Impuls von Pfarrer Fischbacher Auf gute Nachbarschaft

07.07.2019

Interessiert, aber nicht neugierig, hilfsbereit, aber nicht übergriffig sollten Nachbarn sein. Was die Bibel über eine gute Nachbarschaft aussagt, erläutert Pfarrer Stephan Fischbacher hier.

„Liebe deinen Nachbarn, reiß aber den Zaun nicht ein.“ So bringt ein Sprichwort ein gutes Miteinander von Anwohnern auf den Punkt.
„Liebe deinen Nachbarn, reiß aber den Zaun nicht ein.“ So bringt ein Sprichwort ein gutes Miteinander von Anwohnern auf den Punkt. © pressmaster – stock.adobe.com

Die Nachbarschaft wird mal geliebt, mal gefürchtet. Wohl dem, der mit seiner Nachbarschaft gut auskommt. Das Schöne an guten Nachbarn ist: Sie stehen dir bei, wenn du Hilfe brauchst: eine Tasse Zucker am Sonntagnachmittag, kurze Betreuung der Kinder, eine Gefälligkeit hier, eine Freundlichkeit da. Das ist im besten Falle ein Geben und Nehmen: Beide Seiten tragen etwas bei, und beide Seiten profitieren davon. Ganz in diesem Sinne steht in der Bibel: „Besser ein Nachbar in der Nähe als ein Bruder in der Ferne.“ (Spr 27,10b)

Soziales Netzwerk ja, soziale Kontrolle nein

Wenn zu diesem gegenseitigen Nutzen auch noch eine echte, tief empfundene Freundschaft dazukommt: Wer kann sich Besseres wünschen? Es ist ein Idealzustand, von dem aber nicht einmal die Bibel ausgeht: „Sinne nichts Böses gegen deinen Nächsten, der friedlich neben dir wohnt!“ (Spr 3,29). Das erscheint mir als abgeschwächte Form der Nächstenliebe, da sie eine entscheidende Einschränkung erfährt. Vielleicht geht der Autor von der praktischen Lebenserfahrung aus: Wenn dir dein Nachbar keinen Grund gibt, dann sei ihm auch nicht böse. Vermeide Neid und Missgunst, und übertrage nicht den Frust über das eigene Leben auf deine Nachbarn. Das ist die Mindestvoraussetzung dafür, dass eine Nachbarschaft ihre Funktion als soziales Netzwerk erfüllen kann, das einen Menschen auch einmal auffängt, wenn er fällt. Es sind Menschen, die wahrnehmen, wie es einem geht, und die auch Unterstützung in schweren Lebenslagen leisten.

Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen.
Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen. © privat

Soziales Netzwerk kann aber auch in soziale Kontrolle ausarten. Ich stelle es mir sehr unangenehm vor, wenn man das Gefühl hat, von der Nachbarschaft genauestens beobachtet zu werden und vielleicht sogar noch Gegenstand von Getratsche zu sein. Gegenseitiges Interesse ist gut, Neugierde ist fehl am Platz. Und es geht nicht an, sich am Unglück oder dem moralischen Fehlverhalten anderer zu ergötzen. Auch diese menschliche Erfahrung wird in der Bibel ausgedrückt: „Du machst uns zum Hohn unseren Nachbarn, zu Spott und Schimpf denen, die rings um uns wohnen.“ (Ps 44,14) Wer solche Nachbarn hat, braucht keine Feinde.

Interessiert, aber nicht neugierig

Wie sollen wir also in der Nachbarschaft zusammenleben? Am besten bringt es ein Sprichwort auf den Punkt: „Liebe deinen Nachbarn, reiß aber den Zaun nicht ein.“ Das spricht für einen liebevollen Umgang miteinander: interessiert, aber nicht neugierig, hilfsbereit, aber nicht übergriffig, aufmerksam, aber nicht hinten rum. Alle müssen mitmachen, anfangen kann ich aber nur selber.


Das könnte Sie auch interessieren

Gestank oder Duft? Wegen Weihrauch bemühten sich in Erding nun die Gerichte.
© hvoenok - stock.adobe.com

Kurioser Fall Nachbarschaftsstreit um Weihrauch landet vor Gericht

In Erding fühlte sich eine Frau durch das Verbrennen von Weihrauch belästigt und verklagte ihrer Nachbarn. Nun hat das Amtsgericht entschieden.

18.10.2019

Krankheitserreger und Krachmacher. Nicht jeder freut sich über Kühe.
© A. Karnholz - stock.adobe.com

Glosse Lärm und Gestank aus Nahost

Autor Thomas Stöppler vermutet, dass es bei Nachbarschaftsstreitereien eigentlich um mehr geht als um Lärm und Gestank.

18.10.2019

Wenn ich nicht bereits daran denke, dass der nächste Hit viel besser ist, dann macht auch ein mittelmäßiger Song richtig Freude, meint Max Kronawitter.
© Kar Tr – stock.adobe.com

Impuls von Max Kronawitter Urlaubs-CDs

Was wir sind oder machen, müssen wir nicht stets in Relation zu anderen setzen, findet Max Kronawitter. Stattdessen könnten wir fragen: Genügt es mir? Ist es gut für mich?

04.08.2019

Gerade der Urlaub kann eine Zeit sein, sich wieder einmal bewusst beschenken zu lassen, meint Pater Cornelius Bohl.
© dashtik – stock.adobe.com

Impuls von Pater Cornelius Bohl Sich beschenken lassen

Pater Cornelius Bohl ermutigt dazu, aus Dankbarkeit großzügig zu sein. Ein Augenblick der Stille am Ende des Tages kann dabei helfen.

28.07.2019

Das Ausschau-Halten nach einem vierblättrigen Kleeblatt ähnelt für Schwester Cosima Kiesner der Gottsuche.
© Thaut Images – stock.adobe.com

Impuls von Schwester Cosima Kiesner Gott wie ein vierblättriges Kleeblatt suchen

Bei der Gottsuche ergeht es Schwester Cosima Kiesner ähnlich wie beim Erspähen eines vierblättrigen Kleeblatts. Wenn sie Ihn jedoch gefunden hat, lebt sie in der Gewissheit, dass es Ihn gibt.

21.07.2019

Wer glaubt, vermag in allen Wirrungen des Lebens ein Gesicht zu entdecken, das ihn anschaut und ihm sagt: „Alles wird gut!“, meint Max Kronawitter.
© Maika – stock.adobe.com

Impuls von Max Kronawitter „Alles wird gut!“

Der Glaube verändert die Weise, wie man die Welt wahrnimmt, ist Max Kronawitter überzeugt. Inwiefern, verrät der Theologe und Filmemacher hier.

23.06.2019

Pater Cornelius Bohl ist überzeugt: Der rote Faden, der sich durch das Leben eines Menschen zieht, ist dessen ganz persönliche Berufung.
© zeralein – stock.adobe.com

Impuls von Pater Cornelius Bohl Der rote Faden

Habe ich einen roten Faden in meinem Leben? Gibt es bei mir eine große Richtung, die sich durch alle Höhen und Tiefen durchträgt? Ein Lebensthema, bei dem ich spüre: Ja, das bin genau ich!

16.06.2019

Der Heilige Geist ist für Schwester Cosima Kiesner die Ruhe in der äußeren und inneren Hektik.
© Africa Studio – stock.adobe.com

Impuls von Schwester Cosima Kiesner Die Kraft des Geistes

Seit Schwester Cosima Kiesner mit dem Wirken des Heiligen Geistes in ihrem Alltag rechnet, erkennt sie es leichter. Wie es sich zeigt, verrät die Ordensfrau hier.

09.06.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren