Bundeskanzlerin in München Angela Merkel erhält Ohel-Jakob-Medaille in Gold

10.11.2016

Die Bundeskanzlerin ist mit der höchsten Auszeichnung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern geehrt worden. Anlass der Verleihung ist der zehnte Jahrestag der Eröffnung der neuen Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob.

Charlotte Knobloch, Angela Merkel und Barbara Stamm (v.l.) © SMB/Wojtkowiak

München – Eigentlich ist der 9. November für Juden kein Tag zum Feiern. An diesem Tag wird jedes Jahr der Reichspogromnacht gedacht. Vor 78 Jahren haben die Nazis Synagogen angezündet, jüdische Geschäfte geplündert und selbst vor Gewalt gegen Juden und Mord nicht zurückgeschreckt. Trotzdem gibt es an dem Abend einen großen Festakt in der Münchner Synagoge. Gleich zwei Dinge werden gefeiert: Das 10-jährige Jubiläum der Ohel-Jakob-Synagoge und die Preisverleihung an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Synagoge im Herzen Münchens feiert Jubiläum

Die Synagoge ist bis auf den letzten Platz besetzt. Gekommen ist, wer Rang und Namen hat, von Ministerpräsident Seehofer (CSU) über Vertreter aller Religionen, darunter Kardinal Wetter, bis hin zu Landespolizeipräsident, Künstlern und Wissenschaftlern. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, eröffnet die Veranstaltung mit sehr persönlichen Worten. In der Nacht der Reichspogromnacht vor 78 Jahren, war sie selbst ein sechsjähriges Kind. Mit Schrecken denkt sie daran zurück, mit Freuden dagegen auf die Geschichte der neuen Synagoge.

„Die Münchner haben ihre Synagoge angenommen“

Mitten im Herzen von München sei die neue Synagoge nun nicht nur sichtbar, sondern auch im Herzen der Heimat von Charlotte Knobloch: „Hier haben wir auf dem Fundament der Liebe und des Vertrauens diese Synagoge gebaut – den Blick nach vorne gerichtet, für unsere Nachkommen, für deren Zukunft – in Sicherheit, Frieden und Freiheit.“ Besonders freut sie sich, wenn die Münchner von „ihrer Synagoge“ sprechen.

Höchste Auszeichnung der Israelitischen Kultusgemeinde geht an Angela Merkel

Dem Ehrengast, Bundeskanzlerin Angela Merkel, wird dann die Ohel-Jakob-Medaille in Gold verliehen. In der Laudatio hebt der Oberrabbiner der Park East Synagogue in New York, Arthur Schneier, hervor, Merkel sei eine Frau des Gewissens und der Prinzipien. Sie habe nicht gewankt, sondern sich vom Ruf des Propheten Micha leiten lassen: „Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott“. Sie habe sichergestellt, dass die Zukunft ihr Licht auf die Vergangenheit wirft und nicht die Vergangenheit mit ihrem Dunkel die Zukunft verdeckt.

Merkel „Verleihung ist eine außerordentliche Ehre“

Angela Merkel freut sich sichtlich über die Auszeichnung. Sie dankt allen Menschen, die sich in den letzten Jahren dafür eingesetzt haben, dass das jüdische Leben in Deutschland wieder seinen Platz gefunden hat. Merkel machte aber auch darauf aufmerksam, dass wir heute vor einer ähnlichen Situation stehen, mit den vielen Flüchtlingen, die bei uns Zuflucht gefunden hätten. Die Kanzlerin verspricht, den jüdischen Gemeinden weiterhin zur Seite zu stehen.

Ohel-Jakob-Medaille

Die Auszeichnung trägt den Namen der neuen Hauptsynagoge und der von den Nazis zerstörten Synagoge in der Münchner Herzog-Rudolph-Straße. Sie zeugt damit von der Ambivalenz in der Geschichte der Juden in München, von Zerstörung der Heimat und Heimkehr. Mit der Medaille geehrt wurden unter anderen die ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein und Edmund Stoiber (beide CSU) sowie die Münchner Altoberbürgermeister Christian Ude und Hans-Jochen Vogel (beide SPD). (Andrea Wojtkowiak)

Audio

Preisverleihung in München

Angela Merkel erhält Ohel-Jakob-Medaille in Gold (Beitrag im Münchner Kirchenradio)


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