Jubiläum im Erzbistum München und Freising 50 Jahre Stiftung Bildungszentrum

13.11.2018

Die Stiftung Bildungszentrum der Erzdiözese im Freisinger Kardinal-Döpfner-Haus feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Direktorin Claudia Pfrang blickt anlässlich des Jubiläums zurück, aber auch nach vorn, denn für die nächsten Jahre wird die Stiftung vor allem eines sein: „on tour“.

Claudia Pfrang ist Direktorin der Stiftung Bildungszentrum.
Claudia Pfrang ist Direktorin der Stiftung Bildungszentrum. © Kiderle

Wie ist die Stiftung Bildungszentrum vor 50 Jahren entstanden?
Pfrang: Das Bildungszentrum wurde in den ehemaligen Räumen des Priesterseminars eingerichtet, nachdem die philosophisch-theologische Hochschule in Freising aufgelöst wurde und die Theologiestudenten nach München umzogen. Bei Recherchen haben wir den Original-Erlass von Julius Kardinal Döpfner gefunden, mit dem er das Bildungszentrum auf dem Freisinger Domberg zum 1. Oktober 1968 gründete. Die selbstständige rechtsfähige kirchliche Stiftung öffentlichen Rechts wurde zum 30. Juli 1969 offiziell errichtet. Deswegen begehen wir ein Jahr lang, bis Juli 2019, unser Jubiläum.

Welches Anliegen verfolgte Kardinal Döpfner mit der Einrichtung?
Pfrang: In dem erwähnten Erlass heißt es: „Das Bildungszentrum dient der Bildung und Fortbildung von Priestern und Laien. Es steht für Kurse der allgemeinen religiösen Erwachsenenbildung und der Bildungsarbeit der kirchlichen Verbände und Organisationen offen und soll so dem Einzelnen, den Gemeinden und Verbänden und dem ganzen Erzbistum dienen.“ So errichtete er in unserem Erzbistum eine diözesane Erwachsenenbildungsstelle, die von Anfang an überregional und als Vernetzungsknoten gedacht war – und es noch heute ist. Wir wollen das Jubiläum nutzen, um auf unseren Gründer Kardinal Döpfner zu schauen. Wir wollen innehalten, uns unseres Auftrags vergewissern, und aufbrechen in eine neue Zukunft. Bildung solle, so Döpfner, orientiert sein an den Fragen der Zeit. Sie könne unmittelbarer als in Verkündigung und Liturgie Brücken vom Glauben zum Leben schlagen. Auch heute betrachten wir das als unsere Aufgabe: am Verkündigungsauftrag mitzuwirken und Brücken in die Welt von heute zu schlagen.

Jubiläumsprogramm: Eine Trambahnfahrt zum Jubiläums-Motto „mobil & geerdet“ mit Benediktinerabt Johannes Eckert und Claudia Petersen, zuständig für globales Recruiting bei TÜV SÜD, findet am Mittwoch, 14. November, statt. Einstieg: 20.15 Uhr an der Haltestelle Karlstraße. Die Reihe „Walk & talk“ beginnt am Freitag, 18. Januar 2019, mit einem „Klima-Walk“ durch Freising mit Markus Reinke, Vizepräsident der Hochschule Weihenstephan. Treffpunkt: 17 Uhr am Belvedere des Kardinal-Döpfner-Hauses Freising. Anmeldung jeweils unter Telefon 08161/1812177. Infos finden Sie hier.

Die Fragen der Zeit, die Bedürfnisse der Menschen haben sich in den vergangenen 50 Jahren stark verändert. Wie müssen (katholische) Bildungsangebote heute aussehen, damit sie ein Publikum finden?
Pfrang: Gute Bildungsarbeit stellt den Menschen in den Mittelpunkt, greift auf, was ihn umtreibt. Wir gestalten unser Angebot nach der Devise „ergebnisoffen, erkenntnisintensiv, existentiell“: Wir schreiben also niemandem etwas vor, sondern bieten Räume, um sich mit Themen auseinanderzusetzen. Wichtig sind uns Angebote mit hoher Qualität und auf dem Stand der Zeit. Und die Menschen sollen mit dem Gelernten im Alltag etwas anfangen können. Die Herausforderung besteht darin, Inhalte aufzuspüren, die relevant sind – sowie attraktive Formate und Orte, um unterschiedliche Zielgruppen und Milieus anzusprechen. So waren wir mit unserer Reihe zur Demokratie in der „Halle 6“ im Münchner Kreativquartier, der frühere Frauensalon trifft sich unter dem neuen Namen „Stadtgespräche“ in der Kaffeerösterei in Freising und „Bibel ganz anders“ ist in der Uhrmacherwerkstatt zu Gast.

Seit Sommer müssen Sie zwangsläufig an neue Orte gehen: Das Kardinal-Döpfner-Haus ist wegen Umbaus für den Publikumsverkehr geschlossen. Birgt dies also auch Chancen für Ihre Arbeit?
Pfrang: Mit unserem Angebot „on tour“ zu sein, gibt uns die seltene Gelegenheit, etwas ausprobieren zu können. Die Wandlungsprozesse, die heute auf die Menschen einstürzen, sind so tiefgreifend, dass wir auch in der Bildungsarbeit darauf reagieren müssen, wir können nicht mit alten Schemata antworten. Es gehört laut Satzung auch zu unserem Auftrag, Bildungskonzepte für das Erzbistum zu entwickeln, dafür wollen wir die Neugestaltungs-Phase nutzen. Denn idealerweise treffen sich Ort, Inhalt und Zielgruppe in einem Angebot. Das heißt nicht, dass wir keine Räume mehr brauchen, unser Sitz wird der Domberg bleiben. Es ist gut, ein Stand- und ein Spielbein zu haben. „Mobil & geerdet“ ist auch Motto des Jubiläumsjahres.

Welche logistischen Herausforderungen bringt diese Phase mit sich?
Pfrang: In unserem Programm finden sich jetzt zehn Seiten mit Veranstaltungsorten. Auf diese müssen wir uns einstellen und herausfinden, welche wofür am besten geeignet sind, auch für unsere traditionellen Angebote. Wir müssen darauf achten, in der Vielfalt der Orte unser Profil zu behalten, als Veranstalter erkennbar zu bleiben. Bald starten wir mit einer neuen Homepage, um besser auffindbar zu sein. Generell müssen wir neue Kommunikationswege finden, denn das Haus als Werbeträger fällt weg. Die Situation verlangt viel Flexibilität von unserem Team, hält uns aber auch aktiv. Wir werden sicher viele neue Erkenntnisse sammeln. Trotz aller Mobilität wollen wir schauen, wo unser Anker ist. Wie Abraham ist es uns aufgetragen aufzubrechen, aber wir wissen uns mit Gott unterwegs. (Das Interview führte Redakteurin Karin Basso-Ricci)


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