Naturpädagogik in katholischer Kita Ab in den Wald

05.05.2017

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung - das ist im katholischen Kindergarten Sankt Birgitta im Fasanpark Programm. Zu jeder Jahreszeit findet hier eine Waldwoche statt.

Waldwoche im Kindergarten Sankt Birgitta © SMB/sschmid

Fasangarten – Es ist ein regnerischer Dienstagmorgen. Die Mädchen und Buben des Kindergartens Sank Birgitta sind auf den Weg in den Wald. Der Weg in den Perlacher Forst ist für ein paar der Kleinen noch recht anstrengend, aber nach gut 20 Minuten ist er geschafft. An einer wunderschönen Stelle können die Kinder nach einer kleinen Begrüßungsrunde toben, buddeln, Tippis und kleine Höhlen aus Moos bauen.

Erleben der Jahreszeiten

Je eine Woche geht es zu jeder Jahreszeit für die gut 70 Kinder in die Natur. In den anderen Monaten gibt es zumindest einen Waldtag. „Die Regelmäßigkeit ist uns sehr wichtig", sagt Carolin Kramer, die stellvertretende Leitung des Kindergartens. „Wald findet immer statt. Die Kinder sollen sehen, wie sich die Natur im Lauf des Jahres verändert. Der Wald sieht immer anders aus, riecht anders und das wollen wir den Kinder zeigen.“

Vielfältige Lernerfahrungen

Manche Eltern sind von den regelmäßigen Waldwochen begeistert, andere sind anfangs eher skeptisch. Schließlich gibt es draußen auch giftige Pflanzen, Zecken und die Kinder dürfen mit Schnitzmessern umgehen. Erzieherin Kramer sagt, da müsse man manchmal Überzeugungsarbeit leisten, aber die meisten Mamas und Papas seien schnell zu überzeugen. Schließlich würden die Kinder im Wald nicht nur viel über Tiere und Pflanzen lernen, sondern auch viele andere Fähigkeiten trainieren. „Der Waldboden ist uneben, da wird die Grobmotorik nochmal ganz anders trainiert, beim Schnitzen und bauen trainieren die Kinder die Feinmotorik und natürlich tut dem Immunsystem die Bewegung an der frischen Luft gut.“

Richtige Kleidung sei wichtig. Manchmal, wenn Eltern erzählen würden, dass ein Kind keinen Spaß an den Waldwochen habe, stelle sie eindeutig fest, dass es auch nicht die richtige Kleidung habe, so Kramer. Dabei sei diese heute nicht mehr teuer. Das Team ist deshalb auch immer offen für Eltern, die mal einen Tag im Wald hospitieren wollen, um sich selbst ein Bild zu machen, was man da so brauche.

„Es gibt Kinder, die sind richtige Waldkinder, andere die muss man schon anleiten, dann aber findet jeder eine Beschäftigung und hat Freude“, erzählt Carolin Kramer.

Sicherheit geht vor

Natürlich wird auch im Wald auf Sicherheit geachtet. So hat jede Gruppe einen Bollerwagen dabei, auf dem neben Isomatten, Wechselwäsche oder Becherlupen natürlich auch ein Erste-Hilfe-Set ist. Selbstverständlich hat das Team auch ein Handy dabei, so dass sofort der Rettungsdienst alarmiert werden kann. sollte etwas passieren. Dieses war jedoch in siebzehn Jahren noch nie nötig, erzählt die Erzieherin.

Wald ist spielzeugfreie Zeit, trotzdem überlegt sich das Team jedes Mal ein kleines Angebot. Diesmal machen sich zwölf Kinder als Naturdetektive mit Becherlupen auf Forschungstour. Schnell sind ein paar Ameisen eingefangen und werden betrachtet. Ein Dreijähriger interessiert sich mehr für die größeren Tiere: Pflänzchen am Wegrand sind niedergedrückt. Er ist sicher: „Das ist eine Tierspur, das war ein Bär oder ein Reh.“ „Nein“, entgegnet der sechsjährige Jakob, "das Tier hat keine Krallen, das sehe ich genau.“ Die Mädchen beginnen ein Stück weiter schon, auf Wacholderstöckchen eine Wikingerkette zu basteln. Im Wald gibt es viele Beschäftigungsmöglichkeiten und Spaß haben alle.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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