Jubiläum der Salesianer Don Boscos Auf die nächsten 100 Jahre in München!

04.02.2019

Zu einem großen Festakt hatten die Salesianer Don Boscos geladen, um ihr 100-jähriges Bestehen in München zu feiern. Viele Gratulanten würdigten die pädagogischen Leistungen der Ordensgemeinschaft.

Kardinal Reinhard Marx feierte den Gottesdienst in St. Wolfgang zum 100. Jubiläum der Salesianer Don Boscos in München.
Kardinal Reinhard Marx feierte den Gottesdienst in St. Wolfgang zum 100. Jubiläum der Salesianer Don Boscos in München. © Kiderle

München – Durch helle Flure kommt man an einem Schwimmbad vorbei, eine Treppe hinunter und steht in einem großen Saal mit gedeckten Tischen und einem bereits aufgebauten aber noch geschlossenem Buffet. Wenn man an diesem Abend ins Salesianum geht kann man es sich kaum vorstellen, dass vor 100 Jahren alles mit einer windschiefen, undichten Baracke angefangen hat, die ein Zuhause für 25 junge Menschen sein sollte. Am vergangenen Freitag begann der Festakt zur 100 Jahre Don Bosco mit einer Vesper mit Ordinariatsdirektor Monsignore Thomas Schlichting und anschließend ging es ins „Sali“. Spätestens im Festsaal konnte man förmlich spüren, dass die Geschichte der Salesianer Don Boscos in München eine Erfolgsgeschichte ist.

Von der Baracke zum Campus Don Bosco

Der Festakt begann mit einem Rückblick: Caroline Engel führte humorvoll und doch mit der nötigen Ernsthaftigkeit durch die Zeit der Salesianer in München: Von der Baracke 1919 zum Kauf der ehemaligen Kreisirrenanstalt zur Zerstörung der Gebäude im 2. Weltkrieg und ins neue Jahrtausend mit dem Wachstum zum heutigen Don Bosco Campus. Felix Volkmann am Klavier und Zdenek Bezusek an Saxophon und Klarinette begleiteten jeweils passend mit zeitgenössischen Stücken von Charleston bis Bohemian Rhapsody den Rückblick. Doch ganz im Sinne Don Boscos wurde nicht nur zurückgeblickt. Professor Hermann Sollfrank von der katholischen Stiftungshochschule gab wichtige Denkanstöße für die Zukunft. Er ging in seinem Vortrag der Frage nach, „welche Bildung es denn sein soll“: Bildung solle „kein Container, sondern ein Horizont sein“, erklärte er. Es gehe um weit mehr als Wissensvermittlung, sondern darum den jungen Menschen das Rüstzeug und die Kraft zu geben, „in der Welt klarzukommen.“ Auch der Provinzial der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos, Pater Reinhard Gesing, bezog sich in seinem Grußwort auf die Zusammenarbeit von Bildung und Erziehung. Jede Einrichtung im Geiste Don Boscos müsse „wie ein Zuhause sein, wo junge Menschen Annahme und Wertschätzung erfahren, die sie wachsen lässt“, erklärte er.

Das Stichwort Heimat griff auch die Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer (CSU) auf. In ihrem Grußwort bedankte sie sich besonders für die Unterstützung und das Engagement der vielen Mitarbeiter der Salesianer bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise. Weiterhin lobte die studierte Sozialpädagogin den Pioniergeist der Salesianer sich früh von autoritärer Pädagogik zu distanzieren und die Herzensbildung in den Mittelpunkt zu stellen. Gerade in der Vielfalt der modernen Welt bräuchten junge Menschen Orientierung und Halt und der Glaube sei eine Wurzel dazu.

Zum Festakt versammelten sich (v.l.) der Direktor der Don Bosco Salesianer Pater Stefan Stöhr, Ordinariatsdirektor Monsignore Thomas Schlichtling, Staatsministerin Kerstin Schreyer (CSU), Professor Hermann Sollfrank, der Provinizal der Salesianer in Deut
Zum Festakt versammelten sich (v.l.) der Direktor der Don Bosco Salesianer, Pater Stefan Stöhr, Ordinariatsdirektor Monsignore Thomas Schlichtling, Staatsministerin Kerstin Schreyer (CSU), Professor Hermann Sollfrank, der Provinizal der Salesianer in Deutschland, Pater Reinhard Gesing, und der Gesamtleiter der Salesianer in München, Stefan Bauer © Kiderle

Einige revolutionäre Ideen

Don Boscos Erziehungskonzept sei genial, erklärt Pater Alfons Friedrich, der durch den Abend führte und dabei seine Entertainerqualitäten mit Humor und Charme bewies, im Gespräch. Doch worum geht es eigentlich bei dem Konzept von Don Bosco? Drei Säulen gibt es: Vernunft, Glaube und Liebenswürdigkeit. Vieles davon scheint selbsterklärend zu sein, aber diese Begriffe müssen auch immer wieder neu mit Inhalt gefüllt werden.

Denn im Gegensatz zu anderen pädagogischen Konzepten des 19. Jahrhundets gebe es keine genauen Handlungsanweisungen, keinen Lehrplan, sondern eben nur ein paar grundsätzliche Ideen, erläutert Friedrich. Dies bedeute auch eine permanente Rückbesinnung und eigene Erneuerung. Im Laufe der Zeit hätten immer wieder Strukturen die Ideen Don Boscos verwässert und überdeckt. Sogar schon zu Lebzeiten des heiligen Giovanni Melchiorre Bosco. Darauf wäre er etwa in seinem Rombrief von 1884 eingegangen. Fast sei dieser Brief eine Abbrechnung mit dem, was aus seinen Ideen geworden sei.

Die Gemeinschaft drohte ihre Ideale in festgefahrenen Strukturen zu verlieren. Damit das nicht passiert, sei es notwendig, dass eine lebendige Gemeinschaft sich immer neu erlebt und entdeckt. Genau hier kommen die Ideale Don Boscos zu tragen: Schüler und Erzieher sollen sich auf Augenhöhe gegenüberstehen. Das bedeute allerdings kein Laissez-faire, aber erst recht keine Repression, so der Pater. Wenn man bedenkt, dass bis in die 1970er Jahre hinein, Schule und Erziehung von autoritären Methoden geprägt waren, sind sind das revolutionäre Ideen.

Don Bosco soll einmal zu einem jungen Schüler gegangen sein, der am Rand stand, in sich versunken, allein und traurig und ihm, so heißt es, „das Wort der Hoffnung“ ins Ohr geflüstert haben. An dieser Geschichte werden wichtige Prinzipien deutlich: Ein individueller und personalisierter Zugang zum Einzelnen, eine Begegnung auf Augenhöhe und das Vermitteln der Frohen Botschaft. Bei den Salesianern steht bis heute der junge Mensch mit seinen ganz eigenen Bedürfnissen im Zentrum.

Bekannter Salesianer: Pater Alfons Friedrich vom Pfarrverband Haidhausen
Bekannter Salesianer: Pater Alfons Friedrich, Leiter des Pfarrverbands Haidhausen © Kiderle

Die Frage als pädagogisches Konzept

Diese Bedürfnisse ändern sich aber mit der Zeit. „Ich kann mich ja ewig jung fühlen,“ sagt Pater Friedrich, „aber natürlich ist mein Zugang zu den Jugendlichen beschränkt. Das fängt schon damit an, dass meine Musik viel besser ist als deren“. Genau deswegen seien die vielen Mitarbeiter so wichtig. Jeder von ihnen bringe frischen Wind, Innovation und einen eigenen neuen Zugang zu den jungen Menschen. Keiner der Redner vergas, sich bei eben diesen vielen Mitarbeitern zu bedanken. Denn auch der Orden der Salesianer hat ein Nachwuchsproblem. Bildung in einem herkömmlichen Sinne zu vermitteln, sei nicht das Problem, aber es geht ja um so viel mehr: Die ganzheitliche Erziehung des Menschen, die von der Ministerin erwähnte Herzensbildung und die Herausbildung emotionaler Intelligenz. Dinge, die nicht messbar sind, und in keiner Pisa-Studie auftauchen und doch von zentraler Bedeutung sind.

Doch die Erneuerung und Innovation kommt nicht nur von den Mitarbeitern. „Wir verharren nicht in unserer oberbayerischen Idylle“, stellt Pater Friedrich klar. Die Internationalität der Salesianer ist dafür genauso wichtig. Über 15.000 Brüder sind in über 130 Staaten aktiv. Mehr als 150.000 Mitarbeiter betreuen über 16 Millionen junge Menschen.

Immer wieder erlebe Friedrich, dass erwachsene Männer und Frauen zu ihm kommen. Sie haben im Leben eigentlich alles erreicht, sie haben eine tolle Karriere und oft auch Familie, aber ihnen fehlt etwas. In diesen Gesprächen merkt Friedrich, wie sehr ihn die Salesianer geprägt haben: Auch er hat keine Antwort auf die Sinnfragen, die ihm diese Menschen stellen. Das will er auch gar nicht. Er kann ihnen nur bei der Reflexion helfen, ihnen Fragen stellen, wie es die Erzieher und Lehrer bei den Schülern tun. Auch eine Idee Don Boscos: Die Frage als pädagogisches Konzept.

Vor dem Gottesdienst am Sonntag führten die Münchner Schäftler auf dem Kirchenplatz von St. Wolfgang ihren Jubiläumstanz auf.
Vor dem Gottesdienst am Sonntag führten die Münchner Schäftler auf dem Kirchenplatz von St. Wolfgang ihren Jubiläumstanz auf. © Kiderle

Evangelium leben

Natürlich reicht ein einziger Abend nicht, um 100 Jahre Don Bosco in München gebührend zu feiern. Am Sonntag ging es weiter mit einem Festgottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx. Auch der Sankt Michaelsbund war vor Ort und übertrug den Gottesdienst im Münchner Kirchenradio. Der Erzbischof von München und Freising dankte dabei den Salesianern für die gute Arbeit mit jungen Leute nach dem Vorbild des Gründers Johannes Don Bosco. Marx erinnerte daran, dass das von Papst Franziskus geforderte Leitmotiv "Evangelisierung" nicht nur bedeute, das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Vielmehr gehe es auch darum, dieses zu leben.

Ihn ärgere heute oftmals, wenn in der Kirche darüber gestritten werde, wer katholischer sei, sagte der Kardinal. Das lasse sich nicht nur an Worten und Texten messen. Das Evangelium zu leben, heiße nicht nur, etwas auswendig zu lernen, sondern sein Leben zu verändern nach dem Vorbild Jesu Christi. "Man muss die Zehn Gebote kennen, aber man muss sie auch leben", so Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Bei der jüngsten Jugendsynode in Rom sei deutlich geworden, dass Bischöfe und Priester jungen Leuten gegenüber nicht auftreten könnten mit dem Bewusstsein, sie wüssten stets, was zu tun sei. Stattdessen gelte es, Zeugnis abzulegen, damit diese junge Menschen "Glaubwürdigkeit" vorgelebt bekämen.

Nach dem Festgottesdienst war aber noch lange nicht Schluss mit den Feierlichkeiten. Nach Mittagessen und Kaffee und Kuchen gab es noch ein Kindermusical „Die Rache der Igel“ von der Singschule St. Wolfgang zu bestaunen. (Thomas Stöppler/kna)

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