Not

11.11.2017

Seit Wochen sind in den Kindergärten wieder fleißig Laternen gebastelt und Lieder geübt worden. Zu Ehren eines Heiligen, der für Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft steht: Sankt Martin. Der ist rund 1700 Jahre alt und immer noch großes Vorbild...

Sankt Martin: ein beliebtes Fest für Kinder
Sankt Martin: ein beliebtes Fest für Kinder © Fotolia.com

München – Jedes Jahr am 11. November gibt es einen Gedenktag für ihn: Sankt Martin. Kinder ziehen mit Laternen durch die Straßen und singen Martinslieder. Oft wird dabei ein kleines Theaterstück aufgeführt, und zwar mit einer ganz bestimmten Szene aus Martins Leben. In der kalten Nacht sitzt ein Bettler am Wegesrand, als Martin vorbeikommt, seinen Mantel teilt, die eine Hälfte dem armen Mann gibt und wie es in dem bei jedem Martinsumzug gesungenen Lied heißt, geschwind fort reitet, als der ihm danken will. In der folgenden Nacht erscheint ihm der Bettler im Traum und gibt sich als Jesus Christus zu erkennen.

Martin – ein römischer Soldat

Geboren wurde Martin vermutlich vor rund 1700 Jahren, im Jahr 316 nach Christus und zwar als Sohn eines römischen Offiziers in Pannonien, im heutigen Ungarn. Aufgewachsen ist er in Pavia in Italien. Mit 15 Jahren ging er zur Armee und wurde Soldat, und bald darauf Offizier. Er soll schon seit jeher sehr hilfsbereit gewesen sein.

Martin wird Christ

Martin ließ sich nach dem Erlebnis mit dem Bettler taufen, ging nach Frankreich zu Bischof Hilarius und wurde von diesem unterrichtet. Später sollen die Menschen ihn gebeten haben, Bischof der Stadt Tours zu werden, weil sie ihn so liebten. Weil sich Martin dazu aber nicht würdig gefühlt habe, soll er sich in einem Gänsestall versteckt haben. Diese aber schnatterten so laut, dass er verraten wurde. Martin wurde Bischof, und soll bis zu seinem Tod mit 81 Jahren viele Wunder vollbracht haben. Von nah und fern kamen Menschen zu seiner Beerdigung, die eben am 11. November stattfand. Martin wurde vom Papst heiliggesprochen und ist nun der Schutzpatron für viele Berufe. Für Winzer, Fassmacher, Huf- und Waffenschmiede, Weber, Schneider, Bürstenbinder, Gerber, Hirten, Hutmacher und Müller. Er beschützt außerdem die Bettler und die Soldaten – und alle Haustiere.

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Sankt Martin

Ein Beitrag im Münchner Kirchenradio

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Schön anzusehen sind die vielen Laternen, die von Kindern in Kindergarten und Schule gebastelt werden. © Karsten Schmid

Martin in der Kunst

In einem im 10. Jahrhundert geschaffenen Sakramentar im Kloster Fulda ist die älteste bekannte Darstellung des Heiligen Martin zu sehen. Interessant ist dabei, dass Martin in dieser Darstellung nicht hoch zu Ross, sondern zu Fuß unterwegs ist. In einer Vision erkennt Martin dabei, dass er das Mantelstück nicht einem Bettler, sondern Christus geschenkt hat.

Erst auf den Bildern der kommenden Jahrhunderte wurde Martin immer überhöhter dargestellt, er sitzt dann auf einem Pferd, weit über dem Bettler, der in der Kunst immer kleiner und ärmer wird.

Warum Laternen an Sankt Martin?

Früher gab es oft Lichterprozessionen zu den Gräbern bekannter Menschen, so sicherlich auch zu dem des Heiligen Martins. Aber auch der Jahreslauf der Bauern könnte ein Grund sein. Anfang November beendeten die Bauern ihre Arbeit auf den Feldern, es wurde dunkler und das Licht wurde wichtiger. Er galt traditionellerweise für die Bauern auch als Zahltag, war sozusagen das Ende und der Beginn des Wirtschaftsjahres.

Zum Dank für die Ernte hat man auf den abgeernteten Feldern Feuer entzündet. Die Kinder haben an dem Feuer Fackeln aus Stroh und Papier entzündet, oder sogenannte "Trulllichter", das waren ausgehöhlte Rüben und Kürbisse. “Ein Brauch, der heute eine Renaissance mit den ausgehöhlten Kürbissen zu Halloween erfahren hat”, erklärt der Münchner Pfarrer Martin Cambensy. “Und damit gehören diese Feste im Herbst eng zusammen und zeigen eine uralte Tradition”, fährt er fort.

Bauernregeln
Einige Bauernregeln ranken um das Martinsfest:
Hat Martini einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart.
Wenn an Martini Nebel sind, wird der Winter meist gelind.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de

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