Mit dem Pilgerbüro durch Nordgriechenland Auf den Spuren des Apostels Paulus

30.03.2017

Woran denken Sie, wenn Sie Griechenland lesen? Den Olymp, das Ägäische Meer, Schuldenkrise? Wie wäre es denn mit Apostel Paulus, Philippi, Wiege der europäischen Christengemeinde? Wir waren bei einer Reise des Bayerischen Pilgerbüros dabei.

Wir haben Thessaloniki hinter uns gelassen. Noch herrscht in unserem Kleinbus relative Ruhe. Entlang der früheren Via Egnatia, die einst Rom mit Konstantinopel verband, fahren wir Richtung Osten. Der Frühling breitet sich links auf den Hügeln aus und rechts winkt die Ägäis. Wir sind auf dem Weg zu einer der wichtigsten Stätten für das europäische Christentum: Philippi. Hier predigte der Apostel Paulus erstmals auf europäischem Boden, hier taufte er Lydia, die erste Christin Europas.

Obwohl Philippi im Juli 2016 zum Weltkulturerbe der UNSECO ernannt wurde, ist die ehemalige römische Kolonie den meisten Griechenlandbesuchern noch kein Begriff. Dabei hat der Ort sowohl landschaftlich als auch kultur- und religionshistorisch viel zu bieten. Man muss es einfach gesehen haben, um die besondere Atmosphäre zu spüren. Zu dieser Gelegenheit lud nun das Bayerische Pilgerbüro eine Multiplikatorengruppe rund um den geistlichen Leiter Weihbischof Wolfgang Bischof ein. Vom 16. bis zum 20. März ging es nach Nordgriechenland auf die Spuren des Apostels Paulus.

„In der Taufe sind wir alle verbunden.“

Als unsere Gruppe am 17. März bei Philippi aus dem Bus steigt, verbreitet sich ganz plötzlich Aufregung. Es heißt, der Metropolit der Region Philippi, Neapolis und Thassos erwarte uns, um mit uns die Taufstelle der Heiligen Lydia zu besuchen – eine große Ehre. Umringt von lokalen Medien finden wir unter freiem Himmel Platz an dem kleinen Bach, an dem Paulus Lydia getauft haben soll. Die Taufstelle mit einer kleinen Kapelle wirkt wie ein ebenso kleines Amphitheater. Hier feiert Weihbischof Bischof nun gemeinsam mit uns und dem Metropoliten einen kurzen ökumenischen Tauferneuerungsgottesdienst. Sich vorzustellen, dass hier nun die Gründung der ersten Christengemeinde auf europäischem Boden stattgefunden hat, ist in diesem Moment kaum zu bewältigen. Alle scheinen tief berührt.

Die Reisegruppe genießt die Gastfreundschaft in einer Taverne Kavalas © SMB/Dittmar

Sicherlich auch, weil Orthodoxe und Katholiken, wie wir es an diesem Tag sind, ganz selbstverständlich gemeinsam beten können. Und Weihbischof Bischof sagt es in seiner Predigt ganz deutlich: „In der Taufe sind wir alle verbunden“. Das Gefühl dieser Verbundenheit geht auch vom Metropoliten aus. Er lädt uns nach dem Besuch der beeindruckenden Taufkapelle, die seit den 1970er Jahren unweit der Taufstelle errichtet wird, zum gemeinsamen Kaffee ein. Eine Gelegenheit, um die respektvollen Beziehungen zu vertiefen.

Mit viel Fleiß und Leidenschaft in die Zukunft gehen

Von der herzlichen Gastfreundschaft sprechen später noch viele. Auch weil es nach Philippi nahtlos freundschaftlich weitergeht, als wir in einer traditionellen Taverne Kavalas mit der örtlichen Bürgermeisterin Dimitra Tsanaka zu Mittag essen. Kavala ist eine kleine Küstenstadt an einer herrlichen Bucht. Auch wenn bei unserem Besuch ein noch recht frischer Frühlingswind weht, kann man sich sehr gut vorstellen, wie das Meer hier im Sommer rauscht und buntes Treiben auf den Straßen herrscht.

Aber noch ist es leer in der Region. Noch bleiben die Touristen aus. Ein Zustand, dem Dimitra Tsanaka jedoch viel Mut und Engagement entgegensetzen kann. „Es wird besser werden“, sagt sie. „Der Tourismus ist die Industrie, auf die wir hier setzen können. Mit viel Arbeit und viel Leidenschaft.“ Aus ihren Worten sprechen Entschlossenheit und Zuversicht, die man, wohin wir auch kommen, spüren kann.

Weinprobe im Weingut von Claudia Papayanni © SMB/Dittmar

Grundlage für die meisten Griechen ist ohne Frage ihr Glauben. Über 90 Prozent sind orthodoxe Christen. Die Traditionen ihres Glaubens zu pflegen, bedeutet den Griechen Identitätsbewahrung. Und das im friedlichen Miteinander zu anderen Religionen. Selbst in einem kleinen Kloster bei Stratoni werden wir offenherzig empfangen. Und immer wieder bieten sich Gelegenheiten, mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen.

Menschen mit Gott und dem Evangelium in Verbindung bringen

Ins Gespräch kommt auch unsere Gruppe im Laufe der Reise immer mehr. Obwohl sich die meisten Mitreisenden nicht kennen, wird die Atmosphäre von Tag zu Tag familiärer. Und das macht bestimmt nicht allein der gute griechische Wein, der bei den Mahlzeiten nicht fehlen darf. Jeder sitzt hier einmal neben jedem. Es wird viel erzählt und gelacht. Abends schmiedet man schon Pläne für die nächste Reise, die man mit seiner Sondergruppe unternehmen will. Denn, darum geht es ja bei dieser Multiplikatorenreise, man soll Lust darauf machen, wiederzukehren, mehr Menschen für diese Region zu begeistern. Und dabei ist das Bayerische Pilgerbüro ein idealer Partner.

In Beröa predigte einst schon Paulus, bevor er nach Athen weiterreiste © SMB/Dittmar

Diakon Klaus Peter Hilzensauer hat bereits über 40 Reisen mit dem Marktführer für Pilgerreisen unternommen. „Das Bayerische Pilgerbüro bietet Sicherheit“, sagt der Diakon aus Speyer. „Die Reisen sind stets solide geplant. Und außerdem geht man hier auf alle Sonderwünsche bei der Gestaltung der Reise ein.“ Das ist ein Komfort, von dem auch die zukünftigen Mitreisenden der Sondergruppen profitieren sollen.

Am Ende der Reise haben unsere Gruppenleiter eine Menge Highlights im Gepäck, um daheim Lust aufs Reisen zu machen: Sei es das beeindruckende Byzantinische Museum in Thessaloniki, die Ausgrabungsstätte rund um das Hügelgrab von Philipp II. in Vergina oder eine weitere Station des Apostels Paulus in Beröa. „Nordgriechenland ist für uns ein wichtiger Ort, weil wir auf den Spuren des Apostels Paulus gehen können“, fasst Weihbischof Bischof zusammen. „Wir wollen als Bayerisches Pilgerbüro in unserem Grundansatz Menschen mit Gott, mit dem Evangelium in Berührung bringen. Und das kann man hier spüren: Auch der Apostel Paulus ist hierhergekommen. Er ist Menschen begegnet und hat diese für Jesus Christus interessiert – zum Beispiel die Heilige Lydia. Ich würde sagen, in jedem von uns ist eine Lydia und ein Paulus. Wenn wir in den einen Zeiten Lydia in uns stärker werden lassen, die offen ist für das Hören, und in anderen Zeiten Paulus, der bereit ist, von seinem Glauben zu erzählen, dann glaube ich, sind diese beiden Heiligen für uns auch heute Vorbilder.“ (Anja Dittmar)

Die Autorin
Anja Dittmar
Online-Redaktion
a.dittmar@st-michaelsbund.de


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