Kirchliche Angebote für Ehepaare Auf dem Paar-Parcours

25.02.2016

Männer und Frauen machen auf Einladung der Ehe- und Familienpastoral der Regionalstelle Nordwest in Fürstenfeldbruck den Beziehungs-TÜV

Im gleichen Takt gemeinsam durchs Leben gehen – das ist nicht immer einfach. (Bild: Krauß)

Vorsichtig verlagert der junge Mann sein Gewicht auf der einen Seite des langen Holzbalkens. Seine Partnerin auf der anderen Seite reagiert behutsam, und so gelingt es ihnen, auf der Wippe die Balance zu halten. Die erste Übung des Parcours im Pfarrsaal von St. Bernhard in Fürstenfeldbruck absolvieren die beiden erfolgreich. Sie haben sich den ganzen Sonntag Zeit genommen, um am „Beziehungs-TÜV zum Valentinstag“ teilzunehmen – nicht ohne die besorgte Frage, ob man da auch beurteilt werde. „Nein“, beruhigt Pastoralreferent Johannes Sporrer lächelnd, „der Prüfer sind Sie selbst!“

Sporrer arbeitet in der Ehe- und Familienpastoral der Regionalstelle Nordwest und hat mit dem evangelischen Pfarrer Niclas Willam-Singer von der Erlöserkirche in Fürstenfeldbruck zu dieser Veranstaltung eingeladen. Während der Familiensynode in Rom im vergangenen Oktober war den Bischöfen bewusst geworden, dass mehr Angebote für Paare notwendig seien, um Scheidungen vermeiden zu können. Und da der heilige Valentin als Heiliger der Liebenden gilt, lautet das Motto: „Der Liebe einen Halt – für die Treue einen Ort“. An verschiedenen Tischen im Pfarrsaal warten Stationen, an denen Paare ihre Beziehung prüfen können, wo aber auch der Genuss nicht zu kurz kommt. Ulrike und Helmut wählen mit der Rückenmassage einen sanften Einstieg. „Wir sind seit 33 Jahren verheiratet und ich bekomme jeden Dienstag eine Fußreflexzonen-Massage von meinem Mann“, erzählt Ulrike beim Mittagessen mit Herznudel-Suppe.

Paare mit einer romantischen Ader können versuchen, ein Gedicht zu verfassen oder sich solche gegenseitig vorzulesen. Kreativität und Fragen der Lebensplanung verknüpft ein junges Paar, das versucht, gemeinsam ein Bild zum Thema Umzug zu malen und feststellt: „Das ist kein einfaches Thema, weil wir beide arbeiten und unser fünfjähriger Sohn bald eingeschult wird.“ Auch bei der „Partner-Landkarte“ werden anspruchsvolle Fragen aufgeworfen, die klären sollen, wie gut man sich gegenseitig kennt: „Worauf bin ich stolz?“ oder „Welches ist meine schlimmste Erinnerung aus der Kindheit?“ Dass beide Partner viele Erfahrungen in eine Beziehung mitbringen, verdeutlichen Schachteln, die in einen Rucksack gepackt werden: Wie war die Beziehung zu Vater und Mutter? Wie wurde der Sonntag gefeiert? Erholung von solchen Partnerübungen bietet die Station der Bibel-Inspirationen mit überraschenden Zitaten aus dem Alten Testament, etwa aus dem Buch Kohelet 4,9: „Wenn zwei zusammen schlafen, wärmt einer den anderen; einer allein – wie soll er warm werden?“

Wie aber ist die Lage, wenn zwei zusammen musizieren? Bei diesem Workshop mit afrikanischen Trommeln und Rasseln am Nachmittag zeigt sich, dass nicht alle gerne das Gleiche tun und nicht jeder so gut ist wie der andere. Aber Percussion-Lehrer Reiner Dürr ermunterte die Paare einfühlsam: „Wenn wir gespannt und achtsam sind, dann wird es etwas!“

Der erste „Beziehungs-TÜV“ wurde am Nachmittag noch etwas zögerlich angenommen. Doch am Abend, zum ökumenischen Gottesdienst, waren rund hundert Menschen versammelt, um sich als Liebende segnen zu lassen. Pastoralreferent Sporrer ist optimistisch, dass er die Materialien zum Paar-Parcours an andere Pfarrverbände ausleihen kann, damit auch dort Menschen ihre Beziehung unter die Lupe nehmen können. Darüber hinaus bietet die Erzdiözese Gesprächs-Training und Beziehungs-Coaching sowohl für Paare am Beginn der Beziehung als auch für solche in mehrjähriger Beziehung an. Das Coaching wird durch Kirchensteuer-Mittel subventioniert und kann dadurch zu einem günstigen Preis angeboten werden. (Annette Krauß)

Infos zum Jahresprogramm gibt es unter www.paarkommunikation.info


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