Münchens bekanntester Seelsorger 25 Jahre Pfarrer Schießler in St. Maximilian

08.10.2018

Seit 25 Jahren ist Pfarrer Rainer Maria Schießler Seelsorger in St. Maximilian im Münchner Glockenbachviertel.

St. Maximilian ist das "Wohnzimmer" von Pfarrer Rainer Schießler
St. Maximilian ist das "Wohnzimmer" von Pfarrer Rainer Schießler © Kiderle

München – Eine fette „7“ steht auf der Titelseite der in großen Stapeln am Hauptportal ausliegenden Pfarreizeitung. Sieben Gründe gab es am vergangenen Sonntag in St. Maximilian in München, um zu feiern: „Erntedank“, „Patrozinium“, „Das Leben“, „Kirchweih“, „Geburtstag“ sowie „Letzter Wiesntag“ und, als erster Grund unter der 7 aufgelistet, „25 Jahre Pfarrer Schießler“. Der wohl bekannteste Münchner Pfarrer begeht also nicht nur seinen 58. Geburtstag, sondern ist seit einem Vierteljahrhundert in der Pfarrei an der Isar tätig.

Die Ministranten tragen zur Feier des Tages nicht ihre üblichen Gewänder, dafür T-Shirts, auf die das Pfarreilogo „St. Maximilian“ gedruckt ist. An einem eigenen Stand am Eingang liegen derartige Souvenirs auch für die Gemeinde zum Verkauf auf. Mehrere Pinnwände sind zur Feier des Tages über und über mit Zeitungsausschnitten über Schießler plakatiert, daneben verkündet ein großes Banner mit dem Konterfei des Pfarrers: „Eine leere Kirche kann man nicht für voll nehmen“. Über mangelnden Gläubigenbesuch kann man sich in „St. Max“ heute aber eh nicht beschweren: Schon eine knappe halbe Stunde vor Messbeginn ist die mächtige Kirchenhalle voll besetzt, viele erhalten trotz zusätzlicher Stühle nur einen Stehplatz. Auch ein TV-Team ist anwesend.

Der Jubilar inmitten seiner Gemeinde
Der Jubilar inmitten seiner Gemeinde © Kiderle

„St. Max“ ist sein Wohnzimmer

Im Altarraum haben sich Sänger und Musiker des Jugend- und Familienchors St. Maximilian und die „Leprechaun Players“ der Musikschule Inzell aufgebaut, sie führen die schwungvolle „Gospel Mass“ von Robert Ray auf. Und dann, endlich, Schießlers Einzug: Kaum ist das Kreuzzeichen vollendet, der Griff zum Handmikro – er ist daheim. Ist man in der Pfarrei Heilig Geist, die Schießler 2011 auch übernahm, nie so richtig miteinander warm geworden, so ist „St. Max“ sein Wohnzimmer: Und der Pfarrer enttäuscht sein Publikum nicht, Schießler läuft zu Höchstform auf: Allein die Begrüßung mit diversen Danksagungen dauert gut zwanzig Minuten! Zum Predigtgespräch mit seinem Pfarrhausmitbewohner und Freund, dem evangelischen Pfarrer Steffen Welz, wird auf dem Altar die Eieruhr auf 15 Minuten eingestellt.

Mit dem Glauben in Berührung bringen

Der ökumenische Partner agiert jedoch fast nur als Stichwortgeber, der Pfarrer von St. Max brennt auf die Fragen seines Gegenübers hin ein Feuerwerk an Anekdoten, Weisheiten und Glaubensdeutungen ab – enthusiastisch, präsent, unterhaltsam, das Mikrofon fest in der Hand. Man spürt, da hat einer eine Sendung, da will einer seine Zuhörer mit dem Glauben unkonventionell und niederschwellig in Berührung bringen. Schießler spricht in seinem sonoren Münchnerisch über Gott und die Welt, das Leben an sich und den eigenen Lebensweg, oft erwähnt er seine Eltern; er philosophiert über seinen zweiten Namen „Maria“, auch Namensvetter Rilke wird zitiert. Oft verweist er auch auf sein zweites gerade erst erschienenen Buch „Jessas, Maria und Josef – Gott zwingt nicht, er begeistert“.

Mit 33 Jahren kam Schießler nach St. Max, er habe „seine besten Jahre“ für die Seelsorge hingegeben. Sein silbernes Priesterjubiläum vor sechs Jahren feierte er nicht, diesen Tag heute jedoch empfindet er, so versichert er, als „Silberhochzeit“: „Mir war oft zum Davonlaufen, aber ich bin nicht davongelaufen. Wie oft wollte mich jemand aus der Gemeinde auf den Mond schießen und hat mich nicht weggeschossen. Diese Form von Toleranz ist die einzige Zukunft der Kirche und das haben wir hier gelernt“, lautet sein Fazit.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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