Valentinstag 2017 Adrenalin und Glückshormone

13.02.2017

Als schönste Impfung der Welt bezeichnet der „Verein Kussfreunde“ das Küssen. Das Immunsystem werde angekurbelt, Vielküsser lebten sogar länger. Doch je nachdem, wer wen wie küsst, kann der Kuss unterschiedliche Bedeutung haben.

Küssen hat viele Bedeutungen, auch im Tierreich. © Fotolia

Bonn - Zwischen Kuss und Kuss können Welten liegen. "Ein Kuss ist ein oraler Körperkontakt mit einer Person oder einem Gegenstand." So nüchtern definiert Wikipedia die Geste, die zu den ausdrucksstärksten menschlichen Äußerungen gehört. Es gibt den Friedenskuss, den politischen Bruderkuss, den erotischen Kuss, den zärtlichen Elternkuss - aber auch den Handkuss und den per Hand zugeworfenen Luftkuss. Gerade wegen dieser starken Symbolik kann der Kuss auch Inbegriff des Verrats werden, etwa der Judas-Kuss.

Ursprung des Kusses

Der Kuss ist eine universale Geste, die über das Menschsein hinausgeht: Nach Ansicht des Verhaltensforschers Irenäus Eibl-Eibesfeldt hat das gegenseitige Berühren der Lippen seinen Ursprung in der Nachwuchspflege von Menschen und Tieren. Aus dieser friedvollen Eltern-Kind-Beziehung habe er sich zu einem "Zärtlichkeits- und Befriedungsritus" entwickelt. "Die Wurzel des Kusses ist der Sex", argumentiert dagegen die Bremer Sexualwissenschaftlerin Ingelore Ebberfeld. So "erschnüffelten" Männer, ob eine Frau ihren Eisprung habe - auch wenn das nur unbewusst registriert werde.

Anatomie des Kusses

Bei einem hingebungsvollen Kuss sind mehr als 30 Gesichtsmuskeln in Bewegung, haben Mediziner herausgefunden. Adrenalin und Glückshormone werden ausgeschüttet. Allerdings auch Bakterien ausgetauscht. Küssen stärkt aber zugleich das Immunsystem und schränkt die Produktion von Stresshormonen ein.

Bedeutung des Kusses

Platon glaubte, dass sich bei einem Kuss von Mund zu Mund die Seelen berühren. Im Mittelalter hatte der Kuss auch rechtliche Bedeutung: Er besiegelte einen Vertrag - was sich noch heute im Verlobungs- oder Brautkuss widerspiegelt.

Geküsst wird rund um den Globus. In Westeuropa und Nordamerika gilt es heutzutage meist nicht mehr als anstößig, sich öffentlich zu küssen. Die westliche Kusskultur des 20. Jahrhunderts ist stark vom Kino geprägt. Noch in den 1930er Jahren gab es in Hollywood einen Verhaltenskodex, der in Filmszenen "lustvolle Umarmungen" und "ausgedehnte und wollüstige Kussszenen" verbot.

Küsse symbolisieren auch Verehrung, Freundschaft und Respekt. Der soziale Wange-an-Wange-Kuss sei in den letzten Jahren mit großem Erfolg aus Frankreich ins restliche Europa exportiert worden, schreibt die britische Soziologin Adrianne Blue in ihrem Buch "Vom Küssen oder Warum wir nicht voneinander lassen können".

Kuss als Herrschaftssymbol

Der Kuss kann auch ein Herrschaftssymbol sein: Mit dem Fuß-Kuss verlangten Kaiser und Päpste Unterwerfung. Der Bruderkuss ist eigentlich ein Symbol der Gleichheit. Doch als Russlands Parteichef Michail Gorbatschow 1989 SED-Generalsekretär Erich Honecker zum 40. Geburtstag der DDR die Wange zur Begrüßung entgegenhielt, war der Machtkampf zwischen beiden längst entschieden.

Der Kuss in den Religionen

Auch in den Religionen hat der Kuss eine große Bedeutung: Im Islam küssen Pilger bei ihrer Mekka-Wallfahrt den Schwarzen Stein der Kaaba. In der katholischen Kirche gehören der Altar-Kuss und der Kuss auf das Evangelienbuch zum Gottesdienst. Im Alten Testament haucht Gott dem Adam Lebensatem ein. Das "Hohelied" jubelt: "Milch und Honig sind unter Deiner Zunge." Paulus fordert die Christen in Korinth auf: "Grüßt einander mit dem heiligen Kuss." Aus Sicht der Kirchenoberen übertrieben es die Christen damit freilich, und so sah sich laut dem Philosophen Lacroix Papst Innozenz III. im 13. Jahrhundert gezwungen, den Begrüßungskuss aus Kirchenkreisen zu bannen. (KNA)

Zahlreiche Pfarreien im Erzbistum München und Freising laden am Valentinstag zu besonderen Gottesdiensten ein. Im Rahmen von einigen können sich die Paare auch segnen lassen. Eine Auflistung finden Sie hier.

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