Impulse Am dritten Advent geht es um Freude

17.12.2017

„Gaudete“ („Freut euch“) heißt der dritte Adventssonntag. Wie Sie in dieser Woche täglich einen Grund zur Freude finden, zeigt Ihnen Sascha Rotschiller.

Wie durch einen Spalt in der Tür dringt am dritten Advent ein kleiner Schein in den Raum und lässt das helle Licht der Heiligen Nacht erahnen.
Wie durch einen Spalt in der Tür dringt am dritten Advent ein kleiner Schein in den Raum und lässt das helle Licht der Heiligen Nacht erahnen. © fotolia

Sonntag — 17. Dezember

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Der Herr ist nahe.“ (Phil 4,4.5)

Der dritte Adventssonntag wird auch „Gaudete“ genannt: „Freut euch“. Er ist im Advent, der Zeit der gespannten Erwartung, der Zeit der Vorbereitung, ein erster Blick auf die große Freude, die uns mit der Heiligen Nacht geschenkt wird. Wie durch einen Spalt in der Tür dringt ein kleiner Schein in den Raum und lässt das helle Licht erahnen. Deshalb übrigens kann an diesem Tag ein rosa Messgewand getragen werden. Rosa ist das Violett der Adventszeit, das von einem Anflug von Weiß durchdrungen wird. Wir dürfen teilhaben an dieser Vorfreude und Johannes der Täufer gibt uns ein Beispiel dafür.

Montag — 18. Dezember

„Große Freude wird dich erfüllen, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen.“ (Lk 1,14)

Schon die Geburt des Täufers ist mit Freude verknüpft. Ähnlich wie in der Weihnachtsgeschichte verheißt der Engel des Herrn Zacharias und Elisabeth die Freude, die sie mit und an ihrem Kind haben werden. Und obgleich beide schon im „vorgerückten“ Alter waren, wie es in der Bibel heißt, und die Vorstellung noch Eltern zu werden, erst einmal einen kleinen Schock bedeutet haben mag, nehmen sie das Geschenk des Lebens dankbar an. Freude ist in diesem Sinne eine Haltung, auch die Dinge positiv anzunehmen und das Beste daraus zu machen, die mir vielleicht gerade nicht in den Kram passen. Freude ist ein großer Motivator und kann uns helfen, schwierige Herausforderungen zu meistern.

Dienstag — 19. Dezember

„In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.“ (Lk 1,44)

Jeder kennt die Szene, in der sich Maria und Elisabeth begegnen und auf die sowohl das „Ave-Maria“ als auch das „Magnifikat“ zurückgehen. Vom kleinen, noch ungeborenen Johannes erfahren wir nur, dass er „hüpft“. Ein Hüpfen, das Elisabeth als Freude über den Gruß Mariens und damit indirekt über den ebenfalls noch ungeborenen Jesus interpretiert. Es ist eine kindliche, eine ungestüme, eine ursprüngliche Freude, die hier gezeigt wird. So stark und unmittelbar, dass sie sich nur in einer körperlichen Reaktion ausdrücken lässt: „hüpfen“. Auch Erwachsene hört man manchmal sagen: „Ich könnte springen vor Freude oder tanzen.“ Wenn wir uns selber befragen, wann wir zuletzt eine solch unbändige Freude erlebt und ihr auch noch nachgegeben haben: Wie lange müssten wir da zurückdenken?

Mittwoch — 20. Dezember

„Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte: Nein, er soll Johannes heißen.“ (Lk 1,60)

Entgegen der damaligen Konvention erhält das neugeborene Kind nicht den Namen des Vaters oder eines anderen wichtigen Verwandten. Seine Mutter beharrt auf dem Namen Johannes. Die Schilderung wird umso bedeutsamer, wenn man weiß, das Zacharias zu der Zeit noch stumm war und scheinbar noch keine Beratung der Eltern stattgefunden hatte. Der Evangelist rückt den Namen des Täufers hier ganz deutlich in den Mittelpunkt: Johannes. Im Hebräischen bedeutet er „Gott ist gnädig“. Auch das ein Ausdruck der Freude. Zacharias und Elisabeth erfahren die Gnade Gottes als ein Geschenk, über das sie sich von Herzen freuen. Die Gerechtigkeit Gottes lässt uns oft stumm und verzweifelt verharren. Die Frage „Wie konnte Gott das zulassen?“ steht viel zu oft unbeantwortet da. Demgegenüber machen wir uns vielleicht die angebrachte Freude über die Gnade Gottes, die uns jeden Tag aufs Neue das Leben und die Liebe schenkt, viel zu selten bewusst.

Sascha Rotschiller ist Theologe und stellvertretender Direktor der Katholischen Landvolkshochschule Petersberg.
Sascha Rotschiller ist Theologe und stellvertretender Direktor der Katholischen Landvolkshochschule Petersberg. © privat

Donnerstag — 21. Dezember

„Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.“ (Lk 3,2–3)

Der Advent erinnert uns wie keine andere Zeit im Kirchenjahr an diese Situation der Erwartung. Mit Johannes und seinen Anhängern harren wir auf die Ankunft (adventus) des Erlösers. Und wie vor über 2.000 Jahren lädt uns diese Zeit ein zur Besinnung, zur Umkehr, damit wir uns bereit machen können. Damit wir uns einlassen können auf die unglaubliche Heilstat Gottes, uns Menschen ganz und gar entgegenzukommen und selber Mensch zu werden. Darum gilt heute wie vor 2.000 Jahren das Wort des Engels: „Ich verkünde euch eine große Freude.“

Freitag — 22. Dezember

„In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.“ (Mk 1,9–10)

Die Feierlichkeit des Momentes ist spürbar: Der Himmel öffnet sich und der Geist kommt auf Jesus herab. Jesus wird, so wie alle Anwesenden, eine große Freude empfunden haben in diesem Moment. Die Freude über den Akt der Taufe kann man vielleicht nur nachempfinden, wenn man diesen Moment bewusst erlebt hat, aber stellvertretend für die Kleinstkinder spüren Eltern, Paten und die ganze Familie die Freude über die Gnade Gottes, die in diesem Zeichen sichtbar wird. Und wir dürfen dieser Freude in uns nachspüren, ein Leben lang, und davon zehren, dass wir geliebte Kinder Gottes sind.

Samstag — 23. Dezember

„Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ (Mt 9,14–15)

„Man soll die Feste feiern, wie sie fallen“, so könnte man Jesus interpretieren. Oder um mit Teresa von Ávila zu sprechen: „Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn.“ Tatsächlich geht es darum, denn Augenblick zu erfassen und zu spüren: Was ist jetzt gerade dran? Der Advent ist die Zeit der Achtsamkeit, der Besinnung, der Einkehr. Gelegenheit, darüber nachzudenken, was es für mich bedeutet, dass Gott Mensch geworden ist. Ich persönlich komme immer wieder zu demselben Schluss: Es ist ein Grund für unermessliche Freude.


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