Gemeindereferent auf Weltreise Auf dem Rad durchs Sabbatjahr

12.10.2020

Weil er einfach mal richtig durchzuschnaufen wollte, hat Gemeindereferent Nicolas Gkotses aus Waldkraiburg ein Sabbatjahr gemacht. Er hat alleine mit dem Rad die Welt bereist. Trotzdem hat er sich auf seiner Reise kaum einsam gefühlt.

 

Die Nächte verbrachte Nicolas Gkotses meist unter freiem Himmel, wie hier in der Türkei.
Die Nächte verbrachte Nicolas Gkotses meist unter freiem Himmel, wie hier in der Türkei. © privat

Waldkraiburg – Eigentlich hört sich die Motivation für sein absolviertes Sabbatjahr ziemlich schlicht an: „Ich wollte einfach mal richtig durchschnaufen.“ Und dazu hatte Nicolas Gkotses reichlich Gelegenheit. Der 35-Jährige nutzte nämlich sein freies Jahr, um auf fünf Kontinenten mit dem Rad unterwegs zu sein. Radfahren ist die ganz große Passion des neuen Gemeindereferenten, der Anfang September seinen Dienst im Pfarrverband Waldkraiburg (Dekanat Waldkraiburg) antrat.

Von Waldkraiburg in die Welt

Der studierte Religionspädagoge war zuletzt im Pfarrverband Vier Brunnen/Ottobrunn beschäftigt, bevor er in das Sabbatjahr einstieg. Er kündigte vergangenes Jahr seine Wohnung und ließ alles hinter sich. Einige Kisten mit persönlichen Dingen stellte Gkotses bei Verwandten in Waldkraiburg ab. Großartige Vorbereitungen traf er vor Reiseanbruch nicht. „Das Einzige, was ich mir besorgen musste, war ein Visum für den Iran.“ Der gebürtige Eggenfeldener, der zwar einen Führerschein, aber kein Auto besitzt, erledigt all seine Wege seit 2014 ausschließlich mit dem Rad.

In der Weltkirche daheim

Am 16. August vergangenen Jahres startete der Single-Mann von Waldkraiburg aus in sein Reiseabenteuer. Mit reichlich Gepäck beladen strampelte er durch Europa, durch Südostasien, Australien, Neuseeland, Südamerika und Afrika. Er brachte es auf insgesamt 24.000 Kilometer. „Manchmal fühlte ich mich draußen in der großen Welt schon ein bisschen verloren“, gesteht der Extrem-Radler. In solchen Situationen fand er im Gebet wieder neuen Halt. Der Religionspädagoge erzählt von Hitze, enormen Anstrengungen, bizarren Landschaften, gewaltigen Höhendifferenzen und interessanten Begegnungen mit Menschen verschiedenster Kulturen. Die Nächte verbrachte der Abenteurer meist unter freiem Himmel.

Angst habe er auf seiner unglaublichen Tour eigentlich nie gespürt, obwohl er all die Monate auf sich alleine gestellt war. Einsame Momente verschwanden schnell, wenn Gkotses irgendwo auf seiner Reise einen Gottesdienst mitfeierten konnte. „Die katholische Liturgie ist ja überall gleich, sodass ich mich trotz fremder Länder und fremder Kirchen wie zu Hause fühlte“, freut sich der 35-Jährige noch im Nachhinein. Die Weltkirche habe er erfahren und dies sei eine große Bereicherung für sein Leben.

Corona hält ihn nicht vom Radeln ab

Gkotses kam im Gegensatz zu seinem Rad ohne Blessuren durch die Reisezeit. Er musste seinen fahrbaren Untersatz unzählige Male reparieren. Derlei Kleinigkeiten bringen den Gemeindereferenten aber nicht aus der Ruhe. Corona schon eher, denn aufgrund der Pandemie endete seine Tour relativ abrupt. „Ich bin am 20. März in Casablanca in den Flieger gestiegen und gen Heimat geflogen“, erzählt er mit Bedauern. Weil das Sabbatjahr für ihn aber noch nicht zu Ende war, trat der Abenteurer Mitte Mai erneut in die Pedale – dieses Mal in Richtung Schweden. Ganz nebenbei erwähnt der Religionspädagoge seine „Radl-Ausflüge“ nach Griechenland. Obwohl er selber kein Griechisch spricht, liebt er das Land seiner Vorfahren. Der Großvater von Nicolas kam als einer der ersten Gastarbeiter nach Deutschland. „Ich besuche gerne meine Verwandten und genieße dort Natur und mediterrane Speisen“, erzählt er.

Momentan kommen größere Unternehmungen mit dem Fahrrad jedoch nicht infrage. Der Gemeindereferent widmet sich im Pfarrverband jetzt mit Hochdruck einer wichtigen Aufgabe: Die Firmung, die im November stattfindet, muss vorbereitet werden. (Ursula Huckemeyer)


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