Impuls von Max Kronawitter „Alles wird gut!“

23.06.2019

Der Glaube verändert die Weise, wie man die Welt wahrnimmt, ist Max Kronawitter überzeugt. Inwiefern, verrät der Theologe und Filmemacher hier.

Wer glaubt, vermag in allen Wirrungen des Lebens ein Gesicht zu entdecken, das ihn anschaut und ihm sagt: „Alles wird gut!“, meint Max Kronawitter.
Wer glaubt, vermag in allen Wirrungen des Lebens ein Gesicht zu entdecken, das ihn anschaut und ihm sagt: „Alles wird gut!“, meint Max Kronawitter. © Maika – stock.adobe.com

Bei meiner morgendlichen Rasur läuft nebenbei das Radio. Täglich wird mir dabei auf „Bayern 3“ der so genannte Verhörhammer präsentiert. Es handelt sich dabei um einen populären Song, meist in englischer Sprache, der eine Textpassage enthält, die verblüffend deutsch klingt. Sobald man darauf aufmerksam gemacht worden ist, hört man dann an einer bestimmten Stelle Sätze wie „Komm morgen wieder Biene?“, „Willst du ’nen Keks?“ oder „Wie es auch sei“. Wer diese Wortkombination einmal entdeckt hat, hört sie immer wieder.

Ein ähnliches Phänomen gibt es bei Bildern. Auf der Rätselseite von Zeitschriften etwa kann man – wenn man lange genug sucht – in einem Gewirr an Linien ein Gesicht entdecken. Hat man es lokalisiert, genügt ein flüchtiger Blick, um es erneut zu fixieren. Was man einmal gefunden und identifiziert hat, erkennt das Auge fortan unmittelbar. Ist der Blick einmal geschärft, vermag man herauszulesen, was andere noch suchen.

Wer glaubt, hat einen anderen Blick auf die Welt

Für mich ist diese Erfahrung ein schönes Bild für den Glauben. Glauben bedeutet ja nicht in erster Linie, wie manche immer noch meinen, das Für-wahr-Halten von Glaubenssätzen. Wer glaubt, hat einen anderen Blick auf die Welt bekommen. Wer glaubt, vermag in allen Wirrungen des Lebens ein Gesicht zu entdecken, das ihn anschaut und ihm sagt: „Alles wird gut!“ Wer glaubt, hört auch im ohrenbetäubenden Lärm unserer Tage eine Botschaft, die ihm Orientierung gibt.

Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher.
Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher. © privat

Einen anderen Blick erfordert auch das, was in diesen Tagen in vielen Gemeinden passiert. Wenn zu Fronleichnam ein kleines Brot durch die Straßen getragen wird, dann mag das für Menschen, die in Radfahrerkluft zufällig zu Zaungästen einer Prozession werden, seltsam und unverständlich erscheinen. Wer jedoch in dieser von der Monstranz umhüllten Hostie den entdeckt hat, der auf diese Weise seine bleibende Gegenwart bei den Menschen einlöst, der versteht, warum dieses Mini-Brot unter einem Baldachin getragen wird und warum gestandene Männer und festlich geschmückte Frauen davor ihre Knie beugen.

Hinter den Dingen etwas Großes entdecken

Der Glaube verändert die Weise, wie man die Welt wahrnimmt. Der Glaube vermag dem Blick auf die Wirklichkeit eine Struktur zu geben, nach der andere immer noch suchen. Doch wie die Erfahrung bei Suchbildern zeigt, gibt es dafür keine Brille, die man einfach nur aufsetzen müsste, um zu sehen, was sich sonst verbirgt. Wer bei Suchbildern nichts entdeckt, braucht jemanden, der ihm zeigt, wo etwa ein Gesicht verborgen ist. Dann folgt meist ein Aha-Erlebnis. Was bei Zeitschriften oder bei Verhörhämmern zu einem staunenden Lächeln führt, kann bei Glaubenden zum bleibenden Grundgefühl werden: der Freude darüber, hinter den Dingen stets etwas ganz Großes zu entdecken.


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