Münchner Augustinerkindl 400 Jahre alt und immer noch ein lächelnder Säugling

25.12.2020

Das Augustinerkindl in der Münchner Bürgersaalkirche ist eine einzigartige Christusfigur. Seit Generationen rührt und tröstet sie die Gläubigen in der Weihnachtszeit, auch in der Coronapandemie.

Reich an Tradition und Schmuck: das Augustinerkindl.
Reich an Tradition und Schmuck: das Augustinerkindl. © SMB/Bierl

München – Zu Weihnachten darf das Augustinerkindl aus seiner gesicherten Glasvitrine im Museum der Münchner Bürgersaalkirche heraus. Dort wird es seit einigen Jahren aufbewahrt, wenn es nicht im Festtags-Einsatz ist. Es ist mit kostbaren Spitzen und Brokatbinden gefatscht, also umwickelt, auf die Perlen und bunte Glassteine genäht sind. Daraus ragt das leicht nach links gedrehte Köpfchen mit seinen Kulleraugen, und seinem unwiderstehlichen Lächeln hervor. Es ist aus Wachs und ein künstlerisches Meisterwerk. Auf der rechten Gesichtshälfte ist allerdings ein deutlicher Riss zu erkennen.

Ein Christkind lässt sich nicht kaputtmachen

Um den rankt sich die Legende des Augustinerkindls: Ein Pater soll es aus Versehen fallengelassen und die Trümmer in einem Schrank versteckt haben. Schließlich musste er das Malheur aber doch seinem Vorgestzten beichten. Als sie miteinander die Schranktür öffneten, fanden sie die Figur ab wieder ganz zusammengefügt vor. Das Augustinerkindl lässt sich einfach nicht kaputt- oder unterkriegen. Genauso wenig wie seine Verehrung. Die Figur liegt auf einem roten Samtkissen, an dem viele Medaillen hängen. Gläubige haben sie gestiftet. Mesner Markus Jost hat sie beim Herausnehmen einmal gründlicher betrachtet. Die älteste stammt aus dem 30jährigen Krieg. Das Augustinerkindl tröstet die Menschen seit vielen Generationen. Die hält Pater Peter Linster als Rektor der Bürgersaalkirche: „Wir werden darum beten, dass die Menschen in der Pandemie nicht verzagen und spüren, dass der Herrgott mit uns diesen Weg geht und wir ihn letztlich gut überstehen.“

Tiefer Blick in Kulleraugen

Am Schluss der Andachten dürfen die Gläubigen dem Augustinerkindl auch wieder tief in die Augen schauen. Mesner Markus Jost und seine Kollegen präsentieren die Christkind-Figur hinter dem Kommuniongitter.  Dabei halten sie einen richtig schweren Jungen im Arm, wenn sie an den Gläubigen vorbeigehen. Denn das Augustinerkindl wiegt mehrere Kilo. Angst, dass es jemand fallen lässt hat Markus Jost aber nicht. „Wenn man es mit beiden Händen greift und fest an sich drückt, kann eigentlich nichts passieren.“ Allerdings ist er froh, wenn er die Figur danach in die Krippe legen kann, weil er das schwere Gewicht doch in den Armen spürt. Seine Krippe muss das Augustinerkindl aber jeden Abend wieder verlassen. Während Weihnachtstage kommt sie zwar nicht in die Museumsvitrine zurück, das wäre zu aufwändig. Mesner Markus Jost bettet das lächelnde Christkind dafür in einen Tresor: „Weil es eben so wertvoll und unersetzbar ist, falls es wegkommen sollte.“

Christkind achtet auf Infektionsschutz

Das ist aber in 400 Jahren nie passiert. Zuerst war die Figur im Augustinerkloster daheim, von dem es seinen Namen hat. Als das Kloster aufgehoben wurde, wanderte es ein paar hundert Meter weiter in die Bürgersaalkirche. Seit 1817 wird es dort verehrt. Und immer noch erobert es die Herzen, wennes Markus Jost und seine Kollegen an den Besuchern der Andachten vorbeitragen: „Da haben etliche Tränen in den Augen, wenn sie dieses Christkindl von nahem erleben, weil der Gesichtsausdruck sie so stark berührt.“

Das wird Markus Jost wahrscheinlich auch in dieser Weihnachtszeit wieder erleben, wenn er mit dem Augustinerkindl an den Gläubigen vorüber geht. Allerdings wird er es deutlich stärker auf Abstand halten als sonst: Denn auch das Christkind achtet streng auf den Infektionsschutz.

Die Christkindlandachten in der Bürgersaalkirche in der Münchner Fußgängerzone werden vom 25. Dezember bis 6. Januar immer um 17.00 Uhr gefeiert.

Audio

Beitrag über das Augustinerkindl im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten

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