"Große Nike" für Kirche in Poing Architekt: „Krönung meiner beruflichen Laufbahn“

04.06.2019

Andreas Meck ist ein Licht-Baumeister. Zu seinen Markenzeichen gehört, dass er Räume zum Leuchten bringt. Für die Kirche Seliger Pater Rupert Mayer in Poing haben er und seine Mitarbeiter nun die "Große Nike"erhalten, einer der renommiertesten Architekturpreise Deutschlands.

Einen der bedeutendsten deutschen Architekturpreise wert: Das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing.
Einen der bedeutendsten deutschen Architekturpreise wert: Das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing. © Kiderle/SMB

München/Poing - Auf die Frage, ob er jetzt schon die nächste Kirche plane, lacht Andreas Meck und antwortet nur: „leider nein“. Für den 60-jährigen Architekten ist der Bau von Sakralräumen „die Krönung meiner beruflichen Laufbahn“. Von Meck stammt auch das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing. Dafür haben Meck und sein Büro soeben einen der bedeutendsten deutschen Architekturpreise gewonnen, der nur alle drei Jahre vergeben wird: die „Große Nike“, benannt nach der griechischen Siegesgöttin. Mecks Gotteshaus hat sich dabei übrigens gegen prominente Konkurrenz aus Hamburg durchgesetzt: Auch die viel bewunderte Elbphilharmonie stand im Wettbewerb. Von der Auszeichnung für seinen Bau war Meck überrascht. Denn der nach eigenen Worten „gläubige Katholik“ spürt, dass die allgemeine Kirchenkrise und -kritik auch vor der Architektur nicht haltmacht. „Mit einer Kirche kann man heute in intellektuellen und gestalterischen Kreisen weniger punkten als mit anderen Bauaufgaben.“ Meck hat während des Baus in Poing auch gemerkt, wie vorsichtig das Erzbischöfliche Ordinariat als Bauherr war. Nach dem Skandal um das Bischofshaus in Limburg achtete es sehr darauf, „dass die Kirche nicht mit teuren Details auftrumpft“. Mecks Büro hielt auch den Kostenrahmen ein, „und der war mit 14,6 Millionen Euro nicht üppig“.

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Beitrag mit Andreas Meck im Münchner Kirchenradio

Andreas Meck, ausgezeichneter Baumeister
Andreas Meck, ausgezeichneter Baumeister © meck architekten gmbh

Strahlend von außen und innen

Der gebürtige Münchner weiß gar nicht mehr, wie oft er den Bauplatz schon vor dem ersten Spatenstich besucht hat. Denn das Umfeld aus Wohnbauten und Gewerbegebieten war eine Herausforderung. Die entscheidende Frage sei gewesen, „wie schafft man es, diesem Ort durch einen Kirchenbau eine besondere Qualität zu geben“. Meck und seine Mitarbeiter haben über den Gottesdienstraum eine Art abgeschrägten Turm gesetzt und mit der Fassade aus dreidimensionalen weißen Keramikkacheln eine Kirche geschaffen, die an einen leuchtenden Bergkristall erinnert. Der sitzt auf einem Steinsockel aus heimischem, grauem Nagelfluh. Schon von daher wird deutlich, dass Sakralräume „eine Schnittstelle zwischen Himmel und Erde sind“. Der Bau strahlt aber nicht nur von außen, sondern auch von innen. Das einfallende Licht trifft auf einen eigens entwickelten kristallinen Kalkanstrich, der es bricht und zurückwirft. Auch wenn Meck einen „vorgefassten Stil“ vermeidet, ist diese Lichtgestaltung eines seiner Markenzeichen. Ebenso dass er sich gründlich mit der Umgebung auseinandersetzt und „die Reduzierung auf das Wesentliche, die den Bauten Kraft und Energie gibt“, wie er selbst am leer geräumten Besprechungstisch seines Büros im Münchner Stadtteil Haidhausen erläutert.

Qualität beim Bauen

Was dabei in Poing herausgekommen ist, hat die Jury vom Bund Deutscher Architekten, der die „Große Nike“ auslobt, offenbar überzeugt. Natürlich fällt etwas vom Glanz dieser Ehrung auch auf den Bauherrn: „Wir sind überwältigt und freuen uns sehr über diesen herausragenden Preis, der eine große Anerkennung kirchlichen Bauens ist“, erklärte Ordinariatsrätin Susanne Birk, die das Ressort Bauwesen und Kunst leitet. Meck hält es dabei keinesfalls für Luxus, dass die Erzdiözese München auf gediegene Architektur setzt: „Gerade, weil zurzeit ein pessimistisches Kirchenbild verbreitet ist, sollte man versuchen, dem durch Qualität auch beim Bauen entgegenzutreten.“ Mit dem Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer ist ihm und seinem 15-köpfigen Büro das ausgezeichnet gelungen.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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