Fastenzeit im Kindergarten Sankt Paul in Erdweg 40 Tage ohne Spielzeug

08.03.2018

Die Einen verzichten in der Fastenzeit auf Süßigkeiten, die Anderen schränken das Fernsehen ein – im Kindergarten Sankt Paul in Erdweg hat man sich etwas Besonderes vorgenommen. Hier verzichtet man auf Autos, Puppen und anderes Spielzeug.

Im Kindergarten in Erdweg wird in der Fastenzeit auf Spielzeug verzichtet.
Im Kindergarten in Erdweg wird in der Fastenzeit auf Spielzeug verzichtet. © SMB

Erdweg – „Auf was kann man in der Fastenzeit verzichten“, fragt Pfarrer Marek Bula die Kindergartenkinder in der kleinen Andacht. „Mein Papa fährt jetzt nicht Motorrad“, berichtet ein Junge. „Auf Süßigkeiten“, sagt ein kleines Mädchen. Die meisten aber verkünden lauthals: „Auf das Spielzeug“.

Spielzeugfreie Zeit

Bereits am Tag zuvor haben die Kinder Brettspiele, Puppen, Autos und vieles mehr weggeräumt – die spielzeugfreie Zeit beginnt. Im Team habe man genau besprochen, wie ein Tag in der spielzeugfreien Zeit abläuft. Feste Elemente wie der Morgenkreis finden natürlich in jeder Gruppe täglich statt. Es gibt auch Spielangebote und Bücher. „Wir haben entscheiden, dass das Lesen sehr wichtig für die Kinder ist und deshalb Bücher nicht als Spielzeug zählen und immer zur Verfügung stehen“, erklärt die Leiterin Arabella Egg. Außerdem habe man sich von den Eltern alte Joghurtbecher, Pappkartons, Teppichreste und Papier als Bastelmaterial mitbringen lassen. „Die Kinder sind sehr kreativ. Sie bauen Boote und Schlösser, entwickeln völlig neue Spielideen“, freut sich Egg.

Urlaub für Autos, Puppen und Co

Wichtig sei dem Kindergarten ein Rahmen für die spielzeugfreie Zeit. Deshalb hat man gemeinsam alles weggeräumt und Autos, Puppen und Co in einer Fastenandacht mit Pfarrer Marek Bula verabschiedet. Symbolisch wurden dabei einige Stofftiere und Autos in einen Koffer gepackt. „Die Spielzeuge brauchen Erholung und gehen auf Reisen“, hat der Pfarrer und das Team erklärt. Um das zu verdeutlichen wurde in einer Gruppe eine große Landkarte aufgehängt und immer wieder schicken die Spielzeuge Ansichtskarten von ihren Urlaubsorten, damit die Kinder wissen, wo sie sind „Aber das stimmt gar nicht, das sagen die Erwachsenen nur so“, verrät ein fünfjähriger Junge. Trotzdem freut er sich über die Aktion und ist mit Feuer und Flamme dabei.

Entspannter Alltag

Man habe das schon öfter gemacht und positive Erfahrungen gesammelt, erzählt Kita-Leitung Arabella Egg. Zwar sei es in der Anfangszeit meist unruhiger in den Gruppen, aber der Alltag werde entspannter, es gäbe weniger Streit und die Kinder entwickeln neue Beschäftigungsmöglichkeiten. „Sie sollen merken, wie es ist, wenn man eine Zeitlang auf etwas verzichtet und dass danach die Freude darüber umso größer ist“, erklärt sie. Man habe sich vorgenommen die 40 Tage Fastenzeit durchzuhalten, allerdings sei das kein „Muss“. Wir haben im Team besprochen, dass jede Gruppe für sich entscheiden kann, wenn es einfach nicht mehr geht und dann auch das Spielzeug früher zurückkehren kann. Bislang jedoch gibt es Kinder ohne Langeweile, ein stolzes Team und Spielzeug, dass den Urlaub in vollen Zügen genießt.

Mehr zu dem Thema "Fastenzeit ohne Spielzeug" gibt es im Podacast zur aktuellen Kitaradio-Sendung des Münchner Kirchenradios.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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