Wallfahrtsstätte Auf den Spuren von Maria

12.06.2020

Von Maria Altenburg zum Frauenbründl: Diese Erkundungstour durch das Dekanat Ebersberg führt zu Kirchen und Kapellen, die der Gottesmutter geweiht sind.

Innenraum der Wallfahrtskirche Maria Altenburg
Innenraum der Wallfahrtskirche Maria Altenburg © Kiderle

Ebersberg – Wen es, wie mich vor 50 Jahren, aus seiner Heimat Berchtesgaden in den Landkreis Ebersberg verschlagen hat, dem war das Mitleid der landschaftsverwöhnten Berchtesgadener Freunde sicher. Doch ich kann nur sagen: Ich habe wahrlich keinen schlechten Tausch gemacht. Das Ebersberger Land hat sowohl landschaftlich als auch kunsthistorisch so viel zu bieten, dass es mir in den vergangenen fünf Jahrzehnten ans Herz gewachsen ist. Und ich habe es auch ausgiebig erfahren und erwandert, wobei mir neben einer Wanderkarte zahlreiche Führer über Geschichte und Kunst im Landkreis sowie die kleinen Kirchenführer vor Ort sehr hilfreich waren.

Wandervorschläge zu Marienkirchen

Gerade im Frühjahr zieht es einen hinaus in die Natur. Das satte, junge Grün, die gelbgetupften Wiesen und immer mal wieder ein Kirchlein oder eine Kapelle in der Landschaft – geradezu eine Augenweide! Da lässt sich sogar das Wort Ludwig Ganghofers über Berchtesgaden – „Herr, wen du lieb hast, den lässt du fallen in dieses Land“ – uneingeschränkt auf das Ebersberger Land übertragen. Doch wo soll man anfangen und wo aufhören? Etwa ein knappes Dutzend der Gottesmutter geweihte Kirchen finden sich im Landkreis, von denen es immerhin vier (Anzing, Maria Altenburg, Frauenreuth und Kreuz bei Glonn) im Laufe der vergangenen Jahrhunderte zu bedeutsamen Marienwallfahrtsstätten gebracht haben. Mich zieht es dann immer wieder vorzugsweise in den südlichen Landkreis bis hinein in den „Bairer Winkel“ – nicht zuletzt auch der Gebirgssicht wegen. Meine nachfolgend ausgewählten Ziele und Wandervorschläge vor den Toren Münchens sind gut mit dem PKW zu erreichen. Dabei lag mir aber am Herzen, mit dem Auto keinesfalls bis vor die Kirchentür oder die Sehenswürdigkeit heranzufahren, sondern das eigentliche Ziel auf der letzten Etappe zu Fuß aufzusuchen, nachdem man das Auto in respektablem Abstand abgestellt hat.

Eine Wallfahrtskirche vom Feinsten

Beginnen wir unsere marianische Erkundungstour und verlassen bei Zorneding die B 304, der Wegweisung „Maria Altenburg“ folgend. Das Auto stellen wir am Ortseingang von Moosach bei der ehemaligen Mühle Altenburg am Straßenrand ab. Dort beginnt das alte, heute aufgelassene Verbindungssträßchen zum Steinsee, das mittlerweile von einem wunderschönen Kreuzweg mit seinen 14 Stationen hinauf zur Wallfahrtskirche Maria Altenburg gesäumt wird. Die einzelnen Nagelfluh-Bildstöcke mit den eindrucksvol len bronzenen Reliefs der Leidensgeschichte Christi laden zur Besinnung und Betrachtung ein. Oben angekommen, erwartet uns ein Wallfahrtskirchlein vom Feinsten. Maria Altenburg gehörte schon im 18. Jahrhundert zu den beliebtesten Marienwallfahrtskirchen, wie die 14 großen Gemälde des Malers Franz Joachim Deich in der Münchner Bürgersaalkirche beweisen. Das Gnadenbild im Hochaltar, eine Mondsichelmadonna, entstand um das Jahr 1500.

Wer sonntags den Gottesdienst besucht, kann nachher im vorderen Kirchenraum auch ein wertvolles Relief aus derselben Zeit näher betrachten. Es zeigt Maria Magdalena, die dem Auferstandenen (dem vermeintlichen Gärtner) begegnet. Die fein stuckierte Decke wird von Kartuschen mit Darstellungen der „Lauretanischen Litanei“ eingefasst. Schließlich wird der Betrachter im Chorraum noch auf einen Wappenschild und eine Wappenstuckierung aufmerksam. Sie stammen von dem bedeutenden Geschlecht der Pienzenauer, die unter anderem im nahen Wildenholzen eine stattliche Burganlage besaßen. Ihr gilt unser nächster Besuch. Den Rückweg zum Auto sollte man möglichst über die Wallfahrtsstiege hinunter zum Flüsschen Moosach wählen. Am Fuß der Stiege kann man noch einen Abstecher zu den sieben Moosachquellen unternehmen.

Apostel Andreas ist Kapelle geweiht

In Wildenholzen parken wir das Auto am unteren Ortsende und erkunden den Weiler wieder per pedes. Am Fuße des ehemaligen Burgberges fällt sofort ein Brunnenmonument zum Gedenken an das ausgestorbene Geschlecht der erwähnten Pienzenauer auf, die zuletzt sogar noch eine wohltätige Stiftung in ihr Testament geschrieben hatten. Genau gegenüber sticht uns zudem das schöne, historische Anwesen eines Fischers ins Auge. Die Schlosskapelle kann man entweder auf der Fahrstraße oder rechts herum auf einem kleinen, fast verwilderten Steiglein erreichen. Sie ist als einziges Überbleibsel der ehemals stattlichen Burg Wildenholzen schon 1449 entstanden und dem heiligen Andreas geweiht, doch sie birgt am Hochaltar eine sehr eindrucksvolle Madonna mit Kind von 1500. Sie wird auch für Maiandachten gerne aufgesucht. Das Hauptfest der Kapelle ist natürlich der 29. November, an dem des Apostels Andreas gedacht wird. Die Kapelle erstrahlt nach längerer Restaurierung seit 2015 wieder in altem Glanz und gehört heute zum Pfarrverband Moosach. Leider muss sie ihrer Kunstschätze wegen verschlossen bleiben, doch die nebenan wohnende Mesnerfamilie Hilger ist gerne bereit (eine kleine, anerkennende Kirchenspende sollte schon drin sein!), die Kapelle dem interessierten Besucher zu öffnen und auch zu erläutern. Die Burganlage selbst wurde 1816 abgetragen; nur noch ein Schutzwall vor der Kapelle erinnert an die ehemals stattliche Anlage.

Schwedenkapelle – ein anmutiges Kirchlein

Wir folgen sodann mit dem Auto dem schmalen Sträßchen bergauf durch Wildenholzen vorbei am Café Bauer, dem legendären „Hühnercafé“, fahren vorbei an Gut Herrmannsdorf mit seinem ökologischen Ackerbau- und Viehzuchtbetrieb, um schließlich in einer Wiesensenke westlich des Ortes Berganger ein sehr anmutiges Kirchlein zu entdecken – die Schwedenkapelle. Ein Aussteigen und Betrachten der Kapelle rundum lohnt sich allemal. Sie wurde im Jahre 1632 von den Bergangerern zum Dank für die Verschonung ihres Ortes während der Schwedeneinfälle und Bewahren vor der Pest errichtet. An dieser Stelle sollen die Schweden im dichten Nebel umgekehrt sein, da sie keine Siedlung erkennen konnten. Die Kapelle ist den beiden heiligen Märtyrern Sebastian und Florian geweiht, wie auf einer Tafel über der Tür nachzulesen ist. Übrigens: Wenn es nach dem Dehio-Kunstführer geht, ist die Kapelle „eine der reizvollsten in Altbayern“.

Heilquelle, die Wunder tätigt

Wir fahren weiter über den Weiler Weiterskirchen zu einem alten Brunnenheiligtum namens „Frauenbründl“. Vom Parkplatz führt seit einigen Jahren ein sehr schöner Kreuzweg mit Tuffstein-Marterln hin zur Marienkapelle am Waldrand aus dem 17. Jahrhundert. Vor der Kapelle befindet sich ein Brunnenschacht mit der angeblich wundertätigen Heilquelle. Im Innern der Kapelle zeugen viele Votivbilder von Gebetserhörungen. Ein Gedenkstein neben dem Gebäude gibt Aufschluss über die Geschichte dieser kleinen Wallfahrtsstätte und ihr Fest, das seit 1920 jeweils am ersten Sonntag im Juli in Anwesenheit zahlreicher Wallfahrer gefeiert wird.

Lourdegrotte am Waldrand

Auf der Rückfahrt über den Markt Glonn und Oberpframmern in Richtung München kann, wer mag, noch einen Stopp in Schlacht einlegen. Nicht nur um im „Kaffeekandl“ eine Stärkung zu sich zu nehmen oder im gegenüber liegenden Hofladen biologische Landprodukte einzukaufen, sondern auch noch einen halbstündigen Gang an den westlichen Waldrand zu einer idyllischen Lourdesgrotte mit Wegkreuz und Ruhebankerl zu unternehmen. Die Grotte wurde von einem Vorfahren der Schlachter Familie Kleinmeier bereits im Jahre 1810 zum Dank nach Genesung aus lebensbedrohlicher Krankheit mit heimischen Tuffsteinen aus dem ehemaligen Brucker Steinbruch errichtet. Unser Ausflug auf marianischen Spuren findet dort einen besinnlichen Abschluss – es sei denn, man möchte noch einen Besuch der Marienwallfahrtskirchen Frauenreuth und Kreuz anschließen. (Manfred Angerer)


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