Frauenbund im Erzbistum Aktiv in Kirche und Politik

16.10.2016

„Bei uns ist viel los“, sagt die KDFB-Diözesanvorsitzende Sylvia Nazet. Wofür sich die Frauenbund-Frau engagiert, lesen Sie hier.

Sylvia Nazet ist seit 2013 KDFB-Diözesanvorsitzende. © Riffert

MÜNCHEN – Frauenbund, das heißt Kaffee kochen und Kuchen backen? Diese Gleichung, die so nie gestimmt hat, trifft heute erst recht nicht mehr zu. 16.000 Frauen engagieren sich derzeit ehrenamtlich im Diözesanverband München und Freising des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB). In 126 Zweigvereinen bereichern sie die kirchliche Landschaft. Und sie backen beileibe nicht nur Kuchen fürs Pfarrfest, was sie allerdings auch leidenschaftlich gerne tun. Sondern sie bringen sich in vielen sozialen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Arbeitsfeldern ein. KDFB- Frauen engagieren sich zum Beispiel in der Mittagsbetreuung an Schulen, nachdem sie zuvor dafür vom Verband in Kursen ausgebildet wurden. Oder sie gründen Eltern-Kind-Gruppen, und der Frauenbund unterstützt sie dabei mit organisatorischem Know-how. Sie sind nach entsprechender fachlicher Einführung als ehrenamtliche Familienpatinnen aktiv und begleiten Paare, für die das Leben mit Kind noch ungewohnt ist. Der Gedanke von Gründerin Ellen Ammann, Frauen Bildung zu vermitteln, ist nach wie vor aktuell und wird in den unterschiedlichsten Facetten praktiziert.

„Bei uns ist viel los“, bekräftigt Sylvia Nazet, Vorsitzende des KDFB-Diözesanverbands. Der Altersschnitt im KDFB in der Erzdiözese liegt zwar noch bei über 60 Jahren, aber es kommen jüngere Mitglieder hinzu, betont Nazet. Die Aktion „anbandeln“, über die jüngere Frauen erreicht werden sollen, trägt offenbar Früchte. Das Programm geht ausdrücklich auch auf berufstätige Frauen ein. So gibt es jetzt zum Beispiel in der „Frauen-Insel“ des KDFB im Zentrum Münchens einen offenen Treff für „Einzelmitglieder“. Diese Form der Mitgliedschaft bevorzugen manche Berufstätige, die keine Zeit haben, zu den oft nachmittäglichen Treffen der Zweigvereine zu kommen. Nun können auch sie am Abend Gleichgesinnte treffen.

Wallfahrts-App in Zusammenarbeit mit dem Sankt Michaelsbund

Der KDFB wirkt gesellschafts- und kirchenpolitisch – wenn auch eher auf Landes- und Bundesebene. Unter dem Motto „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ äußerte er sich beispielsweise in der interkulturellen Woche Ende September zum Thema Integration. In Sachen Mütterrente setzt sich der Verband aktuell nach den erfolgreich erkämpften zwei Rentenpunkten für Mütter politisch für einen dritten ein. In die Kirche hinein fordern die KDFB-Frauen seit 1998 jedes Jahr am „Tag der Diakonin“, dieses Amt für Frauen zu öffnen. Nun hat Papst Franziskus eine Kommission eingerichtet, die die Frage der Diakoninnen untersuchen soll. „Das sind wichtige Themen, die wir uns auch auf Diözesanebene zu eigen machen“, erklärt Sylvia Nazet. „In der Projektphase ist gerade eine virtuelle Wallfahrts-App, die in Zusammenarbeit mit dem Sankt Michaelsbund unter der Schirmherrschaft der Katholischen Erwachsenenbildung umgesetzt werden soll. „Diese Arbeit macht enorm viel Spaß“, ergänzt die 52-Jährige.

Sylvia Nazet lebt in Hartmannshofen in der Pfarrei St. Raphael im Münchner Nordwesten und arbeitet in Teilzeit als Betriebswirtin. „2006 bin ich dem Frauenbund beigetreten und seit 2009 bin ich im Vorstandsteam des Zweigvereins St. Raphael. Nachdem meine Söhne erwachsen waren, wollte ich mich auch wieder stärker engagieren“, beschreibt sie ihre Motivation. So arbeitet Sylvia Nazet im Pfarrgemeinderat mit, ist Trägervertreterin im örtlichen „Haus für Kinder“ und Lektorin. Zur Diözesanvorsitzenden wurde sie 2013 gewählt.

„Ich treffe viele interessante Menschen und habe Freude an der Arbeit“, betont sie, bekennt aber auch offen die Schattenseite ihres umfangreichen Ehrenamts: „Pro Woche sind das schon mal 30 Stunden Ehrenamt, in Spitzenzeiten mehr.“ Doch Sylvia Nazet strahlt Energie aus und wirkt trotz vieler Termine positiv. „Ich muss ja auch nicht alles alleine machen. Meine Vorstandskolleginnen haben eigene Aufgabenfelder übernommen, und auch das Team der Geschäftsstelle unterstützt uns“, fasst sie zusammen. Allerdings vermisst sie dort seit eineinhalb Jahren eine Geschäftsführerin. „Zurzeit mache ich einiges an Verwaltungsarbeit im Verband. Ich würde aber gerne mehr inhaltlich arbeiten, zum Beispiel in den wichtigen Themenbereichen Betreuung und Pflege“, betont Sylvia Nazet. Dann macht sie sich wieder auf den Weg. Am Abend warten noch ein paar Verbands-Telefonate auf sie. (Gabriele Riffert)

Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB)
Geschichte: gegründet im Dezember 1904 von der Schwedin Ellen Ammann in München
Mitglieder: 16.000 Frauen sind Mitglied in den 126 Zweigvereinen des Diözesanverbands, bundesweit hat der KDFB 200.000 Mitglieder, davon 180.000 in Bayern
Weitere Informationen: hier


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