Studie offiziell veröffentlicht 3.677 Minderjährige sind Opfer von Missbrauch in Kirche

25.09.2018

Die Studie über den Missbrauch in der katholischen Kirche ist offiziell vorgestellt worden. Hier sind die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

3.677 Minderjährige sind Opfer von Missbrauch in Kirche
3.677 Minderjährige sind Opfer von Missbrauch in Kirche © pegbes - stock.adobe.com

Fulda – In der Studie über den Missbrauch der katholischen Kirche in Deutschland sind 3.677 Kinder und Jugendliche im Zeitraum von 1946 bis 2014 als Opfer von sexuellem Missbrauch dokumentiert. In den 38.156 ausgewerteten Akten der 27 deutschen Bistümer gab es bei 1.670 Klerikern (4,4, Prozent) Hinweise auf Beschuldigungen, Minderjährige missbraucht zu haben, wie es in der am Dienstag in Fulda vorgestellten Studie heißt.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben. Das interdisziplinäre Forscherkonsortium bestand aus Wissenschaftlern um den Mannheimer Psychiater Harald Dreßing. Weiter heißt es in der Untersuchung, dass unter den Beschuldigten 1.429 Diözesanpriester (5,1 Prozent aller Diözesanpriester), 159 Ordenspriester (2,1 Prozent) und 24 hauptamtliche Diakone (1,0 Prozent) waren. Bei 54 Prozent der Beschuldigten lagen Hinweise auf ein einziges Opfer vor, bei 42,3 Prozent Hinweise auf mehrere Betroffene.

Überwiegend männliche Betroffene

62,8 Prozent der von sexuellem Missbrauch Betroffenen waren männlich, 34,9 Prozent weiblich, bei 2,3 Prozent fehlten Angaben zum Geschlecht. Das deutliche Überwiegen männlicher Betroffener unterscheidet sich nach Angaben der Forscher vom sexuellen Missbrauch an Minderjährigen in nicht-kirchlichen Zusammenhängen. Drei von vier Betroffenen standen mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung, zum Beispiel als Messdiener oder als Schüler im Rahmen von Religionsunterricht, Erstkommunion- oder Firmvorbereitung.

Ein Beratungstelefon für Betroffene von sexuellem Missbrauch ist von Dienstag, 25. September, 11 Uhr, bis (zunächst) Freitag, 28. September, 20 Uhr, unter (08 00) 0 00 56 40 erreichbar - anonym und innerhalb Deutschlands kostenfrei als Angebot der Deutschen Bischofskonferenz. Beratung via Internet und weitere Informationen gibt es in dieser Zeit auch unter hier sowie im Hilfeportal Sexueller Missbrauch des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Bei rund einem Drittel der beschuldigten Geistlichen wurden kirchenrechtliche Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger eingeleitet, bei 53 Prozent nicht; bei 13,1 Prozent fehlten entsprechende Angaben. Rund ein Viertel aller eingeleiteten kirchenrechtlichen Verfahren endete ohne Sanktionen. Aus dem Klerikerstand entlassen wurden 41 Beschuldigte, 88 wurden exkommuniziert, also aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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