Ein Gottesdienst zum Geburtstag 300 Jahre Wendelinkapelle auf dem Wendelstein

27.05.2018

Mit einem Gottesdienst am Wendelsteingipfel ist das 300-jährige Bestehen der Wendelinkapelle begangen worden. Die Mitfeiernden waren dem Himmel ein wenig näher als sonst.

Pfarrer Josef Spitzhirn feiert den Jubiläumsgottesdienst in 1.838 Metern Höhe © Kiderle

Brannenburg/Bayrischzell – Es ist ein ganz besonderer Geburtstag, der da am Dreifaltigkeitssonntag gefeiert wird. Die Jubilarin ist ganze 300 Jahre alt und das Fest findet unter freiem Himmel statt – allerdings dichter darunter, als sonst üblich, in einer Höhe von 1.838 Metern, direkt neben dem Gipfelkreuz des Wendelsteins. Dort wurde 1718 die Wendelinkapelle errichtet. Und eine Eucharistiefeier sei für ein Gotteshaus nun einmal das schönste Geburtstagsfest, meint der Fischbachauer Pfarrer Josef Spitzhirn zu Beginn des Jubiläumsgottesdienstes.

Dass dieser gefeiert werden könne, sei dem Glauben zu verdanken, erläutert der Leiter des Pfarrverbands Oberes Leitzachtal in seiner Predigt – insbesondere dem Glauben des Sixtenbauern Georg Klarer aus Bayrischzell. „Er war es, der aus tiefem Glauben heraus das Gelöbnis machte: ,Wenn i meine zwei Rösser, de im Newe verloren ganga san, wieda find, na bau i dir, liaba Wendelin zu Ehren, du Patron der Bauern und Hirten, a Kapelln.‘“ Da der Landwirt versprach, die Kapelle dort zu platzieren, wo seine Pferde entdeckt werden, ließ er sie am Wendelsteingipfel errichten. „Sonst wäre es wohl nie zu einem Kapellenbau an dieser exponierten Stelle und Lage da heroben gekommen“, ist Pfarrer Spitzhirn überzeugt.

Doch nicht nur der Glaube dieses Bauern hat den von der Musikkapelle Bayrischzell gestalteten Gottesdienst ermöglicht. Genauso wichtig ist für Pfarrer Spitzhirn die Glaubenstreue und Leistung derer, die seit drei Jahrhunderten für den Unterhalt der Kapelle sorgen. Sie werden deshalb zusammen mit Georg Klarer in der ersten Fürbitte erwähnt.

Seit 1989 kümmert sich die Gebirgsschützenkompanie Bayrischzell um die Wendelinkapelle © Kiderle

Gebirgsschützen in voller Montur

Seit 1989 kümmert sich die Gebirgsschützenkompanie Bayrischzell um die Wendelinkapelle. Rund zwanzig ihrer Mitglieder sind in voller Montur zum Gedenkgottesdienst gekommen, also mit dunkelgrünen Filzhüten, braunen Lodenjoppen, kurzen Lederhosen und den für sie charakteristischen Gewehren. Gemeinsam mit den Fahnenabordnungen des Bayrischzeller Trachten-, Veteranen- und Katholischen Arbeitervereins stehen sie jetzt neben der mit Holzschindeln verkleideten Kapelle. „Kompanie, habt acht“, gibt Hauptmann Anton Egger das Kommando zum Gebet.

Die Kapelle sei zwar nur knapp vier Quadratmeter groß, trotzdem strahle sie Ruhe und Stille aus und lade zum Beten ein, zitiert Pfarrer Spitzhirn aus einer Radiosendung. Der Glaube bedürfe immer wieder der Stärkung, damit er nicht schwinde, führt der Geistliche aus. „Ich meine, da kann uns das Jubiläum dieser kleinen Kapelle hier helfen“, zumal über dem Freialtar das Kirchendach wegfalle, „so dass der Himmel direkt über uns offen ist und wir uns schon deshalb dem Himmel näher fühlen können und dürfen“.

Ulrike Schöpfer aus Miesbach, die unter den Geburtstagsgästen ist, wähnt sich dem Herrgott auf dem Wendelstein tatsächlich näher als sonst, „näher als in der Kirche unten auf jeden Fall“. Dazu hätten die „wunderschöne Landschaft“, die Stimmung und die Musik beigetragen. Diese ließen die Bläser aus Bayrischzell zum Abschluss der Geburtstagsfeier auch noch auf der Bergterrasse erklingen. (Karin Hammermaier)


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