Arche versorgt hungernde Münchner Kinder Armes reiches München

20.09.2013

Heute ist Weltkindertag. Was vielen nicht bewusst ist: Auch im reichen München gibt es Kinder, die hungern. Das christliche Kinder- ­ und Jugendwerk ARCHE e.V. versorgt sie mit einem warmen Mittagessen und Kleiderspenden. Der Verein ist in Moosach in Containern untergebracht - direkt neben einer Villensiedlung.

 

Arche e.V. in Moosach (Bild: Sankt Michaelsbund)

München - Es ist kalt und zugig in den Containern der ARCHE. Die Wände sind schmutzig. Die Barbie-Puppen und Autos im Spielzimmer sind schon durch viele Hände gegangen. Seit 2006 versorgt das christliche Kinder- und Jugendwerk hier jeden Tag, ab 13 Uhr, rund 60 Kinder mit einem warmen Essen. „Für viele ist das die erste Mahlzeit des Tages“, sagt Standortleiterin Antje Brenda. In der Schule sitzen sie ohne etwas im Magen. Die Kinder kommen aus ganz unterschiedlichen Familien. „Nicht alle sind arbeitslos oder beziehen HartzIV“, betont Brenda. „Es gibt viele Eltern die zwei, drei Mini-Jobs haben. Das Geld reicht trotzdem nicht, gleichzeitig ist auch keine Zeit mehr für die Kinder da.“ Viele Kinder, die mittags in die Arche kommen, werden im Elternhaus massiv vernachlässigt. „Die leben in den Familien einfach nebenher, wie ein Buch das in der Ecke steht und mal angeschaut wird, aber eigentlich keinen Wert hat.“ Antje Brenda erzählt, sie betreue Kinder in der ARCHE, die mit sieben oder acht Jahren über sich selbst sagen: „Aus mir wird eh nichts“. Die sechs Pädagogen der Einrichtung fühlen sich nicht nur für Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung zuständig. Sie wollen auch Selbstvertrauen vermitteln. Von Montag bis Freitag können sich die Fünf- bis Zwölfjährigen im Kochen, Theaterspielen und Musizieren ausprobieren. Drei Millionen Minderjährige sind in Deutschland von materieller und emotionaler Armut betroffen. Wer in München, einer der reichsten Städte Deutschlands, als armes Kind aufwächst, erlebt gleichzeitig eine Welt in der der Überfluss immer größer wird. „Das Gefälle zwischen Arm und Reich ist in München einfach extrem groß. Deshalb ist es den Kindern so wichtig den Eindruck zu erwecken, sie seien gar nicht arm.“ Für viele würden Statussymbole wie Handys oder Handtaschen deshalb eine extrem große Rolle spielen, so Antje Brenda. Viele ARCHE-Kinder verheimlichen in der Schule, wo sie mittags zum Essen hingehen. Die zehnjährige Mona* hat zum Beispiel nur ihrer besten Freundin von der ARCHE erzählt. Ihre Eltern habe sie auch schon mal gefragt, warum sie nicht zu Hause Mittagessen könne. Aber die hätten auf die vielen Geschwister verwiesen. Außerdem sei es doch so, das Mona in der ARCHE besser lernen könne, als zu Hause. Monas Eltern arbeiten. Beide. (CS)

* Name geändert

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren