Jubiläumsausstellung 200 Jahre Friedhofswesen in München

25.04.2019

Das kommunale Friedhofs- und Bestattungswesen feiert Geburtstag. Wie wichtig dessen Arbeit ist, zeigt nun eine eigene Ausstellung.

Der alte Nordfriedhof entstand erst 1866. Heute ist er eine Parkanlage.
Der alte Nordfriedhof entstand erst 1866. Heute ist er eine Parkanlage. © SMB/ Kuklik

München – Es ist ein großes und rundes Jubiläum, das 2019 gefeiert wird: Das kommunale Friedhofs- und Bestattungswesen in München wird 200 Jahre alt. Was wir heute mit den Friedhöfen haben, wurde im Jahr 1819 festgezurrt: Planmäßig angelegte Grabfelder, repräsentative Arkadengrüfte und nicht zuletzt eine parkähnliche Bepflanzung sollten den Friedhof von einem „schaurigen“ in einen „schönen Ort“ verwandeln, an dem man sich gerne aufhält.

Weitsichtig waren die Friedhofsplanungen des Münchner Stadtbaurates Hans Grässel. Von 1899 bis 1907 entstanden der Nord-, Ost-, West- und Waldfriedhof dezentral nach den Himmelsrichtungen. Alle Friedhöfe wurden schon damals bewusst mit viel „Grün“ angelegt. Unter anderem dieses Erscheinungsbild macht die Münchner Friedhöfe bis heute so besonders. Weitere Friedhöfe kamen durch Eingemeindungen und einige Neubauten dazu. Heute gibt es in München 29 städtische Friedhöfe und jeder hat seinen eigenen Charakter.

Repräsentativer Sitz im Palais Lerchenfeld

Das 200-Jahr-Jubiläum lässt auch zurückblicken auf eine Zeit, in der kein öffentlich organisiertes Bestattungswesen existierte. Es zeigt den langen und mühevollen Weg, an dessen Anfang die Interessen von Einwohnern bestenfalls untergeordnet wahrgenommen wurden, bis heute, wo sich die Friedhofsverwaltung als Dienstleister für ihre Bürgerinnen und Bürger versteht. Ihren repräsentativen Sitz hat die Münchner Friedhofsverwaltung in dem von Ignaz Anton Gunezrainer 1726 für Graf Toerring erbauten „Palais Lerchenfeld“ in der Damenstiftstraße 8. Das schmucke Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Seine fein gegliederte Rokokofassade jedoch blieb zum Teil erhalten.

Blick in die Jubiläumsausstellung in der Alten Münze in München.
Blick in die Jubiläumsausstellung in der Alten Münze in München. © Schlüter

Die Stadt erwarb 1957 die Bauteile zusammen mit dem rechts angrenzenden Flügelbau und erbaute das Palais hinter den von Architekt Erwin Schleich zugleich restaurierten Fassaden. 1974/75 wurde auch das links angrenzende Gebäude hinzuerworben und angleichend instandgesetzt. Seit 1958 ist die Leitung und Zentrale der Städtischen Friedhöfe München hier angesiedelt.

Die Zeit geht langsamer

Natürlich sind die Friedhöfe von ihrer Bestimmung her in erster Linie dazu da, Abschied zu nehmen, zu trauern und sich zu erinnern. Aber viele Münchnerinnen und Münchner gehen auch „einfach nur so“ gerne in den Friedhöfen spazieren, weil es ruhige und schöne Orte in der oft hektischen Millionenstadt sind. „Hinter den Friedhofstoren geht die Zeit langsamer“, sagen viele. Stille spüren, Kraft schöpfen, zu sich kommen: auch das suchen Menschen in den Münchner Friedhöfen.

Begleitend zum großen Jubiläum wird es in diesem Jahr viele Veranstaltungen geben, die das Thema Friedhofs- und Bestattungskultur aufnehmen. Geplant sind ein Festakt, eine Jubiläumsausstellung (siehe „Wissenswert“), viele Führungen auf den Friedhöfen der Stadt sowie Kunstaktionen auf Münchner Plätzen. (pm)

Bis Mittwoch, 23. Mai, kann in der Alten Münze, Landesamt für Denkmalpflege (Hofgraben 4, Eingang über das Hoftor in der Pfisterstraße), die große Jubiläumsausstellung besucht werden. Sie gliedert sich in drei Teile: Der erste präsentiert auf über 30 großen Schautafeln in Wort und Bild die 200-jährige Geschichte des kommunalen Friedhofs- und Bestattungswesens in München. Der zweite Teil besteht aus Schwarz-Weiß-Bildern, die der Fotograf Werner Bauer über einen Zeitraum von zwei Jahren auf dem Alten Südfriedhof an der Thalkirchner Straße in der Isarvorstadt aufgenommen hat. Im dritten Teil der Ausstellung zeigt der Künstler einen zehnminütigen Film, in dem er über die städtischen Friedhöfe in München erzählt. Geöffnet ist montags bis donnerstags von 11 bis 16 Uhr, freitags bis 14 Uhr, am 4. und 5. Mai von 10 bis 17 Uhr.

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