Papst in Assisi Appelle für Frieden und Zuwendung zu den Armen

04.10.2013

Papst Franziskus feierte am Freitag vor der Franziskusbasilika in Assisi eine Messe. In seiner Predigt erinnerte er an den Heiligen Franz von Assisi, der zur Achtung der Menschen und der Schöpfung aufrief.

Papst Franziskus während der Messe vor der Franziskusbasilika in Assisi (Bild: imago)

Assisi - Mit einem eindringlichen Appell für Frieden in der Welt hat sich Papst Franziskus in Assisi an die Welt gewandt. "Mögen die bewaffneten Konflikte aufhören, die die Erde mit Blut tränken; mögen die Waffen schweigen und überall Hass der Liebe weichen", sagte der Papst am Freitag bei einer Messe vor der Franziskus-Basilika von Assisi. Mit Nachdruck verwies er in Anwesenheit von Italiens Ministerpräsidenten Enrico Letta auf die Konflikte im Nahen Osten, im Heiligen Land und in Syrien. "Hören wir den Schrei derer, die weinen, leiden und sterben aufgrund von Gewalt, Terrorismus oder Krieg", so der Papst.

Papst Franziskus absolvierte am Freitag eine ganztätige Pilgerreise an die Lebens- und Wirkungsstätten des heiligen Franz von Assisi (1181/82-1226), dessen Namen er sich als Papst gewählt hatte. An der Reise in die mittelitalienische Kleinstadt nahmen auch die acht Mitglieder des neuen Kardinalsrates teil, mit denen er in den vergangen drei Tagen im Vatikan über eine Kurienreform beraten hatte. Unter ihnen ist auch der Münchner Erzbischof Reinhard Marx.

Franziskus feierte die Messe an jener Stätte, zu der seine Vorgänger Johannes Paul II. 1986 und Benedikt XVI. 2011 zu interreligiösen Friedenstreffen eingeladen hatten. Vor dem Gottesdienst besuchte er die mittelalterliche Basilika. In der Oberkirche besichtigte er die berühmten Fresken mit Szenen aus dem Leben des Ordensgründers; in der Krypta betete er still an dessen Grab.

Begonnen hatte der Besuchstag in Assisi in einer Kinderklinik. Anschließend besuchte Franziskus das nahe gelegene Heiligtum von San Damiano, in dem der Heilige sein erstes Bekehrungserlebnis hatte. Danach begab sich der Papst ins Bischofshaus in jenen Saal, in dem Franziskus demonstrativ seine Kleider vor dem Bischof niedergelegt und sich auf den Weg der Nachfolge Christi begeben hatte. Dort warb der Papst für eine Kirche ohne weltliche Ambitionen: "Wir müssen den Weg der Armut einschlagen", so Franziskus. Das bedeute nicht Elend, sondern Solidarität mit den Bedürftigen.

Ein Christ dürfe nicht gleichgültig sein, wenn Armut herrsche, wenn Kinder verhungerten oder wenn Menschen auf der Flucht Schiffbruch erlitten, wie bei dem schrecklichen Seeunglück am Vortag vor der Insel Lampedusa, betonte der Papst. Heute sei "ein Tag der Trauer".

Der Christ könne nicht nach dem "Geist der Welt" leben, betonte der Papst in seiner kurzen Ansprache, er dürfe nicht dem Macht- und Geltungsstreben folgen. Eine mondäne Geisteshaltung "tötet die Seelen, tötet die Kirche", so Franziskus. Sie sei wie "Lepra, wie ein Krebsgeschwür". Die Kirche müsse sich jedes Handelns enthalten, das nicht für Gott und von Gott sei. Sie müsse die Angst verlieren, Tore zu öffnen und den Ärmsten, den Bedürftigen den Fernen und Menschen ohne Perspektiven zu begegnen.

Der Verzicht auf Irdisches bedeute für die Kirche, sich nicht nur auf die Sicherheit von Strukturen zu stützen. Natürlich seien solche Strukturen notwendig und wichtig; aber sie dürften nicht verdunkeln, dass Gott die einzige echte Kraft sei, die den Menschen trage. - An dem Treffen im Bischofshaus nahm auch eine Gruppe von Armen und Bedürftigen teil, die von der örtlichen Caritas betreut werden. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Friede

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