Eichstätter Finanzskandal 18 Katholiken zeigen Bischof Hanke in Rom an

22.03.2018

Die Katholiken werfen Bischof Gregor Maria Hanke eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vor. Sie fordern eine Untersuchung wie im Fall des Limburger Bischofshauses.

Gregor Maria Hanke ist seit 2006 Bischof von Eichstätt
Gregor Maria Hanke ist seit 2006 Bischof von Eichstätt © pde / Christian Klenk

Ingolstadt/Eichstätt – Mehrere Katholiken aus dem Bistum Eichstätt haben Bischof Gregor Maria Hanke in Rom angezeigt. Sie werfen ihm im Zusammenhang mit dem Finanzskandal der Diözese eine "schwerwiegende Verletzung der Sorgfaltspflicht" vor. Die Kleruskongregation solle eine "eigene, unabhängige Untersuchung" wie im Fall des Limburger Bischofshauses anstellen.

Das Schreiben mit Datum vom 18. März richtet sich an den Präfekten der Kongregation, Kardinal Beniamino Stella, und liegt der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vor. Es ging auch an den Apostolischen Nuntius in Berlin, Erzbischof Nikola Eterovic. Erstunterzeichner ist der Ingolstädter Walter Hürter von der Eichstätter Diözesangruppe "Wir sind Kirche".

Dienstaufsichtsverfahren auch für Bischöfe

Hürter sagte auf Anfrage, weitere 17 ehrenamtlich engagierte Katholiken aus dem Bistum hätten seinen Brief unterschrieben. Hanke habe nach ihrer Überzeugung seine Amtspflichten verletzt bei der Ernennung des Finanzdirektors, der die umstrittenen US-Immobiliendarlehen mitunterschrieben habe. Der Bischof habe ferner bei der Besetzung der zuständigen Gremien für die Verwaltung und Aufsicht über das Vermögen nicht genügend auf Ämtertrennung geachtet. Außerdem sei er "direkt verantwortlich" für die Einstellung eines der beiden Hauptbeschuldigten, mit dem er persönlich befreundet sei.

Die Beschwerdeführer berufen sich in ihrer Anzeige auf ein Motu Proprio von Papst Franziskus vom 5. September 2016 mit dem Titel "Wie eine liebevolle Mutter". Mit dem Dekret schaffte der Papst erst die Möglichkeit solcher Dienstaufsichtsverfahren auch für Bischöfe, an deren Ende eine Amtsenthebung stehen kann. Dabei wird geprüft, ob durch schlechte Amtsführung "physisch, moralisch, geistlich oder wirtschaftlich" Schaden entstanden sei. Unerheblich ist dabei, ob dem Amtsinhaber eine "schwere moralische Schuld" nachweisbar ist.

Hanke hat Mitverantwortung eingeräumt

Bistumssprecher Martin Swientek erklärte dazu, der Beschwerdebrief liege dem Ordinariat nicht vor und könne daher auch nicht kommentiert werden. Der Bischof halte an seinem Ziel einer rückhaltlosen Aufklärung "auch ohne Rücksicht auf seine Person" fest. Durch seine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft habe er im Juli 2017 "eine in jeglicher Hinsicht unabhängige Untersuchung durch staatliche Behörden" veranlasst. Bereits am 5. Februar habe Hanke den Apostolischen Nuntius und die zuständigen römischen Dienststellen ausführlich darüber informiert.

Bei dem Skandal geht es um die Investition von rund 50 Millionen Euro aus dem Anlagevermögen des Bistums in großteils ungesicherte Darlehen für Immobilienprojekte in den USA. Die Diözese rechnet damit, dass dieser Betrag weitgehend verloren ist. Der damalige stellvertretende Finanzdirektor des Bistums und ein Geschäftspartner gelten bisher als Hauptverantwortliche. Sie sitzen seit Ende Januar in Untersuchungshaft, unter anderem wegen des Verdachts des Betrugs und der Bestechlichkeit.

Der Bischof hat in mehreren Interviews eine Mitverantwortung für die Affäre eingeräumt. Möglicherweise habe er nicht frühzeitig und entschieden genug durchgegriffen beim Bemühen um transparente Finanzen. Der Benediktiner Hanke (63) ist seit 2006 Bischof von Eichstätt. (KNA)


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