Beratung für Schwangere Alle Sorgen ernst nehmen

16.10.2018

Ein Kind ist auf dem Weg. Das ist für werdende Eltern natürlich Grund zur großer Freude. Doch oft gibt es während einer Schwangerschaft auch viele Fragen, manchmal Sorgen und Zweifel. In diesen Fällen gibt es beim Sozialdienst katholischer Frauen in München (SKF) eine Anlaufstelle.

Marina Macke vom SKF in einer Beratungssituation
Marina Macke vom SKF in einer Beratungssituation. © SkF München / Jan Roeder

München – Ein Tag im Sommer 2017: Eine syrische Familie, seit neun Jahren in Deutschland lebend, läuft durch die Münchner Innenstadt. Die Frau ist schwanger. Sie, ihr Mann und die beiden Kinder freuen sich natürlich – aber sie sind auch voller Sorge. Geplant war das dritte Kind nämlich nicht. Zwar war für die Eltern sofort klar das Kind zu behalten, doch es tauchten Fragen auf: Wie können wir noch ein drittes Kind mitversorgen? Überfordert uns das? Wird das Kind gesund sein? Denn eines ihrer beiden anderen Kinder ist mit einer Behinderung auf die Welt gekommen.

An diesem Tag im Sommer 2017 also war die Familie gar nicht so unbeschwert, also sie durch das Bahnhofsviertel spazierte. Doch dann der glückliche Zufall: Vater und Mutter erkannten auf einem Schild an einer Hauswand das Wort „Schwangerenberatung“ und traten ein. Seitdem nimmt die Familie die Schwangerenberatung des Sozialdiensts katholischer Frauen München (SKF) in Anspruch. Inzwischen ist das Kind auf der Welt und die Familie blickt hoffnungsvoll in die Zukunft.

1600 Frauen und Familien

„Es kommt schon häufiger vor, dass Menschen durch Zufall auf uns stoßen“, sagt Birgitt Nowak, Beraterin beim SKF, die die Geschichte der syrischen Familie miterlebt hat und sie nun seit über einem Jahr betreut. Und es sind auch die typischen Anliegen. „Zu uns kommen viele Familien, die sich Sorgen um ihre Existenzsicherung machen“, sagt Marina Macke, die stellvertretende Leiterin der Beratung für Schwangere und junge Familien des SKF. Wohnungsnot, Armut, Integration – all die Themen, die die Gesellschaft bewegen, beschäftigen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schwangerenberatung. 1600 Frauen und junge Familien beraten sie im Jahr.

Die Vielzahl der Anliegen, mit denen werdende Eltern zum SKF kommen, spiegelt sich in den Angeboten der Schwangerenberatung wider. Neben der allgemeinen Schwangerenberatung, bei der es oft um Hebammensuche, Gesundheitsthemen, Krankenhaussuche und Vorbereitungskurse geht, gibt es noch einiges mehr: Beispielsweise sexualpädagogische Angebote, Beratungen bei unerfülltem Kinderwunsch und das Angebot „Start ins Leben“. Bis zum dritten Lebensjahr des Kindes begleiten die Experten des SKF die Familien bei Bedarf.

Vertraulich und anonym

Diesen Bedarf hat Birgitt Nowak bei der syrischen Familie erkannt. „Man hat nach der Geburt gemerkt, dass sie noch Unterstützung brauchen.“ Mit einer gewissen Erfahrung spüre man das einfach in der Beratung. Da das Ehepaar schon etwas älter sei, käme vor allem die Frage danach, wie sie es schaffen können ausreichend für das Kind da zu sein. „Und da ist es gut, dass sie sich professionelle Hilfe holen.“ Das erfordere durchaus Mut, ergänzt Marina Macke. „Viele haben leider den Eindruck, dass es in der Schwangerschaft keine Zweifel geben darf. Frauen waren ja schließlich immer schon schwanger.“ Doch es sei wichtig, die Frauen und Familien damit nicht alleine zu lassen. Deshalb gibt es die individuelle Beratung beim SKF, die jederzeit vertraulich und auf Wunsch anonym geführt werden kann.

Diese individuelle Beratung ist auch bei sehr sensiblen Themen wie Pränataldiagnostik, also vorgeburtlichen Genuntersuchungen, und Schwangerschaftsabbruch wichtig. Die Haltung des SKF dabei ist klar. Niemand wird verurteilt, egal wie die Entscheidung am Ende aussieht. Alle Sorgen und Nöte sollen ernst genommen werden. Getreu dem Ziel des SKF, das Marina Macke formuliert: „Wir wollen die Frauen stärken und mit ihnen gemeinsam eine gute Perspektive für die Zukunft entwickeln.“

Der Autor
Lukas Schöne
Radio-Redaktion
l.schoene@st-michaelsbund.de


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