Tierfriedhof Abschied von Luna, Brillu und Ulli

29.08.2018

Manche Haustiere werden über die Jahre zu richtigen Familienmitgliedern. Auf dem Tierfriedhof in Hallbergmoos trauern Herrchen und Frauchen um ihre geliebten Vierbeiner.

Auf dem Tierfriedhof in Hallbergmoos liegen die Hunde Brillu und Luna und der Kater Ulli begraben. © SMB/Rauch

Hallbergmoos – Ysabelle Sauer-Saaliste steht vor dem liebevoll geschmückten Grab, die Hände gefaltet, den Blick auf die drei kleinen herzförmigen Grabsteine gerichtet: Luna, Brillu und Ulli liegen hier begraben – zwei Hunde, ein Kater. „In inniger Liebe unvergessen, lebst du in unseren Herzen“, steht auf einem der Steine, darüber ein Foto der Hündin Luna, Spitzname Nucki. Rundherum Kerzen, Blumen und im Hintergrund zwei Engelstatuen, die andächtig auf das Grab blicken.

Für Ysabelle Sauer-Saaliste ist es ein ganz besonderer Ort: „Hier habe ich alle meine drei Tierchen beieinander“, sagt sie. Etwa zwei Mal in der Woche kommt die Grafikerin und Kunstmalerin auf den Tierfriedhof in Hallbergmoos vor den Toren Münchens. Idyllisch liegt er da – mitten in der Natur, direkt an der S-Bahn-Linie Richtung Flughafen. Seit 14 Jahren können Herrchen und Frauchen hier ihre Haustiere beerdigen und dann am Grab besuchen – egal ob Hund, Katze, Hamster oder Papagei. Nur für Pferde gebe es leider keine Möglichkeit zur Erdbestattung, hier komme nur eine Einäscherung in Frage - darauf weist der Tierfriedhof auf seiner Homepage hin.

Eine richtige Beerdigung

Als abzusehen war, dass Hündin Luna nicht mehr lange leben wird, war Ysabelle Sauer-Saaliste eine der ersten, die sich auf dem damals neu entstandenen Friedhofsgelände einen Grabplatz sicherte. 2005 starb Luna in der Tierklinik an einem Leberleiden. Ihre Besitzerin fiel danach in eine Depression, aus der sie es nur schwer wieder herausschaffte. „Weil ich ein gläubiger, katholischer Mensch bin, war es mir sehr wichtig, dass es eine richtige Beerdigung gibt“, erklärt Ysabelle Sauer-Saaliste. Dazu gehörten auch enge Freunde, Lieder aus dem Gotteslob und ein gemeinsames Vaterunser - ein knappes Jahrzehnt später die gleiche Prozedur für Hund Brillu und Kater Ulli, der beide Hunde überlebt hat. „Brillu und Ulli waren ein Herz und eine Seele“, erinnert sich Sauer-Saaliste. Als der Hund starb, habe der Kater laut gebrüllt. „Ich glaube, ab diesem Zeitpunkt wollte der Kater nicht mehr leben – und so starb auch er ein Jahr später.“

Bei allen drei Tieren entschied sich Ysabelle Sauer-Saaliste für eine Erdbestattung. Neben dieser Bestattungsform bietet der Friedhof in Hallbergmoos auch Einäscherungen an. In beiden Fällen werden die Tiere mit dem „Leichenwagen“ von zu Hause abgeholt. Die Besitzer können zwischen anonymen Gräbern und Reihengräbern auswählen. Die Preise dafür beginnen bei 150 Euro. Zur Auswahl stehen Urnen aus Holz, Keramik oder Kupfer, Särge aus Pappelholz, Eiche oder Magahoni. Ysabelle Sauer-Saaliste bemalte die Särge für ihre Tiere individuell bunt – auf den Charakter jedes Tieres zugeschnitten. Als Grabbeilage bekamen die Tiere ihren Lieblingsball oder das Halsband mit in den Sarg.

"Tiere haben eine Seele"

Ysabelle Sauer-Saaliste wollte einen Ort haben, wo sie um ihre Lieblinge trauern kann. © SMB/Rauch

Das erste Weihnachtsfest nach Lunas Tod verbrachte Ysabelle Sauer-Saaliste gemeinsam mit ihrem Mann auf dem Tierfriedhof. Luna bekam sogar ein Geschenk ans Grab. Bis heute stellt ihre Besitzerin zu Weihnachten am Grab Christbäume auf und bringt von Pilgerreise kleine Andenken für ihre Lieblinge mit. Zum Todestag bekommen alle Tiere ein Herz aus Rosen. Dass sie dafür von manchen Menschen belächelt wird, ist Ysabelle Sauer-Saaliste egal. Sie ist überzeugt: „Gott hat die Welt geschaffen und auch den Tieren eine Seele gegeben. Sie spüren ja schließlich auch Schmerz und Freude.“

So vergeht bis heute kein Tag, an dem sie nicht an ihre Haustiere denkt. Die Trauer sei immer noch da: „Ich habe die Tiere geliebt. Deshalb wollte ich einen Ort haben zum Trauern“, erklärt sie. Direkt neben dem Grab steht eine Holzbank, auf der Ysabelle Sauer-Saaliste schon viel Zeit verbracht hat. Regelmäßig spricht sie hier in Gedanken mit den Tieren und bedankt sich bei ihnen, dass sie sie begleiten durfte. Wenn die Erinnerungen dann wieder hochkommen, fließen auch mal die Tränen. Ab und zu trifft sie andere Grabbesitzer. Man kennt sich untereinander und schwelgt gerne in alten Erinnerungen. Denn alle Menschen hier haben eines gemeinsam: Sie trauern um ein Haustier, das längst zum Familienmitglied geworden ist.

Der Autor
Manuel Rauch
Radio-Redaktion
m.rauch@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Tiere

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