Deutsche Bischöfe gedenken des Weltkrieges Am Friedensprojekt EU festhalten

29.07.2014

Ein Krieg mit Millionen Gefallenen war bis zum Ersten Weltkrieg unvorstellbar: Zum Jahrestag des Kriegsausbruch beleuchten die deutschen Bischöfe die Rolle der katholischen Kirche und warnen vor dem Rückfall in den Nationalismus.

Eine Feldpostkarte zeigt das Kreuz von Saarburg nach der Schlacht von Lothringen im August 1914 unter Beteiligung der "bayerischen" 6. Armee: Das Kreuz wurde durch Beschuß zerstört, der Heiland blieb jedoch wie durch ein Wunder aufrecht stehen. (Bild: Bayerisches Armeemuseum/ Christian Stoye)

Aus Anlass des Beginns des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren hat die Deutsche Bischofskonferenz die Erklärung „Den Egoismus der Staaten überwinden – die Ordnung des Friedens entwickeln“ veröffentlicht. Die Bischöfe warnen darin vor der Rückkehr zur damals verbreiteten Rivalität in Europa und bekennen sich zur „europäischen Integration“, die nach dem Zweiten Weltkrieg eine Antwort auf die Fragen gewesen war, „die der Erste Weltkrieg so nachdrücklich ins Bewusstsein gerufen hat“.

Selbstkritisch setzt sich die Erklärung auch mit der Rolle der eigenen Glaubensbrüder – einschließlich vieler Bischöfe und Theologieprofessoren – auseinander: „Obwohl die katholische Kirche wegen ihres universalen Charakters stets Distanz zum Nationalismus des 19. Jahrhunderts gehalten hatte, traten am Anfang des Weltkrieges Bischöfe, Priester und Gläubige in großer Zahl an die Seite derer, die den Krieg als moralische und geistige Erneuerung begrüßten. Wir wissen heute, dass auch viele, die in der Kirche Verantwortung trugen, Schuld auf sich geladen haben."

Erbe für das Friedenprojekt EU

Gleichzeitig loben die Bischöfe das mutige Verhalten einzelner Katholiken: Darunter Militärgeistliche, die in Opposition zum Zeitgeist auch an der Front für Frieden und Versöhnung eingestanden sind. Besondere Erwähnung finden die Friedensbemühungen von Papst Benedikt XV., der sich als unermüdlicher Mahner für ein rasches Ende des sinnlosen Massensterbens eingesetzt habe. Auch wenn Benedikt letztendlich nur wenig ausrichten konnte, habe er mit seinen vielfältigen Initiativen ein großes Erbe für die europäischen Völker und die katholische Friedenslehre hinterlassen.

Erst die Europäische Union habe es schließlich vermocht, eine Friedensordnung zu schaffen, „die dem Recht den Vorrang vor der Stärke gibt“ und Krieg als Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln verurteilt. „Gerade der Rückblick auf die Schrecken der Kriege sollte uns allen Ansporn sein, an diesem Projekt festzuhalten und jeden Rückfall in eine einseitig verstandene Nationalstaatlichkeit zu vermeiden“, so die Bischöfe. (acs)


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