Freisinger Bischofskonferenz "Alle Möglichkeiten ausschöpfen"

01.10.2020

Egal ob Martinsumzüge, Totengedenken oder Christmetten – wegen Corona ergeben sich für die Kirche auch in der kommenden Zeit Herausforderungen, aber ebenso Möglichkeiten, so Kardinal Reinhard Marx. Was die bayerischen Bischöfe bei ihrer Tagung außerdem diskutierten, lesen Sie hier.

Kardinal Reinhard Marx bei der Pressekonferenz in München
Kardinal Reinhard Marx bei der Pressekonferenz in München © Kiderle

München – Als Kardinal Reinhard Marx in der Katholischen Akademie in München seinen Bericht von der soeben zu Ende gegangenen Herbstvollversammlung der bayerischen Bischöfe beginnt, bestätigt sich zunächst das Erwartbare: Die Corona-Krise ist das bestimmende Thema, das seit Monaten den kirchlichen Alltag prägt und folglich auch in den Beratungen der Freisinger Bischofskonferenz eine zentrale Rolle gespielt hat. Zugleich wird aber deutlich: Der Schrecken der ersten Wochen, als das Verbot von Gottesdiensten wie ein Schock empfunden wurde und man mit neuen seelsorglichen Wegen und Formaten ungewisses Neuland betrat, ist verflogen – die Bischöfe wollen nun mit gesammelten Erfahrungen, mit einem vorsichtigen Optimismus und durchaus auch mit Selbstbewusstsein in die nahe Zukunft blicken.

„Wir haben getan, was möglich ist“, sagt Kardinal Marx in Anspielung auf die Vorwürfe, die Kirche habe sich in der schwierigen Zeit des Lockdowns weggeduckt. Und er weist darauf hin, dass bald viele neue Herausforderungen zu meistern seien: Martinsumzüge, das Totengedenken mit Gräberumgang und -segen an Allerheiligen und Allerseelen, Nikolausbesuche bei Kindern und in Altenheimen, die Weihnachtstage mit ihren vielfachen Begegnungen von der Christmette bis zum Festessen im erweiterten Familienkreis, Silvester, Sternsingen – aus infektiologischer und organisatorischer Sicht wird die kommende Zeit wieder ein Stresstest für die Kirche.

Kreative Lösungen

Die bayerischen Bischöfe setzen indessen in ihrer Erklärung auf entschlossene und kreative Lösungen: Gerade an Weihnachten dürfe niemand ausgeschlossen werden, weshalb Gottesdienste in der größerer Zahl oder auch im Freien gefeiert werden sollten. Selbstständige Gräbersegnung durch die Gläubigen, Einsatz von Lautsprechern und natürlich die mittlerweile bewährten Übertragungen im Internet – alle Möglichkeiten sollen ausgeschöpft werden. Dem Münchner und Freisinger Erzbischof ist es sichtlich ein Anliegen, den Verantwortlichen in den Pfarreien Mut zu machen: „Wir möchten dazu ermutigen, das alles zu ermöglichen, und nicht zu schnell zu sagen: ‚Geht nicht‘.“

In engem Zusammenhang mit der Corona-Krise stand auf der Agenda der Bischofskonferenz auch das Thema Jugendarbeit. Gerade in diesem für die Zukunft der Kirche herausragend wichtigen Bereich sind die finanziellen Probleme von Bildungshäusern und die vielen coronabedingten Ausfälle von Veranstaltungen, Treffs, Fahrten und Zeltlagern besonders bitter, dennoch sehen die Bischöfe ermutigende Signale und loben die „großartige Arbeit“ der Jugendseelsorgerinnen und -seelsorger.

Stiftungshochschule auf Erfolgskurs

Trotz Corona auf Erfolgskurs ist die Katholische Stiftungshochschule München (KSH), deren landesweit führende Rolle in den Bereichen Gesundheit und Pflege Kardinal Marx hervorhebt. Sie sei keine Kaderschmiede für die katholische Kirche, sondern bilde Menschen für die ganze Gesellschaft aus. In Zeiten enormen Fachkräftemangels und einer gesteigerten Bedeutung sozialer Berufe leisteten die Hochschule und ihre Absolventen einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren des Gemeinwesens.

Beim Thema Kirchenasyl verteidigen die bayerischen Bischöfe ausdrücklich ihre Position, dass sie die Möglichkeit weiterhin nutzen wollen, Menschen in extremen Notsituationen Schutz zu gewähren. Dies bedeute keineswegs, betont Kardinal Marx, dass man jemanden der Justiz entzieht, und man bleibe dabei immer in Kontakt mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Ohnehin handle es sich nur um rund 20 aktuelle Fälle von katholischen Kirchenasylen in ganz Bayern.

Gemeinnütziges Engagement

Schließlich weist der Erzbischof auf den Geschäftsbericht des Überdiözesanen Fonds Bayern (ÜDF) 2019 hin und unterstreicht die Bedeutung des mildtätigen und gemeinnützigen Engagements der Kirche nicht nur im (bekannteren) diözesanen, sondern auch im gemeinsamen überdiözesanen Bereich. So seien im Jahr 2019 mithilfe der Finanzierung durch bayerische Diözesen über 26 Millionen Euro den Hochschulen und Universitäten zugutegekommen, über 5 Millionen Euro flossen in Schule, Fort- und Erwachsenenbildung; weitere Förderungen erhielten seelsorgliche Einrichtungen und Sozialverbände.

Kardinal Reinhard Marx lässt es sich nicht nehmen, vom Thema der Finanzen zum Schluss noch einmal zu den Menschen und ihren Bedürfnissen zurückzukehren. Es gehe ihnen immer um die „Suche nach Gemeinschaft und Begegnung“ – diesem Bedürfnis müsse die Kirche entgegenkommen. Und er fügt lakonisch an: „Wenn Demonstrationen stattfinden, warum soll dann nicht auch der Martinsumzug stattfinden?“ (Joachim Burghardt)

Der Autor
Joachim Burghardt
Redakteur bei der Münchner Kirchenzeitung
j.burghardt@muenchner-kirchenzeitung.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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