Unterschiedliche Zeitrechnung 2017 feiern alle Christen am gleichen Termin Ostern

13.04.2017

Seit Jahrhunderten wird innerhalb der christlichen Kirchen über den Ostertermin gestritten. Selten wird am gleichen Tag gefeiert. Doch warum eigentlich?

2017 feiern christliche Kirchen im Westen und Osten Ostern am selben Tag.
2017 feiern christliche Kirchen im Westen und Osten Ostern am selben Tag. © fotolia/stadtratte

Bonn – Dies ist kein Ostern wie jedes andere. Denn trotz unterschiedlicher Zeitrechnung feiern die christlichen Kirchen im Westen und Osten das Fest in diesem Jahr mal wieder am selben Tag: am 16. April. Das kommt nicht gerade häufig vor. Als Ostertermin wurde beim Konzil von Nizäa 325 der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Frühester Ostertermin ist deshalb der 22. März, spätester der 25. April.

Das Problem dabei: Seit dem 16. Jahrhundert folgen östliche und westliche Kirchen unterschiedlichen Kalendern: Die russisch-orthodoxe und einige andere orthodoxe Kirchen richten sich nach dem auf Julius Caesar zurückgehenden Julianischen Kalender. Katholische und evangelische Kirche folgen dem 1582 von Papst Gregor XIII. reformierten Gregorianischen Kalender. Die Ostertermine können deshalb bis zu fünf Wochen auseinanderfallen.

Gemeinsamer Termin hat hohe Symbolik

Gemeinsame Ostern gab und gibt es in den rund 1.500 Jahren zwischen 1583 und dem Jahr 3000 genau 271 Mal, wie zahlenbegeisterte Astronomen ausgerechnet haben - davon im 20. Jahrhundert 26 Mal, im 21. Jahrhundert 31 Mal. Für viele Christen ist ein solcher kalendarischer Zufall deshalb von hoher Symbolik. Seit Jahrhunderten ist der Ostertermin ein Zankapfel in der Christenheit. Alle Päpste von Paul VI. (1963-1978) bis zu Franziskus haben deshalb ihre Bereitschaft bekundet, die bisherige katholische Praxis zugunsten eines gemeinsamen Ostertermins aufzugeben. 2015 erklärte Papst Franziskus, er habe in diesem Sinne einen Brief an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., und den Moskauer Patriarchen Kyrill I. geschrieben. Eine offizielle Antwort ist bislang nicht bekannt: Der russische Kirchenexperte und Theologieprofessor Andrej Kuraew allerdings gab dem Vorstoß keine Chance: Der Vorschlag sei "unrealistisch", hieß es in seinem kurze Zeit später veröffentlichten Blog.

Kalender-Korrekturen sind schwer durchsetzbar

Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ist seit Jahrzehnten um eine Vereinheitlichung bemüht - bislang ohne Erfolg. Ein auf einer Kirchenkonferenz 1997 erarbeiteter Vorschlag verlief im Sand: wegen großer Widerstände in den orthodoxen Kirchen, die über solche Fragen in den 1920er Jahren schon einmal einen bis zur Kirchenspaltung hochkochenden Konflikt erlebt hatten. Veränderungen können verunsichern, wie die Volksaufstände und Unruhen belegen, die der Kalenderreform von Papst Gregor XIII. im 16. Jahrhundert folgten. Der Papst hatte Julius Cäsars unpräzise Schalttagsregel verbessert und auf die dadurch entstandene Verwirrung um den Ostertermin reagiert. Zunächst verfluchten auch die Protestanten Gregors Reform als "trojanisches Pferd", das die evangelischen Kirchen unter päpstliche Knechtschaft zwingen solle. Erst im 18. Jahrhundert setzte sich bei ihnen der bis heute gültige Gregorianische Kalender durch."Kalender-Korrekturen waren in der Geschichte immer nur schwer durchsetzbar, weil Menschen sich an neue Zeitrhythmen gewöhnen müssen", weiß Reinhold Bien, Wissenschaftler am Zentrum für Astronomie an der Universität Heidelberg. Auf Jahre im Voraus berechnet das Institut den Lauf der Gestirne und die sich daraus ergebenden Jahresläufe und Feste.

Papst könnte Osterfest verlegen

Kann da der Papst so einfach am Kalender drehen und das Osterfest verlegen? "Natürlich kann heutzutage jeder seinen eigenen Kalender schaffen", sagt Bien. Nicht mal der Staat schreibe vor, wann Ostern oder Weihnachten zu feiern seien. Es gelten weiter die kirchlichen Traditionen. Einzig die Industrie hat bislang in der Zeitrechnung eigene Vorstellungen durchgesetzt: Seit 1992 bestimmt eine Deutsche Norm, dass anders als nach kirchlicher Tradition der Montag der erste Tag der Woche ist und nicht der Sonntag. Wer Ostern verschieben wolle, müsse nicht nur die Architektur des Kirchenjahrs verändern, mahnt Bien. Auch Ferientermine und die Karnevalssession seien betroffen. "Und wer will schon gerne Ostern im Mai feiern, wo doch für viele das Osterfest mit dem Frühling und dem neuen Leben verbunden ist?" fragt Bien. "Wenn Sie mich fragen: Am besten ändert man nichts." (KNA)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern

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