Der Vatikan mit Doppelrolle 90 Jahre Vatikanstaat

11.02.2019

Es ist der kleinste Staat der Welt. Grad mal 450 Menschen besitzen die Staatsbürgerschaft und heuer wird er 90 Jahre alt: der Vatikan. Seit 1929 ist er ein völkerrechtlich anerkannter Staat. Warum das gut ist, ein Kommentar vom Programmleiter des Münchner Kirchenradio Christian Moser.

Der Petersdom
Der Petersdom © SMB

Der Vatikan ist ein Staat der Superlative. Nicht nur, dass er der kleinste völkerrechtlich anerkannte Staat der Welt ist, mit 100% hat er auch den höchsten Katholikenanteil und die höchste Alphabetisierungsrate der Welt. Der Vatikan hat sogar eine eigene Armee: Die Schweizer Garde. Mit 100 Angehörigen ist es die kleinste Armee der Welt und auch die ältestes. Immerhin existiert sie seit 1506. Damals hat Papst Julius II. Schweizer Soldaten als Leib- und Palastwache angefordert.

Natürlich hat der Vatikan – wie jeder Staat - auch ein Staatsoberhaupt. Das ist der Papst. Und genau diese Doppelrolle: Staatsoberhaupt und religiöses Oberhaupt ist in vielen Situationen hilfreich. Egal ob es um die Verfolgung von Christen oder um die Vermittlung von Friedensverhandlungen geht. Hier haben der Vatikan und der Papst nicht nur die Möglichkeit Argumente der Moral zu anzuführen, sondern eben auch völkerrechtlich Interessen zu vertreten.

Vatikan als Mittler

Gerade bei politischen Konflikten wird der Vatikan gerne als Vermittler um Hilfe gebeten. Der Erfolg spricht für sich: Egal ob es Verhandlungen in den 80iger Jahren in Polen waren. Als sich die Werftarbeiter gegen das Regime aufgelehnt und die Gewerkschaft Solidarnos gegründet haben. Unterstützt wurden sie dabei von Papst Johannes Paul II. Er hat auch den Prozess der Öffnung des Ostblocks aktiv unterstützt. In den 90iger und 2000er Jahren hat sich der Vatikan in zahlreichen Konflikten als Mittler hervorgetan.

Solche Aktivitäten wären nicht möglich, wenn der Vatikan nur als religiöse Einrichtung wahrgenommen werden würde. Hier braucht es einfach den völkerrechtlichen Status des Staates. Denn nur so kann der Vatikan in anderen Ländern auch eine politische Vertretung unterhalten beziehungsweise selber Botschafter von anderen Staaten anerkennen. Und so ziemlich unkompliziert in Verhandlungen treten.

Genau diese Kombination aus Staatsgebilde, und der weltweit verbreiteten Religions-Gemeinschaft sorgt dafür, dass die allermeisten Staaten ein Grundvertrauen in den Vatikan haben. Damit ist der Vatikanstaat ein echter Gewinn für die internationale Staatengemeinschaft.

Der Autor
Christian Moser
Radio-Redaktion
c.moser@st-michaelsbund.de


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