WM-Analyse von Ordensschwester "Am liebsten hätte ich selber mitgespielt"

18.06.2018

Deutschland verliert zum Auftakt der Fußball-WM mit 0:1 gegen Mexiko. Das hat sich nicht nur Bundestrainer Jogi Löw ganz anders vorgestellt, sondern auch Schwester Dominika vom Kloster Maria Stern in Augsburg.

Enttäuschte Fans auf der Fanmeile in Berlin bei der Übertragung des Spiels Deutschland-Mexiko.
Enttäuschte Fans auf der Fanmeile in Berlin bei der Übertragung des Spiels Deutschland-Mexiko. © imago/CrowdSpark

München/Augsburg – Wie bei vielen Millionen Fußballfans in Deutschland herrscht Katerstimmung bei Schwester Dominika Meier an diesem Montag. Der Grund: Die deutsche Nationalmannschaft hat den Beginn der "Mission Titelverteidigung" bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland kräftig verpatzt. Beim 0:1 gegen Mexiko setzte es die erste Niederlage in einem WM-Auftaktspiel seit 1982 (1:2 gegen Algerien). "Es war schon ein bisschen erdrückend, am liebsten hätte ich selber mitgespielt", sagt die Ordensfrau vom Kloster Maria Stern in Augsburg. Sie habe sich beim gemeinsamen WM-Schauen im Kloster sehr über das langsame Spiel der deutschen Elf aufgeregt. "Meine Oberin hat gesagt: 'Reg' dich nicht so auf, das ist nur ein Spiel! Aber es ging ja um Punkte, das ist es halt", betont Schwester Dominika.

Im Vereinsfußball drückt Schwester Dominika dem FC Augsburg die Daumen.
Im Vereinsfußball drückt Schwester Dominika dem FC Augsburg die Daumen. © SMB/Witte

Reus in die Startelf

In der einzigen Drangphase der deutschen Mannschaft - gegen Ende des Spiels - habe sie ähnlich einem Stoßgebet ausgerufen: "Jetzt lass doch endlich mal einen Ball rein!" Aber das Tor sei scheinbar irgendwie zu klein gewesen, so die Ordensschwester augenzwinkernd. Der Torabschluss der deutschen Elf sei jedenfalls stark verbesserungswürdig. Deshalb würde Schwester Dominika im nächsten Spiel gegen Schweden auch von Anfang an auf Flügelstürmer Marco Reus zurückgreifen. Mit seiner Einwechslung in der 2. Halbzeit sei das Spiel der Deutschen "flotter" und "zielgerichteter" geworden.

Dennoch überwiegt derzeit die Skepsis bei der Ordensschwester. Für das möglicherweise vorentscheidende Gruppenspiel gegen Schweden am kommenden Samstag tippt sie nur ein 2:2. Bei diesem Ergebnis wäre das Weiterkommen der deutschen Mannschaft höchst fraglich. "Man macht sich einfach ein ein wenig Sorgen gerade", so das Fazit von Schwester Dominika. Immerhin: Nach jener letzten Auftaktpleite bei der WM 1982 in Spanien kam Deutschland noch bis ins Finale. (ksc/ivo)

Zur Person

Seit 25 Jahren wohnt Schwester Dominika in Augsburg. Aufgewachsen ist sie in Unterfranken, mit insgesamt sieben Brüdern. Kein Wunder, dass Fußball schon in frühester Jugend zu ihrem Alltag gehörte. Sogar noch als Nonne habe sie mit jungen Leuten in ihrer Umgebung gekickt. Heute verfolgt sie das Geschehen vom Fernsehsessel aus und drückt auf Vereinsebene dem FC Augsburg die Daumen.


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