Unterschiede zwischen Stadt und Land Armutsgefälle in Deutschland

25.08.2014

In deutschen Städten sind gemessen an der Kaufkraft deutlich mehr Menschen arm als in ländlichen Regionen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des unternehmernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde.

Armut in Deutschland (Bild: Voyagerix - Fotolia.com)

Berlin - Gemessen am mittleren Einkommen gelte als arm, wer weniger als 871 Euro monatlich verdiene, dabei werde das regionale Preisniveau jedoch völlig außer Acht gelassen, sagte Institutsleiter Michael Hüther. "Die Preise in reinen Stadtregionen sind um gut sechs Prozent höher als in ländlichen oder teilverstädterten Gebieten", so Hüther. Dadurch ergebe sich ein neues Bild: ein viel stärkeres Stadt-Land-Gefälle und deutlich schwächeres Ost-West-Gefälle. In der regulären Armutsquote, also gemessen an der Einkommensarmut, ergebe sich eine klare Ost-West-Spaltung, so Hüther. Der Osten schneide deutlich schlechter ab als der Westen. Betrachte man jedoch die Preisunterschiede in den Regionen, relativiere sich das Bild. In Ostdeutschland ist laut Studie das Preisniveau weiterhin um fünf Prozent niedriger als in Westdeutschland. Demnach ist Thüringen nach Bayern und Baden-Württemberg das Land mit dem drittniedrigsten Anteil von Personen mit relativer Kaufkraftarmut; auch Brandenburg und Sachsen schneiden besser ab als Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Berlin.

Deutlich stärker als in der üblichen Definition von Armut angenommen, ist laut der Studie indes das Gefälle zwischen Stadt und Land. In ländlichen Regionen sind demnach im Schnitt nur 14 Prozent der Bevölkerung kaufkraftarm, während in Städten der Anteil bei 22 Prozent liegt. Besonders schlecht schneiden die Städte Köln, Dortmund und Duisburg ab, aber auch Frankfurt und Hannover sind auf der Liste der Städte mit hoher Kaufkraftarmut weit oben. Das begründe sich unter anderem darin, dass aufgrund des höheren Preisniveaus die Kaufkraft in Städten niedriger sei als auf dem Land, so Hüther. Darüber hinaus lebten in Städten mehr Menschen mit einem hohen Risiko zur Kaufkraftarmut. Darunter fielen Haushalte, in denen ein Arbeitsloser, Alleinerziehende sowie Alleinstehende und Personen mit Migrationshintergrund lebten. "Problematisch an dem Land-Stadt-Gefälle ist auch, dass es offenbar größer wird", so Hüther.

Für die kommenden Jahre sollte aus Sicht der Wissenschaftler mehr Förderung in Städte mit strukturellen Problemen, einem hohen Migrantenanteil und einer großen Gruppe bildungsferner Haushalte fließen. (kna/sts)


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