Runder Tisch Antisemitische Darstellungen an Kirchen

09.03.2020

An Kirchen aber auch staatlichen Gebäuden kommen immer noch historische judenfeindliche Darstellungen vor. Nicht immer sind sie leicht zu entfernen.

Skulptur der Judensau am Dom St. Peter in Regensburg
Die Skulptur der Judensau am Dom St. Peter in Regensburg. © imago images / imagebroker

München – Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) sieht dringenden Handlungsbedarf im Zusammenhang mit judenfeindlichen Darstellungen an Kirchen. Ein Beispiel dafür sei die sogenannte Judensau an historischen Gotteshäusern, wie Spaenle am Montag in München sagte. Er kündigte deshalb für 31. März einen Runden Tisch in München an, zu dem er Vertreter staatlicher Einrichtungen, christlicher Kirchen und vom Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden einladen wolle. Als Co-Vorsitzender der Bund-Länder-Kommission plane er das Thema auch auf die Agenda des nächsten Treffens zu setzen.

Vorurteile verstärken

Es dürfe nicht weiter zugesehen werden, dass an einzelnen Orten diese mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Darstellungen, die Juden in übelster Weise verunglimpften, unzureichend oder gar nicht kommentiert würden, forderte Spaenle. Als Beispiel nannte er für Bayern etwa Schmähbilder am Regensburger Dom und an Sankt Sebald in Nürnberg. Aber auch an einem staatlichen Gebäude, wie dem Tor der Burg Cadolzburg in Mittelfranken, seien solche Bilder zu finden. "Allzu leicht können sie in wirren Köpfen Vorurteile verstärken und den Eindruck erwecken, dass unsere Gesellschaft mit der Vergangenheit unkritisch umgeht."

Teile von denkmalgeschützten Bauten

Zugleich merkte der Antisemitismusbeauftragte an, dass sich solche "Schmähbilder" oft nicht einfach entfernen ließen, weil sie nicht selten Teile von denkmalgeschützten Bauten seien. Auch stünden sie als "steinerne Dokumente" für Vorstellungen aus der Vergangenheit. Doch dann müssten sie auch ausreichend und unmissverständlich erklärt werden. Mancherorts hätten die Verantwortlichen bereits versucht, die Authentizität des entsprechenden Gebäudes mit der Darstellung zu erhalten, aber sie um eine kritische öffentliche Aufarbeitung durch Informationstafeln, Prospekte und Veranstaltungen ergänzt, lobte Spaenle. Dadurch distanziere man sich deutlich von der Szene.

Mit dem Bauministerium hat Spaenle laut Mitteilung bereits 2019 Gespräche vereinbart, um die geschilderten Fragen in Regensburg zu lösen. Weitere Schritte seien geplant. Da es aber nicht nur um Regensburg gehe, solle eben ein bayernweiter Runder Tisch einberufen werden. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Weiße Rose
© imago images / IPON

Gedenken an Novemberpogrome vor 82 Jahren

Auch heute müssen Juden in Deutschland Ausgrenzung und Übergriffe erfahren. Neben dem Erinnern ist es Politikern und Religionsvertretern wichtig, gegen Hetze und Verschwörungsmythen vorzugehen.

09.11.2020

Hochaufgelöste Fotos bieten einen neuen Zugang zur Klosterkirche in Markt Indersdorf.
© imago images/imagebroker

Daheim Denkmäler erkunden

Mit virtuellen Rundgängen lässt sich der „Tag des Denkmals“ auch zu Hause am Computer begehen. mk online hat drei Tipps aus dem Erzbistum zusammengestellt.

10.09.2020

Archivbild: Ludwig Spaenle und Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, im Juni 2018
© imago/ZUMA Press

Kultur des Hinschauens Antisemitismusbeauftragter Spaenle wendet sich an Verbände

Der Anitsemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, will die Zivilgesellschaft bei der Bekämpfung von Judenfeindlichkeit einbinden.

14.08.2019

Mann mit Kippa
© Rafael Ben-Ari - stock.adobe.com

Antisemitismus "Große Beunruhigung" in jüdischer Gemeinde

Zwei antisemitische Vorfälle haben in München für Bestürzung gesorgt. Ein Rabbiner und seine beiden Söhne wurden beleidigt sowie bespuckt und in einem Wohnhaus gab es eine Davidstern-Schmiererei....

07.08.2019

Besucher der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.
© imago/UPI Photo

Hintergrund Antisemitismus: Fragen und Antworten

Zuletzt kam es in Deutschland verstärkt zu Übergriffen auf jüdische Mitbürger, zu antisemitischen Vorfällen. Woher Antisemitismus kommt und was damit genau gemeint ist, lesen Sie hier.

12.07.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren