In Bayern feiert der Verein das Jubiläum im Oktober 20 Jahre donum vitae

15.10.2019

Viele Katholiken waren entsetzt, als Papst Johannes Paul II. 1998 die Bischöfe in einem Brief gebeten hatte, aus der staatlichen Schwangerenkonfliktberatung auszusteigen. 1999 gründeten katholische Laien den Verein „donum vitae“.

donum vitae berät Frauen, wenn sie unsicher sind, ihr Kind bekommen zu wollen.
donum vitae berät Frauen, wenn sie unsicher sind, ihr Kind bekommen zu wollen. © nerudol - stock.adobe.com

München – 1995 war der § 218 GG so geändert worden, dass eine Abtreibung straffrei bleibt, wenn die Frau sich vorher beraten lassen hat. Damals hatten beide Kirchen zahlreiche Beratungsstellen. Die Katholischen gehörten zum Sozialdienst katholischer Frauen SkF oder zur Caritas. Frauen, die unsicher waren, ob sie ihr Kind bekommen wollen, konnten sicher sein, dass ihnen dort alle Möglichkeiten aufgezeigt wurden. Die Regensburger Theologin Sabine Demel schrieb gerade ihre Habilitation, als der Papst „die Bischöfe eindringlich gebeten hat, in den ihnen zugeordneten Beratungsstellen keine Beratungsscheine mehr auszustellen, weil diesen Beratungsscheinen eine Zweideutigkeit anhaftet.“

Zum einen bestätigten sie eine Beratung zugunsten des ungeborenen Lebens. Andererseits verhelfen sie zur Straffreiheit bei einer Abtreibung. „Diese Zweideutigkeit sei für die Institution Kirche nicht tragbar, die eindeutig für das unbedingte Lebensrecht eintreten müsse, “ erinnert sich Demel. Für die Kirchenrechtlerin waren damals zwei Dinge klar: „Im Kirchenrecht gibt es einen Grundsatz: Wenn Rechte eingeschränkt werden, ist die enge Auslegung verpflichtend. Und das heißt: der genaue Wortlaut. Eine eindringliche Bitte ist keine Forderung.“ Und zweitens hatte Johannes Paul II. an die Bischöfe geschrieben. „Deswegen habe ich gesagt: Wenn die Bischöfe das aufgeben, können wir Laien das übernehmen.“

Menschen beistehen

Sabine Demel war 1999 Gründungsmitglied, heute ist sie Vorsitzende von donum vitae in Bayern. Ziel war und ist ein katholisch geprägtes Angebot, in dem die Beraterinnen versuchen, die Frau für das Leben mit dem Kind zu gewinnen, „ohne sie zu bevormunden, ohne sie zu be- oder verurteilen und ihr auch unserer Hilfe anzubieten, falls sie sich dennoch für eine Abtreibung entscheidet. Das ist ja genau das Katholische: Menschen weiterhin beizustehen, selbst wenn sie nicht unsere Werte teilen.“

Sabine Demel bei der Verleihung des Ellen-Ammann-Preises des KDFB Bayern.
Sabine Demel bei der Verleihung des Ellen-Ammann-Preises des KDFB Bayern. © KDFB/Bardehle

Doch die Diskussion ging weiter. Der apostolische Nuntius in Deutschland erklärte, der Verein befinde sich „in offenem Widerspruch zu den Anweisungen des Heiligen Vaters“. 2006 erklärten die deutschen Bischöfe, dass es sich bei dem privaten Verein donum vitae um „eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche“ handele. Kirchlichen Mitarbeitern wurde die Mitwirkung bei donum vitae untersagt. Heute habe sich die Lage etwas entspannt, erklärt Demel: „Wir haben eine Aussage von Kardinal Marx, der schreibt, es bestehe kein Zweifel, dass donum vitae sich - wie auch die bischöflich verantworteten Beratungsstellen - für das ungeborene Leben einsetze und Frauen Mut machen konnte, sich für ihr Kind zu entscheiden.“ Doch das Papier von 2006 steht immer noch im Raum. Und dadurch sei immer noch fraglich, ob Pastoralreferentinnen, ständige Diakone oder Priester problemlos Mitglied bei donum vitae werden könnten oder ob ihnen noch immer Kündigung, Gehaltskürzungen oder der Entzug der Missio Canonica drohten, so die Vereinsvorsitzende in Bayern.

7§§In der zweistündigen Talksendung "Hauptsache Mensch" stellt das Münchner Kirchenradio spannende Persönlichkeiten vor, die mit ihrem Tun christliche Werte transportieren. Dabei sind die Portraitierten nicht unbedingt Vorzeigechristen, aber auf jeden Fall treten sie an, diese Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Auch Sabine Demel, Gründungsmitglied von donum vitae in Bayern, war zu Gast in der Sendung.

Der private Verein muss übrigens Jahr für Jahr eine Million Euro an Spenden aufbringen. Ein echter Kraftakt. Doch Sabine Demel hat einen Traum: „Manchmal male ich mir aus, dass die Bischöfe ihre ablehnende Haltung aufgeben und uns an den kirchlichen Geldtöpfen beteiligen, vor allem an den Kirchensteuermitteln. Aber ohne unsere Beratungsstellen in ihre Verantwortung zu übernehmen.“ In Deutschland zeigen heute mehr als 200 Donum-Vitae-Beratungsstellen schwangeren Frauen Perspektiven auf, damit sie sich für ein Leben mit ihrem Kind entscheiden.

Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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