Brexit Abwarten und Earl Grey trinken - und beten

01.02.2019

Der Brexit steht in weniger als zwei Monaten bevor und noch immer gibt es keine Regelungen über den Austritt Großbritanniens aus der EU. Auch Briten, die in München leben, sind betroffen.

Am 29. März 2019 will Großbritannien die EU verlassen
Am 29. März 2019 will Großbritannien die EU verlassen. © imago

München – Brexit hier, Brexit da, Brexit überall! Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union beherrscht momentan die Schlagzeilen. Die Folgen des Brexits für Wirtschaft, Tourismus, internationale Beziehungen und vor allem die Menschen selbst nach dem Austritt am 29. März 2019 kann niemand abschätzen. Auch im Landkreis München leben mehr als 1.300 Briten, die sich fragen, wie es nach dem Brexit für sie weitergeht. Der britische EU-Austritt sei auch Thema in der anglikanischen Gemeinde in München, erzählt George Battrick, der zu den rund 100 britischen Mitgliedern gehört: „Jeder ist genervt, dass auch nach über zwei Jahren alles immer noch so unsicher ist, aber man kann nichts dagegen tun.“

George Battrick, Mitglied der anglikanischen Church of the Ascension
George Battrick, Mitglied der anglikanischen Church of the Ascension © SMB/Kuklik

Doppelpass für die Briten in Deutschland

Bei dem Referendum im Juni 2016 durfte er nicht abstimmen, da er dafür schon zu lange im Ausland lebt. 25 Jahre, um genau zu sein, lebt der aus Manchester stammende George Battrick schon in Deutschland. Er besitzt einen britischen Pass, denkt aber über Alternativen nach: „Es gibt die Möglichkeit, beide Staatsbürgerschaften zu haben, also die deutsche zu bekommen ohne die britische aufgeben zu müssen. Viele unserer Mitglieder haben bereits den ‚Doppelpass‘. Ich befinde mich auch in dem Prozess, bezweifle aber, dass das vor Ende März noch klappt.“ Für die anglikanische Gemeinde selbst befürchtet der gebürtige Brite keine Folgen. Denn die anglikanische Church of the Ascension gehört zu einem amerikanischen Dachverband episkopaler Kirchen, also Kirchen, die zwischen Katholizismus und Protestantismus angesiedelt sind.

Der katholische Pfarrer und gebürtige Schotte Brian McNeil
Der katholische Pfarrer und gebürtige Schotte Brian McNeil © privat

Bürokratiemonster Brexit?

Auch der Schotte Brian McNeil möchte seine britische Staatsbürgerschaft behalten. Er ist seit mehr als zehn Jahren katholischer Pfarrer in St. Michael in Berg am Laim. Über seine Zukunft hier in der Münchner Pfarrei kann er nur spekulieren: „Ich werde wahrscheinlich eine neue Arbeitsgenehmigung brauchen, eine Aufenthaltserlaubnis, ein Visum eventuell – das weiß man aber alles nicht.“ Gut möglich also, dass der 66-Jährige bald eine Behörde nach der anderen abklappern muss.

Damit die Briten vielleicht doch noch zur Vernunft kommen, greift George Battrick zum stärksten Mittel, das Christen kennen: „Da hilft nur abwarten und beten. Ich hoffe ja, dass ich noch in München bleiben kann, wenn die Deutschen es erlauben“, erzählt der Brite lachend. Auch Pfarrer McNeil schickt Gebete in seine Heimat. Er möchte ebenfalls in München bleiben und noch so lange wie möglich seinem Beruf – er selbst spricht von Berufung – nachgehen. (Céline Kuklik)


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