Ausstellung „A Muslim, a Christian and a Jew“ Alle gehören zu einer Familie

16.03.2018

Vom 12. – 26. März finden in München die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2018 statt. In dem Rahmen wird auch eine Führung durch die Ausstellung im Jüdischen Museum angeboten. Ein Besuch.

Ein Muslim, ein Christ und ein Jude bei Sigmund Freud, Zeichnung: Eran Shakine
Ein Muslim, ein Christ und ein Jude bei Sigmund Freud, Zeichnung: Eran Shakine © Jüdisches Museum München/ Eran Shakine

München – Der Ausstellungstitel „A Muslim, a Christian and a Jew“ („Ein Muslim, ein Christ und ein Jude“) klingt wie der Anfang eines Witzes über Religions-Klischees. Er soll aber, so gibt der jüdische Künstler Eran Shakine zu, nur Aufmerksamkeit erregen. Doch wenn der Besucher dann die Gemälde und Zeichnungen auf groß- und kleinformatigen Leinwänden betrachtet, erinnern der lockere Strich und die flüchtig gezeichneten Bildgeschichten eher an einen begehbaren Comic als an eine Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema. Unübersehbar ist nämlich der hintergründige Humor in allen Arbeiten. Ein solcher erster flüchtiger Blick täuscht aber. Denn zwar immer mit Witz, aber durchaus kritisch setzt sich der Künstler, der sich selbst als nicht religiös bezeichnet, mit den Gemeinsamkeiten wie den Unterschieden der drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam auseinander.

Eine gemeinsame Geschichte

Seine erzählerischen Bilder führen karikaturhaft und subtil zugleichgängige Vorurteile ad absurdum und rücken an deren Stelle den ernsthaften interreligiösen Dialog. „Wenn man all das entfernt, was wir nutzen, um uns voneinander abzugrenzen, haben wir alle das gleiche Grundbedürfnis: glücklich zu sein“, sagt Shakine über seine Werkserie. „Muslime, Christen und Juden stehen auf dem Boden einer gemeinsamen Geschichte. Sie sind miteinanderverbunden. Ismael ist der Ahnherr der Muslime und Isaak der Vorfahre der Juden. Beide sind Söhne von Abraham. Und Jesus wurde als Jude geboren. Sie gehören also zur selben Familie.“

Führung durch Ausstellung

Vom 12. – 26. März finden in München die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2018 statt. In dem Rahmen wird am 17. März um 15 Uhr eine Museumsführung durch die Ausstellung „A Muslim, a Christian and a Jew“ von Eran Shakine angeboten. Die Veranstaltung ist kostenfrei und der Ort barrierefrei zugänglich.

Das macht auch ein Bild deutlich, das der Künstler wie das Cover des „Time“-Magazins gestaltet hat. Dessen Titel-Schlagzeile lautet: „Mutter bringt eineiige Drillinge zur Welt, einen Muslim, einen Christen und einen Juden.“ In allen anderen skizzenhaften Zeichnungen aus Ölwachskreide ist das Trio äußerlich dann nicht mehr zu unterscheiden. Die drei Helden, mit Zylindern und eleganten Anzügen wie Gentlemen aus dem 19. Jahrhundert gekleidet, wirken wie aus der Zeit gefallen. Oder wie Forscher und Entdecker aus früheren Epochen auf einer Expedition, die nichts Geringeres zum Ziel hat, als das menschliche Leben zu erkunden. Dabei geraten sie in ebenso alltägliche wie absurde Situationen: Sie treffen Buddha, besuchen die Moses- Statue von Leonardo da Vinci in Rom, wandern durch den Wald der Gerüchte und Heuchelei, sitzen bei Psychoanalytik-Vater Sigmund Freud auf der Couch und bemerken nicht, dass ihnen das Glück schon eine Weile folgt – in Gestalt eines treuen Hundes. Und natürlich versuchen sie auch, den Plan Gottes zu durchschauen.

Ich lache nicht über Religion

Immer bleiben sie neugierig und gewinnen so philosophische Erkenntnisse und Einsichten wie etwa die, dass die Wahrheit immer im Auge des Betrachters liegt, dass es eine absolute Wahrheit nicht gibt, dass man die Dinge aus einer anderen Perspektive als der eigenen sehen zu lernen hat oder dass am Ende alle gleich sind. Und dass man sein Ziel nur erreicht, wenn man zusammenhält und sich gegenseitig hilft: Um an die Himmelspforte zu gelangen, dort anzuklopfen und um Einlass zu bitten, müssen die drei Religionsvertreter eine menschliche Hühnerleiter bilden. „In meinem Werk gibt es keine Stereotype“, sagt Shakine. „Keiner wird verspottet, denn hier sind alle gleich. Wir begegnen drei Menschen, die gemeinsam unterwegs sind, ohne sich gegenseitig etwas beweisen zu müssen.“ Seinen künstlerischen Ansatz, sich humorvoll mit religiös-philosophischen Themen auseinanderzusetzen, begründet der Künstler so: „Ich lache nicht über Religion. Ich lache über das menschliche Verhalten.“

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „A Muslim, a Christian and a Jew“ ist bis Sonntag, 21. Oktober, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr im Jüdischen Museum München (St.-Jakobs-Platz 16) zu sehen.

Seine Kunst versteht Shakine immer als Spiegel der Kultur und Gesellschaft, in der wir leben. Seine 30-teilige Serie im Jüdischen Museum München (eine Übernahme aus dem Jüdischen Museum Berlin) ist natürlich auch geprägt von seinen persönlichen Erfahrungen des Lebens in Israel: „Ich habe bereits fünf Kriege erlebt (den ersten mit sechs Jahren) und lange Zeiten der Unsicherheit, in denen ständig Selbstmord-Attentate drohten. Im Nahen Osten zu leben, ist, als lebte man im Auge eines Sturms. Als würde man versuchen, auf einem Vulkankrater ein normales Leben zu führen.“

Street Art hat Künstler beeinflusst

Als Sohn von nach Israel eingewanderten Shoa-Überlebenden wohnt und arbeitet Shakine heute in Tel Aviv, hat aber auch schon jeweils einige Jahre in Paris, London und New York verbracht. Dort hat er auch die Street Art der 1980er Jahre kennengelernt, die, wie er selber betont, einen nachhaltigen Einfluss auf sein Werk hatte. Als weitere Inspirationsquellen nennt er japanische Holzschnitte und Kalligraphie sowie Hergés Zeichnungen von „Tim und Struppi“. Und nicht zuletzt hat ihn Jules Vernes Roman „In 80 Tagen um die Welt“ fasziniert. Vor allem dessen Interesse an der Position des Menschen im Kosmos: „Das machte ihn zu einem der letzten Universalgelehrten.“ (Karl Honorat Prestele, freier Kulturjournalist)


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