Weltbild 656 Mitarbeiter sollen in Auffanggesellschaft wechseln

20.03.2014

Der Insolvenzverwalter der Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg ist am Donnerstag vor die Belegschaft getreten. Seine Botschaft: Ein gutes Drittel der Augsburger Angestellten, also etwa 650 Mitarbeiter, soll in eine Auffanggesellschaft wechseln, um der Kündigung zu entgehen.

Weltbild-Filiale in Augsburg (Bild: imago/epd))

Augsburg - Für die Rettung der insolventen Augsburger Verlagsgruppe Weltbild müssen 656 Mitarbeiter gehen. Ihnen soll jedoch der Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten werden, wie Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Donnerstag bei der Betriebsversammlung ankündigte. Zugleich sei er "vorsichtig optimistisch", dass eine Gesamtsanierung gelingen werde. Allerdings brauche es dafür einen schlankeren wie effizienteren operativen Betrieb, eine klarere Marktpositionierung und eine neue finanzielle Basis. Am Standort Augsburg sind knapp 1.800 Mitarbeiter tätig. Dauerhaft sollen rund 1.000 bleiben.

Bereits am Freitag werde 582 Beschäftigten das Angebot gemacht, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, bestätigte am selben Tag die Arbeitnehmervertreter. Wer sich bis 28. März dafür entscheide, werde nicht gekündigt und behalte seine Sozialleistungsansprüche. Bis Spätherbst könnten weitere 74 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Wer in die Transfergesellschaft wechsle, könne bis zu 90 Prozent seines bisherigen Nettogehaltes erhalten. Üblicherweise liege die Höhe nur bei 60 bis 67 Prozent, führte Rechtsanwalt Michael Huber aus. Er wertete das Ergebnis als einen Meilenstein, der hoffentlich Vorbildcharakter haben werde.

Der Weltbild-Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz dankte zugleich den kirchlichen Gesellschafter. "Die katholische Kirche hat ihr Wort gehalten und unterstützt die Mitarbeiter, die ausscheiden und die im Unternehmen verbleiben, mit ihrem Geld." Die Mittel sollen demnach in einen Treuhandfonds fließen, mit dem Abfindungen und Maßnahmen der Transfergesellschaft ermöglicht werden. Mit den Gesellschaftern sei ein Höchstbetrag in zweistelliger Millionenhöhe vereinbart worden, der bei unter 40 Millionen Euro liege.

Der Augsburger Verdi-Sekretär Thomas Gürlebeck betone: "Das ist das Maximale, was wir erreichen konnten." So werde das Callcenter nicht wie geplant abgebaut, sondern fortgeführt, wenn auch mit weniger Personal. Ein Erfolg sei es aus Sicht der Gewerkschaft, dass auch in der Führungsriege Einschnitte erfolgen sollen. Geiwitz nannte die personelle Verkleinerung im Logistik-Bereich nur einen ersten Schritt. Genauso wichtig sei es, für eine stärke Auslastung durch ein Drittgeschäft zu sorgen. Deutlich bekannte er sich für den Vertrieb über verschiedene Kanäle, der aber professionalisiert werde müsse.

Als deutlich "zu hoch und zu diffus" bewertete der Insolvenzverwalter die Aufwendungen im Marketingbereich. Auch gelte es, das Werbebudget zu senken. Der Ausbau der digitalen Angebote und des im Markt erfolgreichen e-Book-Lesegeräts "tolino" blieben wichtiger Teil des Zukunftspakets. Betriebsrat und Gewerkschaften betonten, wie wichtig es sei, das Unternehmen als Ganzes fortführen und dadurch dauerhaft Arbeitsplätze zu erhalten. Durch eine stärkere Vernetzung der Vertriebswege Internet, Filialgeschäft und Logistik habe das Unternehmen gute Chancen.

Laut Geiwitz sind mehrere unverbindliche Angebote für Weltbild eingegangen. Die Verhandlungen würden allerdings erst beginnen. Verdi sprach von fünf potenzielle Investoren, die noch im Rennen seien. Sozialministerin Emilia Müller (CSU) zeigte sich erleichtert, dass Weltbild als Ganzes erhalten werden solle, auch wenn der Abbau von 650 Arbeitsplätzen ein harter Schlag für die Betroffenen sei. Die Staatsregierung könne die Transfergesellschaft aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützen. Wichtig sei aber auch, dass die katholische Kirche den Arbeitsplatzverlust mit abfedere. Weltbild gehört noch zwölf katholischen Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Katholischen Soldatenseelsorge Berlin. (kna)

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