Herbstvollversammlung in Fulda Abschluss der Bischofsberatungen

24.09.2020

Nach drei Tagen intensiver Beratungen haben sich die deutschen Bischöfe mit interessanten Beschlüssen, aber auch vielen Verschiebungen aus der Domstadt Fulda verabschiedet.

Gespannte Erwartung: Journalisten und Kamerateams während der Pressekonferenz zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz © kna

 „Der Schritt auf Christus zu ist ein Fortschritt.“ Das war eine der zentralen Botschaften, die Kardinal Reinhard Marx im Dom zu Fulda zu Beginn des letzten Tages der Herbstvollversammlung predigte. Wie bereits Bischof Georg Bätzing im Auftaktgottesdienst, bezog er damit klar Stellung für eine fortschrittliche Kirche: „Wer Christ wird, schaut nach vorne und geht einen Schritt nach vorne“, betonte der Erzbischof von München und Freising. Auch Bischof Bätzing hatte sich in seiner Auftaktpredigt am Dienstag deutlich geäußert: „Die Heilige Schrift hält viel von Kontinuität, Treue und Verlässlichkeit. Aber offensichtlich hält sie noch mehr von Wachstums- und Weggeschichten; sie zeigt nicht selten sogar eine Vorliebe für Veränderung aus Brüchen und Aufbrüchen heraus, wenn es dem Heil der Menschen dient.“

Bis zu 50.000 Euro für Missbrauchsopfer

Brüche und auch Aufbrüche hat es innerhalb der vergangenen Jahrzehnte innerhalb der katholischen Kirche zur Genüge gegeben. Über mögliche Veränderungen zu diskutieren, war eines der Anliegen der Bischöfe für diese Herbstvollversammlung.

Immerhin, ein prägnantes Ergebnis konnte DBK-Vorsitzender Bischof Bätzing bei der Abschlusspressekonferenz verkünden: Die Bischöfe haben sich auf ein einheitliches Verfahren zur Anerkennung des Leides von Missbrauchsopfern in der Kirche geeinigt. Das neue Verfahren soll für alle 27 deutschen Bistümer gelten, und am 1. Januar 2021 starten. Ein unabhängiges Gremium entscheidet über die Höhe der Anerkennungszahlung in jedem einzelnen Fall. Besetzt sein wird diese unabhängige Stelle mit Medizinern, Juristen, Psychologen und Pädagogen. Bis zu 50.000 Euro werden pro Fall möglich sein, eine Höhe, die sich an den gerichtlichen Urteilen für Schmerzensgelder orientiert. Die Bischöfe haben sich dazu bereiterklärt, auch Ordensgemeinschaften in das Verfahren hineinzunehmen, um zu garantieren, dass die Zahlungen geleistet werden können.

Brisante Themen vertagt

Bezüglich des Synodalen Weges betonte Bischof Bätzing, dass es für die Kirche wichtig sei, offen für Weiterentwicklung zu sein. Wie der Reformprozess weiterverläuft, könne man momentan noch nicht absehen. Auf Nachfrage, wie es um die Diskussion um die Rolle der Frau innerhalb der Kirche stehe, versicherte er ernsthafte Bemühungen. Was den Zugang der Frauen zu sakramentalen Ämtern angehe, verwies der Limburger Bischof auf die diesbezügliche klare Ablehnung aus Rom. Die Päpste hätten immer wieder betont, die Kirche habe nicht das Recht einer solchen Veränderung. Es sei deshalb notwendig, erklärte Bischof Bätzing, „theologische Argumente zu sammeln und weiterzuverfolgen“.

Ebenso weiterverfolgt werde in den nächsten Monaten die Frage nach Möglichkeiten der eucharistischen Gastfreundschaft zwischen Protestanten und Katholiken. Die diesbezüglich geplante Abstimmung der Bischöfe wurde aus Respekt gegenüber den kürzlich geäußerten Einwänden aus Rom auf unbestimmte Zeit verschoben. Zunächst solle nun Ökumenische Arbeitskreis (ÖAK) auf die Kritik aus dem Vatikan reagieren. Dass beim kommenden Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt die vom ÖAK vorgeschlagene Form der sakramentalen Gastfreundschaft offiziell praktiziert wird, ist folglich unwahrscheinlich.

Eine Herbstvollversammlung liegt hinter den Bischöfen, auf der viele brisante Themen besprochen, aber auch vertagt wurden. Dennoch war es in einer Hinsicht eine historische Vollversammlung: Die letzte mit Pater Hans Langendörfer SJ als DBK-Sekretär. Der 69-Jährige wird sein Amt am 6. Januar niederlegen. Seine Aufgabe wird zunächst der Leiter des Bereichs Weltkirche und Migration in der DBK, Ulrich Pöner, als amtierender Sekretär übernehmen. Auf der Vollversammlung im Frühjahr wird schließlich ein dauerhafter Nachfolger verkündet werden. Seit 1996 hatte Pater Langendörfer das Sekretariat geleitet. Auf seine Amtszeit blickt er dankbar zurück: „Es waren tolle Jahre“, berichtete er im Rahmen der Abschlusspressekonferenz in Fulda. Es sei zwar nicht immer, wie er wörtlich sagte, „der volle Fun-Faktor“ gegeben gewesen – dennoch, resümierte er: „Es war eine wunderbare Aufgabe.“(Katharina Zöpfl)


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