Auch Jugendseelsorger las Zeitschrift 60 Jahre "Bravo"

26.08.2016

Ein Mix aus bunten Postern, Geschichten über Stars und sexuelle Aufklärung haben sie populär gemacht bei den Teenagern mehrerer Generationen: die „Bravo“. Am Freitag, 26. August, feiert die Jugendzeitschrift ihren 60. Geburtstag. Auch Jugendpfarrer Stephan Fischbacher hat sie gelesen – und hatte einen klaren Favoriten.

Bravo-Titelbilder aus den vergangenen Jahrzehnten.
Bravo-Titelbilder aus den vergangenen Jahrzehnten. (Bild: imago/Becker&Bredel) © imago/Becker&Bredel

München – „Ja, freilich“ habe auch er die „Bravo“ gelesen, meint Stephan Fischbacher, der Jugendpfarrer im Dekanat Feldmoching. Er war damals zwischen 12 und 14 Jahre alt, also in dem Alter, in dem wohl die meisten Jugendlichen die deutsche Jugendzeitschrift für sich entdecken. Die Geschichten über Stars hätten ihn dabei weniger interessiert. Er hatte einen anderen Favoriten bei der Lektüre: „Das Interessanteste war ganz bestimmt 'Dr. Sommer'. Die haben halt über Dinge geschrieben, über die ist in den Neunzigern nicht so geredet worden. Und ich hätte mich nicht getraut, da was nachzufragen. Internet haben wir nicht gehabt. Da war das schon eine wichtige Informationsquelle.“

 

Das legendäre „Dr.-Sommer-Team“ beantwortet seit 1969 die Fragen der Jugendlichen zu den Themen Pubertät, Liebe und Sexualität. Der erste „Dr. Sommer“ hieß eigentlich Martin Goldstein und war Arzt, Psychotherapeut und Religionslehrer. Mit der Feststellung, Masturbation mache „weder krank noch schwul noch unfruchtbar“, brachte er die „Bravo“ 1972 auf den Index.

 

Offenheit für gleichgeschlechtliche Liebe

 

Seitdem ist viel Zeit vergangen und heute sind auch Fragen nach gleichgeschlechtlicher Liebe in der Jugendzeitschrift absolut normal. Dass auch die Kirche sich noch mehr den Jugendlichen annimmt, die homosexuell sind, wünscht sich Stephan Fischbacher sehr. „Das habe ich auch schon gehabt, dass Menschen mit so einem Thema zu mir gekommen sind. Und da sage ich: 'Leb deine Sexualität.' Ich halte gar nichts davon, wenn man zum Beispiel mit dem Finger auf Leute zeigt, die im Gottesdienst die Lesung vortragen und wo einige meinen, sowas ginge nicht, weil jemand schwul oder lesbisch ist. Sowas regt mich richtig, richtig auf.“

Jugendpfarrer Stephan Fischbacher (Bild: Katholische Jugendstelle Dekanat Feldmoching)

Die Auflagenzahlen der „Bravo“ sind seit Ende der 1990er Jahre sukzessive gesunken – von knapp einer Million auf nur noch gut hunderttausend. Dass es die „Bravo“ also noch weitere 60 Jahre gibt, darf bezweifelt werden. Die Menschheit könne es wohl auch verschmerzen, wenn es die Zeitschrift nicht mehr gibt, meint Jugendpfarrer Fischbacher. Für die nächsten Jahre gibt er der „Bravo“ aber noch einen Wunsch mit auf den Weg: „Dass sie die Verantwortung, die sie immer schon wahrgenommen hat, gerade bei der Aufklärung junger Menschen, auch weiterhin wahrnimmt – nach guten ethischen Maßstäben. Und dass sie immer die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt.“ (Christoph Matiss)


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