Buchveröffentlichung Abt Johannes Eckert über starke Frauen im Markus-Evangelium

21.08.2018

Der Abt von Sankt Bonifaz in München und Andechs, Johannes Eckert, beschäftigt sich in seinem neuen Buch "Steht auf!" mit sechs namenlosen Frauen im Markus-Evangelium. Darin stellt er stellt kritische Anfragen an die katholische Kirche.

Abt Johannes Eckert mit seinem neuen Buch.
Abt Johannes Eckert mit seinem neuen Buch. © Kiderle

In Ihrem druckfrischen Buch „Steht auf! Frauen im Markusevangelium als Provokation für heute“ lassen Sie kaum ein innerkirchliches Reizthema aus. Sind Sie der neue Revoluzzer der Kirche?

Abt Johannes: Ich würde sagen, das Evangelium lässt die Themen nicht aus. Das hat mich motiviert, die Themen, die uns heute berühren, darin zu hören und Anfragen zu stellen.

Schauen wir uns Ihre Forderungen im Einzelnen an: Sie plädieren für die Zulassung von Frauen zur Diakonen- und Priesterweihe sowie zum Kardinalat. Warum?

Abt Johannes: Ich plädiere nicht dafür, ich stelle die Anfrage. Das eine ist abgeleitet von der Schwiegermutter des Petrus. Das ist das erste Heilungswunder im Markusevangelium, bei dem Jesus einen Menschen berührt, und es heißt danach: „Und sie diente ihnen.“ Mir ist aufgefallen, dass im Markusevangelium nur Frauen – und Engel – Jesus dienen. Von Männern wird es nicht gesagt. Sie müssen bei Jesus nochmals lernen, was es heißt zu dienen, wenn Jesus sagt: „Wer der Erste sein will, soll der Diener aller sein.“ Wir erleben ja in unserer Kirche ganz viele Frauen, die ohne Weihe priesterliche, diakonale Funktionen wahrnehmen und dem Evangelium, den Menschen dienen. Dafür dürfen wir unwahrscheinlich dankbar sein. Das ist für mich eine Anfrage: Wie geht es weiter mit dem Dienst in der Kirche? Ist er wirklich nur Männern vorbehalten? Oder müssen wir da einen anderen Blickwinkel einnehmen? Zum Kardinalat der Frau: Im Markusevangelium ist es einzig eine Frau, die Syrophönizierin, von der sich Jesus korrigieren lässt. Wenn sich schon Jesus von einer Frau beraten lässt, warum können dann nicht auch Frauen im engeren Berater-Kreis des Papstes sein, der sich ja Stellvertreter Christi nennt, zumal das Kardinalat bis ins 20. Jahrhundert nicht Klerikern vorbehalten war?

Die „Männer der Kirche“ rufen Sie dazu auf, „die Anliegen weiblicher Spiritualität und der sogenannten feministischen Theologie nicht als emanzipatorische Spielereien abzutun, sondern diese als Bereicherungen zu entdecken“. Was meinen Sie damit?

Abt Johannes: Ich habe es sehr oft erlebt, dass in Schwesterngemeinschaften, in denen ich als Beichtvater oder Exerzitienbegleiter wirke, eine ganz andere Form der Spiritualität gepflegt wird. Da sind manche Männer in der Kirche sehr schnell dabei, das als emanzipatorisches Zeug abzutun. Ich hingegen glaube, wir können von Frauen sehr viel lernen.

Welche Frau im Markusevangelium könnten sich Geistliche heute zum Vorbild nehmen, weil sie besonders emanzipiert war?

Abt Johannes: Mich beeindruckt zum Beispiel die Frau, die an Blutfluss erkrankt ist und den Mut hat, gegen alle Vorschriften auf Jesus zuzugehen, ihn im Geheimen zu berühren, weil sie glaubt: Wenn ich ihn berühre, werde ich gesund. Das ist ein Glaube, der gesund macht, obwohl er Grenzen und Vorschriften überschreitet. Das ist für mich ein sehr selbstbewusstes Auftreten.

Nicht nur auf Frauen, auch auf Jugendliche sollten die Verantwortungsträger in der katholischen Kirche aus Ihrer Sicht nach dem Vorbild Jesu stärker hören. Welche Anstöße erhoffen Sie sich von jungen Katholiken?

Abt Johannes: Ich glaube, wir können von Jugendlichen sehr viele Impulse bekommen. Sie finden oft ganz andere Lösungen als wir Erwachsene. Der heilige Benedikt schreibt ja in unserer Regel, dass der Abt und damit auch die Gemeinschaft besonders die Jungen ernst nehmen soll, weil Gott vielleicht durch sie offenbart, was das Bessere ist.

Frauengottesdienste in Sankt Michael

Einmal im Monat wird in der Jesuitenkirche eine „normale“ heilige Messe am Abend um 18.00 Uhr von (Ordens-)Frauen gestaltet. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen den Ordensfrauen des Erzbistums München und Freising und der Leitung von St. Michael. Der besondere Schwerpunkt dieser Gottesdienste liegt dabei auf „Frauengestalten“, die im Heiligenkalender aus verschiedenen Gründen unterrepräsentiert sind. Die Termine finden Sie hier.

Sie argumentieren für eine Abschaffung des Pflichtzölibats für katholische Priester. Aus welchen Gründen?

Abt Johannes: Wir dürfen den Pflichtzölibat nicht nur aufgrund des Priestermangels diskutieren. Es hat mich sehr berührt, Schicksale von Frauen zu begleiten, die in Beziehung standen zu katholischen Priestern und erkannten, dass ihre Partner wirklich eine Berufung zu diesem Beruf haben. Trotz dieser Erkenntnis blieben sie zusammen. Wäre da eine Änderung nicht notwendig?

Auch die Unauflöslichkeit der Ehe stellen Sie in Frage. Weshalb?

Abt Johannes: Die Unauflöslich- keit der Ehe stelle ich nicht in Frage, sondern ich stelle mir die Frage, inwieweit nicht ein Neuanfang möglich ist nach einer Ehe, die nach unseren Kategorien zerbrochen ist.

Sie treten für die Zulassung wiederverheiratet geschiedener Katholiken und evangelischer Christen zur Kommunion ein. Warum?

Abt Johannes: Wenn wir wirklich glauben, dass im Sakrament der Eucharistie Christus gegenwärtig ist, dann wird es schwierig, jemandem diese Nähe zu verwehren, wenn er das Verlangen danach hat – die an Blutfluss Erkrankte berührte selbstbewusst Jesus, und dieser lobte ausdrücklich ihren Glauben.

Sie fragen in Ihrem Buch: „Könnte Gott sich nicht auch in anderen Religionen offenbaren?“ Wie würden Sie diese Frage beantworten?

Abt Johannes: Dem damaligen Kardinal Ratzinger wird die Aussage zugesprochen: „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.“ Von daher glaube ich an die Größe Gottes, der sich in vielen Suchbewegungen von Menschen offenbart.

Eine Abschaffung der Kirchensteuer könnte Ihrer Meinung nach „ein Akt der Befreiung sein“ und „zu mehr Wahrhaftigkeit führen“. Wie kommen Sie zu diesen Auffassungen?

Abt Johannes: Es wird unwahrscheinlich viel Gutes getan durch die Kirchensteuer. Trotzdem ist sie auch für viele Christen ein Anstoß. In diesem Zusammenhang stelle ich die Frage, ob man das gängige System nicht hinterfragen sollte und es nicht vielleicht glaubwürdiger wäre, ein Kirchensteuersystem zu haben wie in Italien, bei dem sich der Einzelne selbst entscheiden kann, wem er seine Kultursteuer zukommen lässt.

Für homosexuelle Paare schlagen Sie vor, ein eigenes liturgisches Ritual zu entwickeln. Wieso?

Abt Johannes: Mich bewegt, dass wir für viele Menschen keine sakramentalen Zeichen haben. Warum nicht weiter auf dem Bestehenden überlegen: Welche Zeichen des Heils können wir entwickeln, dass Menschen nicht allein gelassen werden in ihrer Sehnsucht?

„Pass nur auf, dass du nicht evangelisch wirst!“, hat ein Freund während der Entstehung des Buches zu Ihnen gesagt. Viele Ihrer Anfragen sind bei den Protestanten ja bereits umgesetzt. Warum konvertieren Sie nicht – oder andersherum gefragt: Warum möchten Sie, dass sich die katholische Kirche in diesen Punkten den reformatorischen Glaubensgemeinschaften angleicht und nicht umgekehrt?

Abt Johannes: Ich bin sehr gern katholisch und Mönch in dieser Kirche und ich möchte nicht, dass sich die katholische Kirche den reformatorischen Anweisungen angleicht, sondern dass wir uns immer wieder neu am Evangelium orientieren und in diesem Sinn evangelisch werden.


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