„Wir sind viele“ Abschlussgottesdienst zum „Fest der Räte“

01.04.2019

Auch der Abschlussgottesdienst zum 50-jährigen Bestehen der katholischen Räte wurde ganz im Sinne der Laien gefeiert - und sogar ein wenig nostalgisch, auch wenn gerade dies nicht Anliegen des „Fests der Räte“ war.

Cordula Brechmann und Wolfgang Neuner brachten beim Gottesdienst zwei Schwungräder zum Altar. © Kiderle

München – Rätearbeit ist für mich ... Mitgestaltung“, „Rätearbeit heute braucht ... viele Mutmacher“. Diese Statements sind auf den beiden „Schwungrädern“ zu lesen, die Cordula Brechmann vom Diözesanrat und Wolfgang Neuner vom Katholikenrat der Region München an der Spitze des liturgischen Dienstes in den Liebfrauendom tragen und im Altarraum aufstellen. Die Räder sind zwei von vielen, auf denen die Besucher des heutigen „Festes der Räte“ ihre Antwort auf Fragen wie die oben genannten, aber auch Kritik wie etwa „Was bremst mich aus?“ notieren konnten. Es sind also die Stimmen der Laien, die auch den Höhepunkt des Jubiläumsfestes einleiten: eine Eucharistiefeier, die eindeutig die Handschrift der Räte trägt.

Kein nostalgischer Rückblick

Der ereignisreiche Tag spiegelt sich in den zufriedenen Gesichtern der vielen Teilnehmer im voll besetzten Dom wider, leicht zu erkennen an den Rucksäcken, die es als Geschenk gab. Auch Kardinal Reinhard Marx hat das Fest begleitet und zelebriert nun mit den Weihbischöfen Rupert Graf zu Stolberg und Wolfgang Bischof, Generalvikar Peter Beer und dem Bischöflichen Beauftragten für den Diözesanrat, Monsignore Klaus Peter Franzl, die Messe. Doch die Statio hält eine Frau. Brechmann betont, dass der Diözesanrat bei der Fest-Planung eines hätte vermeiden wollen: „einen nostalgischen Rückblick, im Sinne von ,Früher war alles besser‘“. Mit „Wir geben Gottes Schwung weiter“ habe man ein Motto gewählt, das „hoffnungsvoll in die Zukunft weist“.

Ein bisschen nostalgisch wird es aber trotzdem, als zum Kyrie das bekannte „Herr, erbrame dich“ von Peter Janssens erklingt, im Antwortgesang mit den jungen Stimmen der Mädchenkantorei des Doms. Oder als Danklied das anrührende „Herr, du bist mein Leben, Herr, du bist mein Weg.“ Die Messe ist vorwiegend mit Neuen Geistlichen Liedern gestaltet. Sie entstanden nach dem Zweiten Vatikanschen Konzil, genau wie die Laienräte, und rufen wohl bei den meisten in den Räten Engagierten ein angenehmes Gefühl von Vertrautheit und schöne Erinnerungen hervor.

Tag des Volkes Gottes

Den Weg Gottes immer wieder neu zu beschreiten, seinen „Weckruf“ zu vernehmen, dazu ruft auch Kardinal Marx in der Predigt auf. Ein solcher Weckruf sei das Zweite Vatikanum gewesen, die Rätearbeit Frucht dessen. Der Kardinal sei dankbar für die Arbeit in den Gremien, für alle, „die auf den verschiedenen Ebene mithelfen, Kirche lebendig werden lassen“. Papst Franziskus ermutige dazu, auf einem synodalen Weg gemeinsam nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Dabei gebe es keine Trennung von Bischöfen, Priestern und Laien. Deshalb sei der programmatischen Titel für heute: „Tag des Volkes Gottes“.

Mitten aus diesem Volk Gottes werden die Fürbitten vorgetragen. An Mikrophonen im Hauptschiff bitten Regina Grabichler und Josef Kellner, selbst engagierte Räte, um Mut für die Laienarbeit der Zukunft. Und erinnern an die verstorbenen Engagierten.

Segensreiches Wirken

Der Diözesanratsvorsitzende Professor Hans Tremmel spricht den Anwesenden und allen, die sich seit 50 Jahren „segensreich“ als Räte für Kirche und Gesellschaft einsetzen, ein Vergelt’s Gott aus. „Nach diesem bereichernden Tag wird deutlich: Wir sind in unserem Erzbistum nach wie vor viele und wir sind gemeinsam Kirche – ein Volk Gottes, Laien und Kleriker, Haupt- und Ehrenamtliche.“ Er dankt dem Erzbischof dafür, dass er die Rätearbeit im Erzbistum fördere und wertschätze.

„Wir alle leisten gute Arbeit“

Angetan von den „guten Gedanken“ aus dem Gottesdienst sind Vorsitzende Irmgard Hibler (45) und Berta Fichtner (58) aus dem Pfarrgemeinderat von St. Zeno in Isen. Fichtner ist begeistert von den Workshops zu Rechtspopulismus und Schöpfung, die sie besucht hat: „Schließlich ging es heute ums Feiern und um Fortbildung.“ Hibler lobt die gute, nicht zu dicht gepackte Organisation. Fichtner ergänzt: „Dieser Tag ist verdient, denn wir alle leisten gute Arbeit in den PGRs, wir verstehen ihn auch als Anerkennung dafür.“

Die Autorin
Karin Basso-Ricci
Münchner Kirchenzeitung
k.basso-ricci@st-michaelsbund.de


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