Regens zur Priesterausbildung Anforderungen an Priester sind höher als früher

29.06.2018

Das Priesterbild hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Das hat auch Auswirkung auf die Ausbildung. Regens des Münchner Priesterseminars, Wolfgang Lehner, gibt den Weihekandidaten einen persönlichen Ratschlag.

Im Priesterseminar werden die Kandidaten ausgebildet.
Im Priesterseminar werden die Kandidaten ausgebildet. © AdobeStock/Boonchai

mk online: Inwieweit hat sich das Priesterbild in den vergangenen Jahren aus Ihrer Sicht verändert?

Regens Lehner: Durch die Änderung der gesamtkirchlichen Verhältnisse, was den soziologischen Aufbau der Pfarreien betrifft, die Altersstruktur oder das Engagement Ehrenamtlicher, hat sich unheimlich viel getan. Das hat natürlich auch große Auswirkungen auf den priesterlichen Dienst. Eine Änderung zum Beispiel ist, dass man nicht mehr sagt, dass jeder Priester zugleich Pfarrer mit Leitungs- und Administrationsfunktion ist oder Personalverantwortung trägt. Es hat sich im Lauf der vergangenen Jahre eine größere Bandbreite an priesterlichen Diensten und Aufgaben herausgebildet.

mk online: Welche sind das?

Lehner: Es kann zum Beispiel sein, dass jemand stärker im Bereich der Jugendseelsorge engagiert ist oder ausschließlich Krankenhausseelsorge macht. Oder ein Priester widmet sich einem spezifischen Bereich der Pfarrseelsorge, ohne Verwaltungsaufgaben wahrzunehmen.

mk online: Wie wirkt sich diese Spezialisierung auf die Ausbildung im Priesterseminar aus?

Lehner: Die Ausbildung ändert sich insofern, dass wir jetzt deutlicher sagen: Wir sind ein Priesterseminar und kein Pfarrerseminar. Zunächst klären wir die priesterliche Berufung jedes einzelnen. Das ist ein längerer Prozess, in dem wir und der Auszubildende schauen: Bin ich wirklich zum Priester berufen, ist das mein Weg, ist das mein Charisma? Im Lauf dieser Entwicklung sieht man, welche besonderen Talente oder Gaben der Kandidat mitbringt. Dann stellt sich auch heraus, ob es sinnvoll ist, dass jemand in die Gesamtleitung geht oder sich in ein Spezialfeld vertieft. Das heißt, dass wir die Priester zunächst allgemein ausbilden und nicht gleich auf eine Leitungsaufgabe vorbereiten.

mk online: Haben sich die Anforderungen an den Priesterberuf insgesamt geändert?

Lehner: Die Anforderungen an einen Priester sind heute viel höher als früher. Die Menschen in den Gemeinden sind anspruchsvoller geworden. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Der Priester muss flexibel sein und auf sie zugehen können. Deswegen steigen die Erwartungen an den Priester und damit auch an die Ausbildung. Für die sinkenden Priesterweihezahlen gibt es sicher viele Ursachen. Dass wir bei der Auswahl genauer hinschauen müssen, ist eine davon. Wir müssen für den Kandidaten denken, ob er unter diesen Anforderungen tatsächlich glücklich wird. Und wir müssen an die Erzdiözese denken und uns fragen, ob wir es verantworten können, dass sich jemand in eine immer schwieriger werdende Situation begibt, um sich dort als Priester zu bewähren.

Regens Wolfgang Lehner
Regens Wolfgang Lehner © Priesterseminar München

mk online: Kann man den Umgang mit der hohen Erwartungshaltung nicht auch lernen?

Lehner: Ich glaube nicht, dass wir etwas in einem Menschen entwickeln können, was gar nicht in ihm angelegt ist. Ich denke aber, unsere Ausbildung kann Fähigkeiten zum Vorschein bringen, die jemand mitbringt und die er dann ausbauen kann, wie zum Beispiel Leitung, Beziehungsgestaltung, Kommunikation und Kooperation. Das alles sind Merkmale, die wir versuchen, mit dem Kandidaten zu entwickeln. Dafür ist das Priesterseminar als Ort, der gewissermaßen unter Laboratoriumsbedingungen funktioniert, sehr gut geeignet, weil wir sehr schnell sehen, wie jemand in bestimmten Bezügen agiert und reagiert.

mk online: Drei Kandidaten haben dieses „Laboratorium“ erfolgreich durchlaufen und werden am 30. Juni in Freising zu Priestern geweiht. Welchen persönlichen Rat geben Sie ihnen mit auf den Weg?

Lehner: Mein Ratschlag ist einfach: Fürchte dich nicht, auf die Menschen zuzugehen, die dich in der neuen Aufgabe erwarten. Und fürchte dich nicht, aus dem Glauben zu leben, denn Gott trägt, stützt und begleitet dich an jedem neuen Tag.

Bei einem feierlichen Gottesdienst am Samstag, 30. Juni, um 9 Uhr im Freisinger Mariendom spendet der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, drei Diakonen das Sakrament der Priesterweihe.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Priesterleben

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