Runder Geburtstag Altabt Notker Wolf OSB wird 80 Jahre alt

19.06.2020

Vom Berufungserlebnis auf dem Dachboden, an die Spitze der Benediktiner weltweit - Der Benediktiner blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück.

Notker Wolf
„Das Leben noch vor sich zu haben, ist kein reines Vergnügen. Das Leben zu großen Teilen hinter sich zu haben, ist keineswegs das reine Grauen“, sagt der frühere Abtprimas Notker Wolf. © imago images / Müller-Stauffenberg

"Läuft", heißt eines von vielen Büchern, die Notker Wolf im Laufe der Zeit herausgegeben hat. Darin trug er 2016, nachdem er 16 Jahre lang als Abtprimas an der Spitze der Benediktiner weltweit gestanden hatte, Lebensweisheiten zusammen. Denn immer wieder war ihm die Frage gestellt worden: „Warum sehen Sie so froh aus?“ Er sei ein Freund klarer Worte, bekennt er, und liebe es, die Dinge zuzuspitzen. Und manches, was einem täglich begegne, könne man auch nur mit Humor ertragen. Deshalb laute seine Empfehlung: „Lächeln Sie dem Leben entgegen. Und nehmen Sie es dennoch nicht zu leicht.“

Keine Berührungsängste

Eine Devise, die einen durch ein langes Leben tragen kann. Am 21. Juni wird der Ordensmann 80 Jahre alt. Doch auch Disziplin gehört dazu. So verriet Wolf der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass er regelmäßig Morgengymnastik mache. Um fünf Uhr in der Früh strecke und dehne er sich ein paar Minuten. Nicht, weil er darauf eine „unbändige Lust“ verspüre. Aber „dieses bisschen Sport hilft mir durch den ganzen Tag, ich fühle mich wohler und bin besser gelaunt“. Fit hält ihn zudem die Musik. Gern greift er zur Querflöte und bisweilen zur E-Gitarre. Berührungsängste kennt er weder in Sachen Rockmusik, noch wenn es darum geht, seine Meinung zu sagen.

Erweckungserlebnis auf dem Dachboden

Als Sohn eines Schneiders kam Werner Wolf im Kriegsjahr 1940 in Bad Grönenbach im Allgäu zur Welt. Die Familie war gut katholisch, aber nicht übermäßig fromm. Der Junge war Messdiener, aber sein Erweckungserlebnis hatte er auf dem Dachboden, wie es in Heidemarie Winters Biografie über ihn heißt. Dort fand der Oberrealschüler ein Missionsheft. Die Berichte weckten seine Sehnsucht nach Freiheit. Als Missionar wollte er weg von der ihn so behütenden Mutter und seine „innige Beziehung zu Jesus Christus“ in Einklang bringen.

Dabei stand es um ihn gesundheitlich als Kleinkind nicht gut. Als er an Rachitis erkrankte, ließ der Arzt die Mutter wissen, dass sie ihren Sohn „abschreiben“ könne. Mit Hilfe des Ortspfarrers schaffte es der gute Schüler dennoch ans Gymnasium der Missionsbenediktiner in St. Ottilien. Nach dem Abitur 1961 trat er in den Orden ein. Als er den Namen „Notker“ wählte, meinte ein Mitbrüder: „Um Gottes willen, schon der fünfte Notker.“ Denn vier Kandidaten vorher hatten die Erzabtei wieder verlassen.

Jungspund als Erzabt

Sein Studium der Philosophie absolvierte er an der Päpstlichen Hochschule Sant’Anselmo in Rom, in München schrieb sich Wolf für Theologie und Naturwissenschaften ein. Die Priesterweihe empfing er 1968. Zwei Jahre später lehrte Wolf Naturphilosophie in Sant’Anselmo, die Promotion mit einer Arbeit über das zyklische Weltmodell der Stoa folgte. Als 1977 in Ottilien ein neuer Erzabt gesucht wurde, fiel die Entscheidung auf den 37-jährigen Jungspund. Dabei war es ihm wichtig, den harten Drill und die Überwachung zu überwinden, um ein angstfreies Kloster zu schaffen. Die Freiheit und die Würde des Einzelnen sollten respektiert werden.

Weit gereist

Über sich sagt Wolf, er treffe Entscheidungen, wenn sie anstünden. Als ihn nach 23 Jahren in Ottilien der Wechsel nach Rom als oberster Benediktiner ins Kloster Sant’Anselmo führte, ging er genauso vor. Selbst wenn er nie bauen wollte, wurde dies Teil seiner Arbeit. Dazu reiste er jährlich 300.000 Kilometer um die Welt, um Mitbrüder zu besuchen. Selbst vor Nordkorea und China macht er nicht Halt. In beiden Ländern gelang es ihm, Krankenhäuser zu errichten. Seltsames Essen setzte man ihm bisweilen vor. Hund würde er nicht mehr bestellen, auch nicht Schlangen. „Die können furchtbar zäh sein.“

Mehrere Sprachen spricht Wolf fließend, und die wollte er nach seiner Rückkehr ins Heimatkloster weiter vertiefen. Doch nach wie vor ist er ein gerngesehener Gast bei Vorträgen und Talkrunden. Den von der katholischen Kirche in Deutschland eingeschlagenen Synodalen Weg sieht er als richtig an. „Meines Erachtens müsste so ein Prozess die ganze Zeit laufen“, findet der Ordensmann. Schon der heilige Benedikt empfehle den Mitbrüdern: „Tue nichts ohne Rat, dann brauchst du hinterher nichts bereuen.“ Vor allem müsse den Jüngeren zugehört werden. Gott gebe oft ihnen ein, was das Bessere sei – aber manchmal auch einem Älteren. (Barbara Just/KNA)


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