Versteigerung des Verspätungsschals 7.550 Euro für die Münchner Bahnhofsmission

15.01.2019

Zugverspätungen und -ausfälle veranlassten eine Pendlerin aus dem Münchner Umland einen Schal zu stricken. Ganz zur Freude der Münchner Bahnhofsmission.

Je eine Reihe pro Verspätung strickte eine Pendlerin
Je eine Reihe pro Verspätung strickte eine Pendlerin. © twitter/Sara Weber

München – „Das ist eine total interessante Aktion und wir freuen uns, wenn wir dadurch so eine große Spende bekommen werden. Das ist auch für uns eine große Hausnummer“, erzählt die die Leiterin der katholischen Bahnhofsmission Bettina Spahn euphorisch. 7.550 Euro hat ein Schal eingebracht, der gestern bei Ebay unter den Hammer kam. Gestrickt hat ihn eine Bahnkundin, die seit 25 Jahren täglich von Moosburg nach München pendelt und sich über die vielen Zugverspätungen geärgert hat – denn jede Reihe des Schals steht für einen verspäteten Zug. Den Erlös von 7.550 Euro will die fleißige Strickerin der Münchner Bahnhofsmission zukommen lassen, die wiederum schon eine Idee hat, wofür sie das Geld einsetzen möchte: „Wenn die Spende zur freien Verfügung steht, würden wir Babynahrung, Windeln, Milchpulver, Toilettenartikel und Unterwäsche kaufen – also all das, was wir gerade so brauchen.“

Familien in Notsituationen

Windeln und Babynahrung? Das brauchen Eltern schon einmal, wenn sie zu wenige Vorräte eingepackt haben und auf einen verspäteten Zug warten. Aber viel häufiger kommen Mütter zur Bahnhofsmission, die Arbeitslosengeld oder Hartz IV beantragt haben, aber bislang noch ohne Unterstützung dastehen. „Manche Familien bekommen zwar schon finanzielle Unterstützung, haben aber trotzdem einen akuten Bedarf, weil sie sich einfach in einer schwierigen Situation befinden.“

Die Bahnhofsmission am Münchner Hauptbahnhof
Die Bahnhofsmission am Münchner Hauptbahnhof © SMB/Kuklik

Bahnhofsmission für alle

Etwa 50 Minuten vor Ende der Auktion lag der Preis noch bei 3.700 Euro; erst in den letzten beiden Minuten stieg die Summe auf mehr als das Doppelte an. Von der Spende werden also viele bei der Bahnhofsmission profitieren, die sich auch um die „kleinen Nöte“ seiner Besucher kümmert: „Auch Probleme wie ein verlorener Geldbeutel oder eine verlorene Kreditkarte landen bei uns. Oder wenn die Oma nicht wie geplant im Zug saß und jetzt niemand weiß, wo sie sich befindet. Auch da helfen wir“, erklärt die Bahnhofsmissionsleiterin. Am Münchner Bahnhof Gestrandete werden nicht nur in den kalten Tagen mit heißem Tee und Butterbroten versorgt. Und bestimmt hat die Bahnhofsmission auch eine Tasse Tee für die Spenderin des Schals, wenn die mal wieder etwas länger auf ihren Zug warten muss.

Deutsche Bahn ersteigert Schal

Zwei Tage später folgt nun die nächste Überraschung: „Ich weiß jetzt, wer den Schal ersteigert hat“, twitterte die Tochter Sara Weber gestern. Niemand anderes als das Digital-Team der Deutschen Bahn selbst hat das höchste Gebot abgegeben. Ein Video auf Twitter zeigt Manuel Gerres und sein Team bei der Ersteigerung. Der Chef der Digital-Abteilung bei der Deutschen Bahn reißt euphorisch die Arme in die Luft und klatscht mit einem Kollegen ab. Nächste Woche soll die Übergabe des „German train-delay-scarf“ stattfinden, dem sogar die New York Times und der Guardian Beiträge widmeten. (Céline Kuklik)


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