Synode im Vatikan Amazonischer Ritus und Katakombenpakt

21.10.2019

Raubbau an der Schöpfung, Verantwortung für Frauen und Respekt für Indigene. Die Themen der Amazonas-Synode bleiben auch in der zweiten Woche bunt.

Papst Franziskus mit Teilnehmern der Amazonas-Bischofssynode.
Papst Franziskus mit Teilnehmern der Amazonas-Bischofssynode. © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Vatikanstadt – Eine katholische Bischofssynode hat - anders als eine evangelische Synode - nichts zu entscheiden. Mit dem, was dort diskutiert wird, welche Dokumente verabschiedet werden, kann ein Papst machen, was er will. Ganz daran vorbei kommt er kaum. Und das will auch Franziskus nicht, weswegen ihm sehr daran gelegen sein dürfte, was seit dem vergangenen Wochenende das Redaktionskomitee verfasst und wie die Arbeitsgruppen in diesen Tagen damit umgehen werden. Am Samstag wird das Ergebnis von den Synodenvätern verabschiedet - oder in Teilen eben nicht.

Mögliche neue Ämter für Frauen

Vor allem im deutschsprachigen Raum starren viele auf die "viri probati" und mögliche neue Ämter für Frauen. Beide Themen könnten bescheidener ausfallen als erwartet, gar vertagt werden. So ist eine Minderheit der Synodenväter prinzipiell gegen eine vereinzelte Priesterweihe für ältere, bewährte verheiratete Männer. Viele sind dafür, befürchten aber, dass dieses Thema wichtigere Anliegen wie den Schutz des Regenwaldes, der Menschenrechte, indigene Lebensformen und den Einsatz gegen Gewalt verdrängt.

Andererseits kamen vergangene Woche aus den Kleingruppen klare Stellungnahmen für "viri probati" wie für eine Form des Diakonats von Frauen. "Dies wäre eine mögliche Weise der von allen geforderten Anerkennung für die Arbeit von Frauen, die sie ohnehin schon machen", sagt eine Ordensschwester aus dem brasilianischen Bundesstaat Roraima. Ausgangsproblem ist die mangelnde Präsenz offizieller katholischer Vertreter in entlegenen Dörfern und Gemeinden. Manche katholische Gemeinden haben aus ihren Kapellen inzwischen den Altar entfernt, vorne steht nur noch ein Lesepult. Für die zwei oder drei Mal im Jahr, wenn ein Priester zu Besuch kommt, um Eucharistie zu feiern, wird ihm ein Tisch hingestellt. Da sind Evangelikale und Pfingstler besser aufgestellt, ihre Pastoren sind ständig vor Ort.

Ungewöhnlicher Alternativvorschlag

Mit der Idee eines eigenen amazonisch-katholischen Ritus - nach dem Vorbild katholischer Ostkirchen -, stellte Kurienerzbischof Rino Fisichella eine ungewöhnliche Alternative vor. Sie würde es nicht nur ermöglichen, Elemente indigener Kultur in die katholische Liturgie zu integrieren. Sie könnte gar ein eigenes Kirchenrecht beinhalten, Dienste und Ämter oder Zugangsvoraussetzungen dazu. Es könnte, wie in den katholischen Ostkirchen, verheiratete Priester geben. Immerhin kam der Vorschlag aus einer Arbeitsgruppe, die vom Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Luis Ladaria, moderiert wird.

Beim Thema Inkulturation des Christentums in die Lebenswelten Amazoniens sehen extrem Konservative gar pagane Kulte in die katholische Liturgie eindringen. Als beim Gebet in den Vatikanischen Gärten zum Franziskus-Tag unter den von Indigenen mitgebrachten Lebenssymbolen die hölzerne Darstellung einer Schwangeren mit Fötus zu sehen war, wollten einige wissen, ob der Papst nicht doch vor dieser gebetet habe.

Entnervt mussten die Vatikansprecher Paolo Ruffini und Matteo Bruni wiederholt dementieren: Das gestreamte Video sei klar, der Papst habe das Vaterunser gebetet und einen Baum gepflanzt. Kardinal Ladaria sagte in einem Interview zur Inkulturation: "Wie diese in Amazonien am besten geschieht, ist nicht Sache derer, die nicht dort leben." Rom könne allenfalls Prinzipien aufstellen, um den Inhalt und die Tradition des Glaubens zu bewahren.

Ladaria unterstützte ebenfalls Forderungen von Bischöfen und Indigenen nach kirchlichen Desinvestitionen - also Rückzug von Anlagekapital - aus Unternehmen, die am Raubbau in Amazonien beteiligt sind. Von dessen Folgen war viel die Rede. Der Kreuzweg, den Indigene und andere am vergangenen Samstag von der Engelsburg zum Petersplatz gingen, gedachte der Märtyrer und anderen in Amazonien, die Opfer der dort verbreiteten Gewalt wurden.

Pakt für das gemeinsame Haus

Auch unabhängig davon, was das Abschlussdokument am Samstag enthält: Amazoniens Bischöfe wollen handeln. Am Sonntagmorgen trafen sich gut 40 von ihnen mit fast 150 anderen Gläubigen in aller Frühe in der Domitilla-Katakombe. Dort unterzeichneten sie einen "Pakt für das gemeinsame Haus", eine Selbstverpflichtung für "eine Kirche mit amazonischem Gesicht" in 15 Punkten: von integraler Ökologie über eine synodale, inkulturierte Kirche bis zum eigenen Lebensstil. Die Vereinbarung knüpft an einen ersten Katakomben-Pakt an, den 40 Bischöfe im November 1965 am selben Ort unterzeichnet hatten.

Der Katakomben-Pakt wie die Synode überhaupt sind für viele Teilnehmer auch Gelegenheit, Mut und Zuspruch zu erfahren. Denn gefährdet sind in Amazonien nicht nur Regenwald und Indigene. "Ich bin nur ein kleiner Bischof, dem man an der nächsten Ecke den Hals umdrehen kann", gestand einer von ihnen. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Kardinal Rainhard Marx und weitere Teilnehmer der Amazonas-Synode diskutieren in der Katholischen Akademie in München.
© Kiderle

Teilnehmer berichten von Amazonas-Synode "Man hat diesen synodalen Geist gespürt"

Kardinal Rainhard Marx und Vertreter aus Ecuador diskutieren nach Abschluss der Amazonas-Synode über deren Inhalte und Ergebnisse in der Katholischen Akademie in München.

29.10.2019

Kardinal Marx beim Abschluss der Amazonas-Synode.
© kna

Kardinal Marx zum Abschluss der Synode Amazonas-Synode hat "Bedeutung für die ganze Welt"

Umweltzerstörung ist ein großes Thema in Amazonien. Laut Kardinal Marx hat sich im Rahmen der Amazonas-Synode nun eine neue Öko-Allianz gebildet.

26.10.2019

Papst Franziskus mit Teilnehmern zum Abschluss der Amazonas-Bischofssynode.
© kna

Vatikan Amazonas-Synode für verheiratete Priester in Ausnahmefällen

Drei Wochen tagte im Vatikan die Amazonas-Synode. Nun wurde das Abschlussdokument veröffentlicht. Es thematisiert auch die Zulassung von Frauen zum Diakonat.

26.10.2019

Immer noch ist bei der Amazonas Synode vieles umstritten.
© Grispb - stock.adobe.com

Treffen in Rom geht zu Ende Amazonas-Synode ringt lange um strittige Punkte

Seit drei Wochen debattieren in Rom rund 200 Bischöfe und Ordensleute sowie Ureinwohner und Umwelt-Aktivisten über neue Wege der Kirche am Amazonas. Bis zuletzt ist vieles umstritten.

25.10.2019

Papst Franziskus bei der Amazonas-Bischofssynode im Vatikan.
© kna

Die erste Woche der Amazonas-Synode Der Papst stellt sich hinten an

Seit einer Woche tagt die Bischofssynode zu Amazonien im Vatikan. Drei Vortragstage, dann Austausch in Sprachgruppen über Umweltschutz, Seelsorge, Frauen in der Kirche und mehr. Zwischendurch: Kaffee...

14.10.2019

Die Länder im Amazonasgebiet stehen vor der Bewältigung ökologischer Katastrophen.
© imago/ images westend 61

Reformen in der Kirche Diakoninnen und verheiratete Priester Themen bei Amazonas-Synode

Am zweiten Beratungstag der Amazonas-Synode haben die Teilnehmer umstrittene Themen angesprochen. Einer der Bischöfe sprach sich unter Beifall für eine Form weiblicher Diakone aus.

09.10.2019

© SMB/Hasel

München am Mittag Was soll die Amazonas-Synode leisten?

Der Regenwald brennt. Heißt das, dass die Bewahrung der Schöpfung das vorrangige Thema der Amazonas-Synode sein sollte?

09.10.2019

Papst Franziskus und Indigene beim Eröffnungsgottesdienst der Amazonas-Bischofssynode im Petersdom.
© Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

Beginn der Amazonas-Synode im Vatikan Kein „Weiter so“ bei Schöpfung und Verkündigung

Papst Franziskus appelliert an die Bischöfe, sich „keinesfalls auf eine Pastoral der Aufrechterhaltung“ zu beschränken. Zu Recht: Denn ein „Weiter so“ kann und darf es nicht geben. Ein Kommentar von...

07.10.2019

Im Mittelpunkt der Synode steht die Lage der Menschen im Amazonasgebiet.
© Grispb - stock.adobe.com

Amazonas-Synode Franziskus schwört auf Veränderungen ein

Die Synode soll auf Umweltzerstörung in Südamerika, soziale Probleme und seelsorgliche Herausforderungen antworten. Nach dem Willen des Papstes muss die Kirche sich bewegen - auch um den Preis von...

07.10.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren