Soziale Forderungen Appell der Sozialverbände zur Bundestagswahl

14.09.2017

Politiker fordern auf Wahlplakaten und in Sendungen dazu auf, sie und ihre Partei zu wählen. Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising ist zwar keine Partei, aber er ergreift Partei. Er fordert: Wählt Menschlichkeit!

Hundert Mitarbeitende der Caritas haben sich zu einem Wahlkreuz aufgestellt.
Hundert Mitarbeitende der Caritas haben sich zu einem Wahlkreuz aufgestellt. © SMB

München - Drei junge syrische Flüchtlinge, eine alleinerziehende Mutter mit einem einjährigen lebhaften Töchterlein, ein E-Rollstuhlfahrer und zwei ehemals Wohnungslose – um ihren sozialen Forderungen zur Bundestagswahl 2017 konkrete Gesichter zu geben, hatten der Diözesancaritasverband und seine großen Fachverbände zu ihrer gemeinsamen Pressekonferenz diverse Betroffene eingeladen. Armut, Integration, Inklusion waren die Bereiche, die von den Experten beackert wurden. Alles unter dem Leitwort: „Wählt Menschlichkeit“, das Caritasdirektor Hans Lindenberger in seinem Statement nochmals betonte: „Wenn wir sagen ,Wählt Menschlichkeit‘ setzen wir uns ein für eine Gesellschaft, in der alle Menschen unabhängig von Kultur, Religion, Herkunft, Geschlecht, Alter, Behinderung und sexueller Orientierung teilhaben und teilnehmen können. Unsere Botschaft ist daher: ,Leute, geht’s zur Wahl!‘“, sagte der Prälat.

Thesen zur Integration von Geflüchteten

Berthold Wübbeling, Geschäftsführer des katholischen Jugendsozialwerks, und Willi Dräxler, Caritas-Integrationsreferent, stellten ihre sozialpolitischen Thesen zur Integration von Geflüchteten vor: Das Erlernen und Beherrschen der Sprache sei das A und O, die Unterbringung von Geflüchteten in kleineren Wohneinheiten statt in großen Gemeinschaftsunterkünften müsse angestrebt und deren Zugang zur Arbeit ermöglicht werden. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge benötigten besondere und verlässliche Betreuung.

Forderung nach bezahlbarem Wohnraum

Gertrud Hanslmeier-Prockl, Gesamtleiterin des Einrichtungsverbunds Steinhöring und Fachreferentin für Inklusion der Katholischen Jugendfürsorge, fasste das Ziel gelingender Inklusions-Arbeit zusammen: „Wir unterstützen Menschen mit Behinderung, soweit wie möglich ein selbstständiges Leben zu führen.“ Oft scheitere dies jedoch an der notwendigen Barrierefreiheit im Alltag und vor allem an bezahlbarem Wohnraum.

Diesen fordern auch Simone Ortner, Bereichsleiterin Wohnungshilfe beim Sozialdienst katholischer Frauen, und Ludwig Mittermeier, Geschäftsführer des Katholischen Männerfürsorgevereins. Gerade im Ballungsraum München müsse der soziale Wohnungsbau forciert und viel stärker gefördert werden. Generell müsse Erwerbsarbeit ausreichen, um das Leben vollumfänglich zu finanzieren. „Wir fordern eine Politik, die die Menschen am Rand wieder in unsere Mitte bringt“, fasste Mittermeier zusammen.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

Betreuerin Monika Kaukal wird mit der KJSW-Gruppe von Papst Franziskus begrüßt.
© Riffert

KJSW-Gruppe traf Papst "Franziskus ist ein lieber Mensch"

Ein Gruppe des Katholischen Jugendsozialwerks aus dem Erzbistum hat Papst Franziskus in Rom getroffen. Die Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung waren dabei vom Pontifex...

23.10.2017

© SMB

Caritassonntag Was ist sozial gerecht?

Heute ist Caritassonntag und Bundestagswahl. Jesu Vorstellung von Gerechtigkeit hätte bei der Wahl wohl kaum eine Chance, meint Landes-Caritasdirektor Bernhard Piendl im Impuls.

24.09.2017

© Caritas

Caritas Herbstsammlung Hassan will hoch hinaus

Nach sechs Wochen Flucht kam Hassan Y. in Deutschland an. Im Caritas-Zentrum Bad Reichenhall wird der 18-Jährige Afghane jetzt zum Bürokaufmann ausgebildet.

22.09.2017

42 Parteien und noch mehr unentschlossene Wähler, die den 24. September noch einmal spannend machen können
© fotolia

Viele Wähler sind noch unentschlossen Heiliger Ignatius kann bei Wahlentscheidung helfen

Etwa 46 Prozent der Wähler wissen noch nicht, wem sie ihre Stimme geben. Da hilft nur noch ein Heiliger, meint unser Kommentator.

18.09.2017

Public Viewing: Das TV-Duell wurde zum Teil auf Großleinwänden übertragen.
© imago

TV-Duell Soziale Gerechtigkeit steht nicht oben auf der Agenda

Kanzlerin Angela Merkel und ihr SPD-Herausforderer Martin Schulz standen sich gestern im TV-Duell gegenüber. Der Programmleiter des Münchner Kirchenradios, Christian Moser, war über die Gewichtung der...

04.09.2017

Sie diskutierten in Kufstein (v.l.): Dr. Küberl, Prälat Lindenberger, Weihbischof Bischof, Moderator Schießl, und die Kandidaten Bach, Radwan und Bause.
© SMB/Witte

Caritas-Diskussion mit Bundestagskandidaten „Wählt Menschlichkeit“

Armutsbekämpfung, Integration und Inklusion – das waren die drei großen Themen einer Podiumsdiskussion der Caritas des Erzbistums München und Freising mit Bundestagskandidaten.

10.07.2017

© SMB/Witte

Sozialcourage in Wort, Ton und Bild Medienpreis der Münchner Caritas verliehen

Bereits zum dritten Mal hat die Caritas im Erzbistum München und Freising den „Sozialcourage-Medienpreis“ verliehen. Die Auszeichnung geht an Journalisten, die den mutigen Einsatz für Menschen am Rand...

21.06.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren